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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-06-01 · 11 (1.6.1929) · p. Seite 177

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
11 (1.6.1929)
Article
Kundgebung des bayerischen Siedelungsausschusses
Date
1929-06-01
Page
Seite 177 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 11 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 177 Die jüdische Wohltätigkeit habe überall eingegriffen, wo es notwendig gewesen sei. Warum sollte sie hier versagen, wo es um die Zukunft der deutschen Juden gehe? In der Diskussion sprach zunächst Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, welcher dem Vorsitzenden des Siedelungsausschusses, Dr. Gutmann, und Rittergutsbesitzer Masse für ihre erfolgreiche Tätigkeit dankte. Die bayerische Eigenart solle darin bestehen, daß Bayern in der Siedelungsbewegung führend vorangehe. Schon in der Geburtsstunde des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden sei die Siedelung auf dem Lande in die Verfassung ausgenommen worden. Es sei immer klarer geworden, daß die Bevölkerungsbewegung die Hauptfrage jüdischen Lebens geworden sei. Immer wieder sei in Versammlungen des Landesverbandes auf die Verfallserscheinungen aufmerksam gemacht worden. Die Siedelung auf dem Lande, wo der Kinderreichtum wirtschaftlich bedeutungsvoll sei, sei dringend notwendig, doch bedürfe es hierzu der Zusammenfassung aller jüdischen Kräfte im Reich. Hier sei der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten als mächtiger Bundesgenosse zu Hilfe gekommen. In Bamberg seien bereits 8000 RM. für Siedelungszwecke bewilligt worden. Er bringe im Namen des Verbandes den Bestrebungen des jüdischen Frontbundes die herzlichsten Sympathien entgegen. Ein gesunder Geist könne nur in einem gesunden Körper wohnen. Es bestehe eine gewisse Gefahr der Überintellektualisierung in den großen Städten. Faust habe am Ende seines Lebens als die eigentliche schöpferische Arbeit des Menschen erkannt, den Boden zu bearbeiten und zu siedeln. Das jüdische Werk der Siedelung auf deutschem Boden möge unsere Gemeinschaft gesund und stark erhalten für alle Zeit. Es sprachen weiter Sanitätsrat Dr. Baron für den Central- Verein der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens, Landesverband Bayern, Frau Clementine Krämer für den jüdischen Frauenbund, Herr Justin Lichtenauer für die zionistische Ortsgruppe München. Gutsbesitzer C i n st e i n trat auf Grund seiner praktischen Erfahrungen für das Siedelungswerk ein. Rabbiner Dr. Baerwald führte aus, daß eine Gemeinschaft, die eine religiöse sein solle, aus religiösen Gründen den Zusammenhang mit dem Lande fordern müsse. Wenn es im Laufe der Geschichte dahin gekommen sei, daß wir den Zusammenhang mit der Natur fast ganz verloren haben, so sei das eine Anomalie. Cs komme darauf an, den Zusammenhang mit der Mutter Erde wieder zu erringen. Die Verbindung mit dem Lande werde auch für die jüdische Religiösität eine tiefe Bedeutung haben. Das Schlußwort hatte Rechtsanwalt Dr. W e r n e r als Vorsitzender des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, der seiner Genugtuung darüber Ausdruck gab, daß die Vertreter von jüdischen Organisationen aller Richtungen den Bestrebungen des Frontbundes ihre Sympathie bekundet hätten. In der Frage der Notwendigkeit der Siedelungsbestrebungen sei sich heute alles einig. Auch die Möglichkeit der Ausführung würde heute im Gegensatz zu früher allseitig zugegeben. Die Durchführung der Siedelungsidee sei keine Utopie, er erinnere an das Wort Franz Oppenheimers: Die Utopie von gestern sei die Wirklichkeit von heute. Daß die Utopie von heute die Wirklichkeit von morgen werde, dafür sollten wir Sorge tragen. Gesellschaftsabend zu Ehren von Mrs. Lindheim Die Münchener Gruppe des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina veranstaltete am 23. Mai 1929 abends im Hotel „Bayerischer Hof" einen Gesellschaftsabend anläßlich der Anwesenheit von Mrs. Lindheim (Neuyork), der Präsidentin der großen amerikanischen jüdischen Frauenorgänisation „Hadassah", in München. Nach einem Klavieroortrag von Herrn Schalit begrüßte die Vorsitzende, Frau Dr. Elias Straus, die Erschienenen und sprach einige einleitende Worte zum Vortrag von Mrs. Lindheim. Den amerikanischen Juden komme in der heutigen Judenheit die Rolle zu, die früher die russischen Juden hatten, die infolge von Krieg und Kriegsfolgen der Gesamtjudenheit nichts mehr bieten können. Mrs. Lindheim erzählte dann mit großer Wärme von Palästina und ihren persönlichen Eindrücken auf ihren verschiedenen Reisen durch Palästina. Von Palästina gehe eine ungeheuere Kraft aus, es mache jung, fei aber auch nur ein Land für Leute, die jungen Geistes sind. Der Vortrag gab ein anschauliches Bild von den Verhältnissen in Palästina und wurde mit großem Beifall ausgenommen. Nach dem Vortrag blieben die Anwesenden in angeregter Unterhaltung beim Tee zusammen. In einer Ecke des Saales waren Arbeiten aus Palästina zum Verkauf ausgestellt. 'JMjindi&L (penjsasiüasse 'TnäLSSi Aass - Schneiderei - Aodisches ßelwerK. ■'tfv.ül MÜNCHEN HOTEL EUROPÄISCHER HOF BES. OTTO LÜCKERT Das vornehme Hotel direkt gegenüber dem Hauptbahnhof Südeingang Unter derselben Leitung HOTEL DEUTSCHER HOF OTTO LÜCKERT 5 Minuten vom Bahnhof am Karlstor gelegen Kaffee«Restaurant * Wein-Restaurant * Pfälzer Winzerstube Täglich nachmittags und abends Konzert o dellhaus (shioenie: /clui lt^Zj 9 mix. TPeinstraße zeigt die neuesten Frühjahrs~jfyLodelleS> Kleider * IS/Län tel * Hüte * Pelze

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