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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-06-01 · 11 (1.6.1929) · p. Seite 176

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
11 (1.6.1929)
Article
Felix Warburg auf einem Empfangsabend des Keren Hajessod in München
Date
1929-06-01
Page
Seite 176 (sequence 2)
Language
German
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176 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 11 Reisebüro Erledigung aller Reiseangelegenheiten. Eisenbahnfahrkarten, Schiffskarten, Flugkarten usw. nach allen Weltteilen Versicherungsbüro Versicherungen jeder Art zu vorteilhaften Prämien und Bedingungen bei ersten Gesellschaften des In- und Auslandes Fernsprecher 101 und 1201 UllKSUff & GrlllHI!« AU£SbUr£| C 9/10 Drahtanschrift: Nordlloyd verwendet die lelegrsnim-krssh-formulare des Israelitischen frsnen-vereins München le.v.1 von is;o Sümpfe und die wasserarmen Gegenden, die elektrischen Kraftanlagen Ruthenbergs. Wo vor kurzem noch Sandwüsten waren, seien heute die herrlichsten Apfelsinenplantagen. Daß der Kommunismus sich in Palästina ausbreite, sei nicht zu befürchten. Ein jeder suche sich auf eigene Füße zu stellen. Dies sei in Palästina nicht anders als in Rußland, Polen und bei den vielen eingewanderten Juden in New Park. Bei der Einwanderung, die notwendig sei, sei mehr auf die Qualität denn auf die Quantität zu sehen. Nicht überall sei erfolgreich gearbeitet worden, z. B. im Tabakbau, während der Orangenbau ausgezeichnet floriere. In Amerika werde dem Aufbauwerk alle Aufmerksamkeit geschenkt. Wenn ein Mann wie Louis Marshall sich in dieser Angelegenheit engagiert habe, so sei dies ein hinreichender Beweis. Er habe den Vorzug gehabt, Weizmann bei der Arbeit zu sehen und habe gelernt ihn zu bewundern. Einigkeit unter den jüdischen Parteien sei notwendig. Die Lösung der Araberfrage hänge zum großen Teil davon ab, wie sich die jüdische Bevölkerung zu den Arabern stellen werde. Nur wenn sich die jüdische Bevölkerung höflich, vernünftig und bescheiden den Arabern gegenüber benehme, so sei die Möglichkeit eines Zusammenlebens gegeben. Inzwischen werde auch der Lebensstandard der Araber sich erhöhen und dadurch der Unterschied in der Entlohnung sich ausgleichen. Es gäbe niemanden in Palästina, der von einem Judenstaat spreche. Die Sorge dort sei, daß die Pflanzungen und die Nachkommenschaft gedeihe. Er sei selbst als großer Skeptiker nach Palästina gekommen. Doch es habe für ihn gegolten: Veni, vidi — Palästina vincit. Er sei gekommen, habe gesehen und Palästina habe gesiegt. Nach der Teepause sprach der Vorsitzende der zionistischen Vereinigung Deutschlands, Blumenfeld, der der Hoffnung auf eine gedeihliche Weiterentwicklung des Palästinawerkes Ausdruck gab. Auf seine Aufforderung gab zum Schlüsse Frau Lindheim (New Port), die Vorsitzende der Hadassah, eine begeisterte Schilderung des heiligen Landes und der dort wirkenden Menschen. Wirtschaftliche Frauenschule auf dem Lande in Wolfratshausen Am 8., 9. und 10. April fand in diesem Jahre in Wolfratshausen in der Frauenschule die Abschlußprüfung statt. Es nahmen zwölf Schülerinnen an ihr teil, die ihre Kenntnisse und Fähigkeiten theoretisch und praktisch zeigen mußten. Das Ergebnis der Prüfung war sehr zufriedenstellend. Am zweiten Tage der Prüfung hatten wir die besondere Ehre, den Herrn Oberregierungsrat S y f f e r t, Vorstand des Bezirksamts Wolfratshausen, bei uns begrüßen zu dürfen. Kundgebung des Bayerischen Siedelungsausschusses Am Mittwoch, dem 15. Mai 1929, veranstaltete der Bayerische Siedelungsausschuß eine Kundgebung zur Siedelung und Berufsumschichtung des deutschen Judentums, im Herkulessaal der Residenz. Dr. Gutmann eröffnete die Versammlung und begrüßte die Erschienenen. Als erster Redner sprach Rittergutsbesitzer Rudolf S. Masse. Mitunter würden Bedenken laut, ob man in diesen Zeiten der Notlage der Landwirtschaft ein Werk, wie die Siedelung, in Angriff nehmen soll. Es hätten sich jedoch die bäuerlichen und gärtnerischen Betriebe in dieser Notzeit als außerordentlich solid fundamentiert erwiesen, weil sie ohne Hilfskräfte arbeiten. Die Überlegenheit des kleinen Betriebes über den landwirtschaftlichen Großbetrieb sei offenbar. Viele der großen Betriebe würden nicht über die Notlage hinwegkommen. Die Verkaufspreise der großen Güter seien erstaunlich gering, während die kleinen Bauerngüter hohe Preise erzielten. Es fei dadurch zur Zeit möglich, zu verhältnismäßig billigen Preisen Grund und Boden zu erwerben und parzelliert dem kleinen Siedler zur Verfügung zu stellen. Zur Gründung einer Existenz als Gärtner sei heute ein Kapital von 4—5000 RM., für eine bäuerliche Existenz von 9—10 000 RM. notwendig. Man habe im vergangenen Herbst angefangen und bereits fünf Gärtnerstellen fertiggestellt, die in nächster Zeit vergeben würden, ferner sei eine Reihe bereits im Gange befindlicher Betriebe unterstützt worden. Man habe endlich Unterhandlungen wegen eines größeren Gutes gepflogen, das später hätte aufgeteilt werden sollen, jedoch habe die Finanzierung versagt. Es stünden heute nur 50 000 RM. zur Verfügung, damit sei nichts anzufangen. Es müßte ein Kapital von etwa 300 000 RM. Zusammenkommen. Die Ausbildung des jungen Nachwuchses sei bewußt etwas zurückgestellt worden, da es heute in erster Linie darauf ankomme, die beträchtliche Menge der Anwärter zu versorgen. Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß es gelingen möge, das Siedelungswerk in Bälde wesentlich zu fördern. Anschließend sprach Dr. G u t m a n n über die grundsätzlichen Erwägungen, die zur Aufnahme der Siedelungstätigkeit geführt haben. Das jüdische Proletariat in den großen Städten erfülle uns mit ernstlicher Sorge. Der wirtschaftliche Antisemitismus mache es dem jüdischen Angestellten immer schwerer, in großen Betrieben anzukommen. Schon im Jahre 1925 seien 55 Prozent der bayerischen Juden in den vier größten Städten wohnhaft gewesen, in Preußen wohnten 90 Prozent der Juden in Städten. Nachweisbar wirke sich auf die Dauer von Generationen der Aufenthalt in den Städten ungünstig auf die Gesundheit der Bewohner aus. Die Berufsschichtung der Juden sei eine einseitige, vielfach werde die Berufswahl durch unhaltbare Vorurteile beeinflußt. In den akademischen Berufen werde eine späte Selbständigkeit erreicht, die heute vielfach mit Recht geforderte Frühehe werde dadurch unmöglich gemacht. Der Geburtenrückgang bei den deutschen Juden sei ein außerordentlich starker. Die kleinen Gemeinden schrumpften ganz und gar zusammen. In Palästina bewährten sich unsere Glaubensgenossen als Siedler in hervorragendem Maße. Auch in Rußland, in Polen und in den übrigen. Staaten seien Juden als Siedler mit Erfolg tätig. F SEZE Aparteste Toile de Soie Reise« Seidenstoffe und Waschseide Garnituren für Tee- und Nachmittagskleider uni und gemustert für den Sport im Täschchen Strümpfe, Der amerikanische Kayser4f rümpf «ine seid» 7.90 Die fesche Badeausstaffung muh von Klauber sein! Theatinerstr. 35 Spitzenhaus Rosa Klauber Marienplatz 2

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