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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-06-28 · 13 (28.6.1929) · p. Seite 207

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
13 (28.6.1929)
Article
Eine Glockensynagoge in Deutschland
Date
1929-06-28
Page
Seite 207 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 207 Beschneidungsbank aus dem Federseemuseum -K5W am typische Bild des Zerfalls einer Landgemeinde. Die feit 1825 bestehende jüdische Volksschule, die noch vor einigen Jahrzehnten etwa ICO Schüler zählte, hat heute nur noch 5, denn die Kinder kommen alle in die Realschule und zur weiteren Ausbildung in die Städte. Von hier kehren sie im allgemeinen nur noch besuchsweise in ihr Dorf zurück. Früher zählte man in Buchau viele jüdische Handwerker, heute gibt es keinen einzigen mehr. Die Juden sind zum größten Teil als Kaufleute und Händler tätig,' also in Berufen, die sie früher oder später vom Dorf in die Stadt führen werden. Nur einige betreiben noch ein wenig Landwirtschaft. Zwei hölzerne Grabtafeln aus dem alten Friedhof Buchau (aufgestellt im Federseemuseum) Buchau ist nicht nur merkwürdig wegen seiner Synagoge, es ist eine wahre Fundgrube für den Kunsthistoriker. Es finden sich dort noch eine Fülle interesianter jüdischer Kult- und Kunftgegenftände, die sich von Generation auf Generation vererbt haben und teilweise heute noch in Gebrauch sind, oder im Federseemuseum aufbewahrt werden. Da sind aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammende prächtige Thoravorhänge, Thorawickelbänder und andere Synagogenftickereien, Chanukkahleuchter in reicher Variation, Gewürzbüchsen, Waschbecken und Sederschüsieln in Zinn und Messing, Thoraschilder und -krönen in allen Stilarten, da ist eine Beschneidungöbank aus der alten Synagoge, da finden sich alte Dokumente, Iudenschutzbrrefe und viel anderes mehr. Sehr alt ist auch der Friedhof Buchaus. Nach einem Dokument aus dem Jahre 1659 bitten Moyses, Israel und Abraham, Juden aus Aulendorf und Buchau, um die Zuteilung eines „Gemeinplätzchens", das noch heute nach mehrfacher Vergrößerung den Juden als Begräbnisstätte diem. Die Daten find dem Manuskript M. Vierselders: „Geschichte der jüdischen Gemeinden Buchau und Kappel" entnommen. Sämtliche Ausnahmen, mit Ausnahme des Flugbildes, vom Verfasser. Nachdruck nur mit Genehmigung des Verfassers gestattet. Line mittelalterliche Kirche als Synagoge von Prediger Hermann Hirsch (Koburg) □’sy- *np' r6sn rpa ’rvn „Mein Haus soll ein Bethaus für alle Völker heißen." Dieses Wort der Schrift hat sich an der Koburger Synagoge bewahrheitet. Draußen vor den alten Stadttoren an der Ketschendorfer Landstraße, welche von Neubayern (Koburg) nach Altbayern (Lichtenfels-Bamberg) führt, steht eine alte Kapelle — die Kirche zu St. Nikolaus. So nennt sie die Koburger Geschichte, und viele, die vorüber kommen, bleiben verwundert stehen, wenn man ihnen erzählt, daß diese Kapelle zu St. Nikolaus die Synagoge der Koburger Juden fei. Freilich ein eigenartiger Fall. Aber nicht nur eigenartig, sondern auch einzigartig. Es dürfte wohl in Deutschland kein zweites Beispiel zu finden Inneres der Koburger Synagoge fl l

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