Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern · 1929-06-15 · 6 (15.6.1929) · p. Seite 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1929
Issue
6 (15.6.1929)
Article
Freie Vereinigung israelitischer Lehrer und Kantoren der Pfalz
Date
1929-06-15
Page
Seite 13 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9539926-9936104-9936662-2735840--599-2735897
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 6 Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern 13 Schaden. Vorwürfe, denen irgend eine Berechtigung zugrunde liegt, soll man nicht durch spitzfindige Argumentation zu widerlegen, sondern nur durch Hinweis aus die Zeit und die Umstände erklärlich und somit verzeihlich zu machen suchen. Das gilt sowohl für Schwächen und Eigenheiten der Juden wie für Sätze und Anschauungen der Bibel, des Talmuds u. a. Schriften, welche vom heutigen Standpunkt der Echik anfechtbar erscheinen mögen. 3. Das Zurückweisen soll überhaupt nur den Charakter einer Apologie cckier nicht den eines Abwehrkampfes haben und darf deshalb gegenüber Angriffen auf die Religion niemals in Gegenangriffen auf eine andere Religion ausarten. 4. Die Apologetik soll nur in der Oberklasse der Mittelschule systematisch, sonst aber, ohne als gesonderte Disziplin in die Erscheinung zu treten, an der Hand des übrigen Unterrichtes in der Geschichte und in der Religionslehre behandelt werden. Am besten wird der Begriff Apologetik durch eine Vertiefung des Unterrichtes und Erfüllung des Kindes mit möglichst umfassendem Wissen und wahrem Verständnis für die Religion und die Geschichte der Judenheit ersetzt, sodatz das Kind schon von selbst Angriffen entgegentreten kann. (Wissen ist Macht, aber auch Kraft zur Verteidigung.) Über „Die Fortbildung des jüdischen Lehrers" sprach Kollege Schwarz, Speyer, in temperamentvoller Weise. Der Ruf nach organisierter gemeinschaftlicher Fortbildungsarbeit führte auf den Vorschlag des Vorsitzenden zur Einsetzung einer Kommission, die im Einvernehmen mit den Herren Bezirksrabbinern die Realisierung dieser Bestrebungen unverzüglich in die Wege leiten soll. Beide Referate wurden beifällig ausgenommen und ausgiebig besprochen. Rach Erledigung einer Reihe von Vereins- und Standesfragen konnte der Vorsitzende die harmonisch verlaufene und gehaltvolle Tagung um 3 Uhr beschließen, woraus ein von der Kültusgemeinde Kaiserslautern in liebenswürdiger Weife gespendetes und durch heitere und ernste Reden gewürztes Mahl die Kollegen zu gemütlichen Beisammensein vereinte. Sch. Fr. Bezirkskonierenz Sihingen. Alle vier Wochen findet unter der bewährten Leitung des Herrn Bezirksrabbiners Dr. I. Wohlgemuth, Kitzingen, im Seminar zu Wümburg eine Konferenz statt. Zur Zeit wird in Talmud Megillah und in Mischnah Jebomaus gelernt. Bei jeder Konferenz erstattet abwechselnd ein Mitglied ein Referat. Bisher wurden folgende Themen behandelt: 1. Der Lehrplan für den Religionsunterricht in der jüdischen Schule; 2. Die Verwendung von Midraschim beim biblischen und religionsgesetzlichen Unterricht, ein Zyklus von mehreren Vorträgen, wobei alle Beteiligten referierten; 3. Grammatikalische Übungen an Hand der laufenden Sidrah 4. Korrektes Einhalten und Zusammenlesen im Gebetbuche. In der Konferenz am 8. Mai 1929 reproduzierte Herr Brückheimer, Marktbreit, den auf dem wissenschaftlichen Fortbildungskurs in Würzburg gehaltenen Vortrag des Herrn Seminarrabbiners Dr. Neubauer, unter dem Titel:,, Literargeschichtlicher Überblick über die tannaitischen Quellen und deren Verarbeitung durch die Amoräer". Die nächste Zusammenkunft findet im Juni statt und wird der Herr Vorsitzende über Gr. Jamvels Werk:,, Vorgeschichte des israelitischen Volkes und feiner Religion, 1. Teil: Die Methoden" und Herr Bravmann, Gaukönigshofen, über die „39 Hauptarbeiten und deren Untergruppen" sprechen. Zum Obmann der Konferenz wurde Herr N. Bamüerger, Kitzingen, gewählt. Bezirkskonferenz Ansbach. In der Konferenz am 7. April hielt Stein, Berolzheim, einen tiefgründigen Vortrag über „Die Notlüge vom Standpunkt kies Judentums". Herr Rabbiner Dr. Munk erfreute die Teilnehmer durch feinsinnige Erklärungen dur Hagada. Bei Erörterung von Standes- und Berussfragen wurde besonders die Pflicht zur Schulpraxis behandelt. personatta Höchberg. Mit Beginn des neuen Schuljahres trat Herr Präparandenlehrer Emanuel Eldod nach 44jähriger Tätigkeit, davon 35 Jahre als Religionslehrer an der Talmud-Thora-Bürger- und Präparandenschule Höchberg, in den Ruhestand. Groß ist die Zahl derer, die von ihm die Grundlagen ihres jüdischen Wissens empfangen haben und denen er in Lehre und Leben das Idealbild eines jüdischen Lehrers zeichnete. Alle, die das Glück haben, sich seine Schüler zu nennen, werden ihm für seine segensreiche Tätigkeit innigsten Dank wissen, nicht zuletzt auch das gesamte Lehrerkollegium der Schule, das ihn als treuen Freund und Berater hoch schätzt und ihn nur ungern aus seiner Mitte scheiden sieht. Bei der am 20. März in den Räumen der Talmud-Thora-Bürger- und Präparandenschule stattgesundenen Schlußfeier gedachte der Direktor der Schule in ehrenden Worten seiner zahlreichen Verdienste um Schule und Schüler und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß Herr Eldod sich bereit erklärt hat, auch weiterhin noch einige Stunden Unterricht an der Anstalt zu erteilen. Möge Herr Eldod sich recht lange seiner wohlverdienten Ruhe erfreuen. (Unlieb verspätet.) kihingen. Donnerstag, den 30. April 1929, hielt die Ortsgruppe des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Kitzingen, ihre diesjährige Generalversammlung ab. Hierbei legte der bisherige Kassier und Bibliothekar, Herr Hauptlehrer Robert Einstädter seine Ämter nieder, da er nach Nürnberg versetzt wurde. Der erste Vorsitzende des Vereins, Herr Gustav Gerst, gedachte bei dieser Gelegenheit der großen Verdienste, die sich Herr Hauptlehrer Einstädter um den Verein erworben habe. Da er sich in seiner Bescheidenheit. eine Abschiedsfeier größeren Stils verbeten hatte, fand anschließend an die Generalversammlung eine kleine, von der Kultusgemeinde veranstaltete Feier für den Scheidenden statt. Der erste Vorstand, Herr I. Ullmann, dankte im Namen der Gemeinde Herrn Hauptlehrer Einstädter für seine vortreffliche Führung der jüdischen Volksschule, die auch schon des öfteren durch die Vorgesetzte Behörde öffentlich anerkannt wurde, und überreichte im Auftrag der Gemeinde eine kostbare Ehrengabe. Herr Bezirksrabbiner Dr. I. Wohlgemuth hob die vorbildlichen Eigenschaften des Scheidenden hervor, die ihn besonders für den Lehrberuf geeignet machen. Herr Lehrer N. Bamberger sprach sein lebhaftes Bedauern darüber aus, daß er den Kollegen Einstädter verliere, mit dem jederzeit ein harmonisches Zusammenwirken zum Nutzen der Jugend möglich war. Herr Fritz Ullmann als Vorsitzender des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten dankte Herrn Hauptlehrer Robert Einstädter für das Interesse, das er stets dem Verein gewidmet habe. Alle Ansprachen bekundeten das außerordentliche Bedauern über den Weggang des Herrn Einstädter, der sich hier nur Hochachtung und Wertschätzung erworben hatte. Zum Schluß dankte der Gefeierte für die ihm gezollten Worte und wünschte der jüdischen Gemeinde ein weiteres Blühen und Gedeihen. Burgpreppach. Mit Wirkung vom 1. Mai ist Hauptlehrer Levi ° in den dauernden Ruhestand versetzt worden. Kurz vor Redaktionsschluß trifft uns noch die traurige Nachricht, daß unser lieber Kollege, Oberlehrer a. D. Friedmann, München, am 11. ds. Mts. einem Herzschlag erlegen ist. Trotz seines hohen Alters hat er noch stets mit jugendlicher Begeisterung an den Bestrebungen unseres Vereins lebhaften Anteil genommen und. war uns allen ein lieber Freund. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Bezirkskonferenz Fürth Nächste Konferenz am 23. Juni 1929 in Fürth, Moststraße. Beginn pünktlich 14 Uhr. Tagesordnung: 1. Der Unterricht in der systematischen Religionslehre; Referent: Gönniger, Zirndorf. 2. Besprechung der neuen Satzungen des Lehrervereins. 3. Mischnah-Fortsetzung. Referent: Ellinger. Blumenthal. Anträge zur Mitgliederversammlung 1. Die Hilfskasse des Vereins gewährt beim Ableben eines ordentlichen Mitgliedes unter den gleichen Voraussetzungen wie bei anderen Beihilfen eine Bestattungsbeihilfe von 500 RM. L. Uhlfelder, Nürnberg. 2. Der Lehrerverein wolle an den Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden den Antrag stellen: Kultusbeamten, die keine seminaristische oder andere anerkannte Vorbildung mit Seminarabfchlußprüfung Nachweisen können, soll die Führung des Titels „Lehrer" untersagt werden. Bezirkskonferenz Fürth. Eingelaufene Bücher: (Besprechung folgt) Festgabe zum zehnjährigen Bestehen der Akademie für die Wissenschaft des Juden- Die Julinummer der Mitteilungen fällt aus. Die nächste Nummer erscheint Mitte August. Für den Inhalt der „Mitteilungen,, verantwortlich: Max Adler, München.,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.