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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-06-01 · 11 (1.6.1929) · p. Seite 174

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
11 (1.6.1929)
Article
Fürth
Date
1929-06-01
Page
Seite 174 (sequence 2)
Language
German
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174 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 11 zeichnet hat. Er scheidet aus seinem Amt in hohen Jahren zwar, aber in einer beneidenswerten jugendlichen Elastizität des Wandels und des Schaffens. Weit über ein Menschenalter hat er seine Kraft in den Dienst eines segensreichen Werkes, eines wundervollen Erziehungsideals gestellt. Das Lehramt, das er einst an seinem angesehenen Sitz eines bayerischen Distriktsrabbinats mit vorbildlicher Berufsfreudigkeit ausgeübt hat, hat er im Grunde genommen in Fürth fortgesetzt, wenn auch Ausgabe und Ziel hier andere Gestalt gewinnen mußten. Dem großen Umfang seiner unmittelbaren Pflichten hat er sich mit unendlicher Liebe und mit jenem gütigen Herzen gewidmet, das ihn zu einem wirklichen „Vater der Waisen" berief. Er hat die ihm anvertraute Schar der Heranwachsenden Jugend mit jener inneren Anteilnahme betreut, die ebensosehr der Entfaltung ihrer natürlichen Gaben, wie ihrem künftigen Schicksal galt. Keine Mühe war zu groß und zu beschwerlich, die er nicht freudig auf sich genommen hätte. Mit besonderer Sorge hat ihn das Schicksal seiner Anstalt bewegt, als in den Nachkriegsjahren alle Stiftungen um ihre Existenz schwer zu kämpfen hatten. Mit rastlosem Eifer war er bemüht, alle Erschütterungen, die damals nicht, zuletzt die altbewährten jüdischen Institutionen trafen, abzuwehren. Nun darf er sein Werk jüngeren Händen anvertrauen, nachdem der feste Grund seines alten Gefüges aufs neue gesichert ist. Es darf erwartet werden, daß das große Vertrauen und die herzlichen Sympathien, die er seinem Hause zu verschaffen wußte, nun dieser wertvollen Schöpfung für immer gesichert bleiben. Mit ihm scheidet aber ein Gelehrter von Ruf und hohem Ansehen, eine Persönlichkeit, die sich weithin höchster Verehrung und reichsten Vertrauens weit über die engere Heimat hinaus erfreut, aus dem Bezirke erfolgreichen Dienstes. Da darf ausgesprochen werden, daß nicht bloß der Kreis zu unvergänglichem Danke sich ihm verbunden weiß, der in langjähriger gemeinsamer Arbeit seiner Führung anvertraut war, sondern daß weiteste Kreise der israelitischen Kultusgemeinde ihm treueste und herzlichste Anhänglichkeit bewahren werden. Als Vorsitzender der gemeindlichen Ritualk o m m i s s i o n hat er seine umfassende Gelehrsamkeit und sein überragendes Wissen jederzeit in den Dienst der Gemeindemitglieder gestellt, jederzeit war er bereit, selbst unter Mühen und Beschwerden an ihn herantretenden Wünschen gerecht zu werden. Mit klugem Rat und treffsicherer Erfahrung hat er vielen in Stunden sorgenvoller Entscheidungen zu helfen gewußt, und unermüdlich war er, wenn es galt, in kleineren und weiteren Kreisen zu lehren, zu belehren, Gegensätze auszugleichen und zu schlichten, und in Erfüllung des vornehmsten Zuges seines Herzens, an der Erhaltung des Friedens in der eigenen religiösen Gemeinschaft rastlos schaffend mitzuarbeiten. Das ist ihm besonders zu danken, und das ist ihm dank der unantastbaren Lauterkeit seines Denkens, der Vornehmheit seines Strebens und der zielbewußten Festigkeit seines Charakters in vollem Maße gelungen. Mit der Weisheit und der Besonnenheit des ebenso ernsten wie erfahrenen Mannes ist er an alle Fragen des gemeindlichen Zusammenwirkens herangetreten, und er hat sie immer in dem befreienden Geiste des Friedens zu lösen gewußt, der jede Ausschließlichkeit in der Bewertung des Menschen, des Glaubensbruders weit von sich wies, vielmehr in der Beurteilung jedes Mitglieds der Gemeinde das Verbindende, das Gemeinsame begrüßte und jede, selbst andersgerichtete jüdische Geistesströmung und Lebensanschauung zu achten wußte. Die Weite und Überlegenheit seines vielseitigen allgemeinen und wissenschaftlichen Erkennens schuf somit die Weitherzigkeit des Denkens, ohne die der neutrale Boden gemeinsamer Wirksamkeit von Menschen aus verschiedenen Lebensgebieten nicht fruchtbar und erfolgreich erhalten werden kann. Unsere besten und herzlichsten Wünsche begleiten ihn auf seinem weiteren Lebenswege, möge ihm winken ein otium eum ckignitats, Freude und Glück im Umkreis seines von seinem Geiste erfüllten trefflichen Familienkreises, Länge der Tage, Dauer der Jahre und jenes freudige Schaffen, das in stillen Studien, in belehrendem Wirken mit kampfgeübter Feder einem großen Kreis das verlebendigt, was er vielen geworden ist: der hochverehrte „Lehrer in Israel". Amicus Fürth ÜB. Am zweiten Tage des Passahfestes, 26. April, starb nach nur kurzem Krankenlager im Alter von siebenundsechzig Jahren Herr Sigmund Holzinger. Einer alten Fürther Familie angehörend, erfreute, er sich in allen Kreisen der Gemeinde und der Bürgerschaft höchsten Ansehens. Gleich ausgezeichnet durch Gaben des Geistes und des Herzens war er ein hervorragender Kaufmann, ein tätiger Förderer der großen Organisationen der Stadt und des Wohlfahrtswesens und ein treuer Sohn seiner Glaubensgemeinschaft. Durch treffliche Überlieferungen zu bedeutsamem Wirken berufen, hat er zahlreiche wissenschaftliche und karitative Institutionen in hohem Maße gefördert und in bemerkenswerter Weise sein ganzes Leben in den Dienst der Menschenliebe gestellt. Die Trauerfeier am Sonntag, 28. April, vormittags 11 Uhr in der Trauerhalle des Neuen Friedhofes, gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung. Nach dem einleitenden Gebet des Kantors Adler entwarf Rabbiner Dr. Behrens ein umfassendes Bild von dem Leben und vielseitigen Wirken des bedeutenden Mannes und gab der allgemeinen Trauer um seinen Heimgang ergreifenden Ausdruck. Namens der Israelitischen Kultusgemeinde würdigte ihr Vorsitzender, K o m m. - Rat Maier Bechmann, seine Verdienste und die langjährige Mitarbeit in der Verwaltung. Die Stadt Fürth hatte ebenfalls einen Kranz gesandt. Geistlicher Rat Stadtpfarrer Knapp war mit einer Abordnung der Niederbronner Schwestern erschienen. Mit den üblichen Schlußgebeten endete die überaus eindrucksvolle Feier. Ichenhausen. Anfang Mai wurde der hiesige israelitische Friedhof von Bubenhand geschändet. Die Bretterwand, die den Friedhof in seiner ungeheuren Ausdehnung umgibt und die erst im vorigen Jahre zum großen Teil renoviert worden war, wurde an einer mit alten Brettern versehenen Stelle an der Nordostecke in einer Ausdehnung von etwa vier Metern eingerissen. Durch diese Lücke drangen die Schädlinge in den mittelalterlichen Teil des Friedhofes ein und stürzten dort eine Anzahl von ungefähr zehn zum Teil großen, zum Teil kleinen Grabdenkmälern um, so daß dieselben teilweise zerbrachen, teilweise mit geringerem Schaden davonkamen. Die Inschriften dieser Grabsteine sind nach oben gerichtet und klagen zum Himmel über die Roheit derer, die sich Angehörige eines Kulturstaates nennen, aber in ihrem verblendeten Haß noch nicht einmal Halt machen vor den geheiligten Stätten der Toten. Ichenhausen. In der gemäß § 20, Abs. 7, unserer Gemeindesatzung auf den 19. Mai 1929 ordnungsgemäß einberufenen Gemeindeversammlung gab der erste Kultusvorstand, Herr Julius Krämer, folgendes bekannt: Herr Max Koschland aus San Francisco hat der Israelitischen Kultusgemeinde von Ichenhausen eine Schenkung im Barbetrag von RM. 5000.—1 gemacht, an die er folgende Bedingungen knüpft: „Der Betrag soll zur Einrichtung der Dampfheizung in der hiesigen Synagoge Verwendung finden. Die Erstellung der Dampfheizung hat so rechtzeitig in Angriff genommen zu werden, daß dieselbe zum kommenden Winter in Betrieb gesetzt werden kann. In der Synagoge ist eine Tafel anzubringen, die darauf hinweist, daß die Familie Koschland durch Schenkung Ihres Mitgliedes, des Herrn Max Koschland, San Francisco, mit RM. 5000.— zu Ehren Ihrer sei. Eltern Isidor und Regina Koschland, Ichenhausen, die Errichtung der Heizanlage in der hiesigen Synagoge ermöglicht hat." Die Gemeindeversammlung nahm diese hochherzige Schenkung sichtlich erffeut an unter gleichzeitiger Verpflichtung zur Erfüllung der hieran geknüpften Bedingungen. ttus der bemeinde München Dr. Adolf Theilhaber 75 Jahre. Hofrat Dr. Adolf Theilhaber, der bekannte Münchener Gynäkologe, feierte am 23. Mai seinen 75. Geburtstag. Anläßlich seines 50. Doktorjubiläums, das zeitlich mit dem Jahr seines 75. Geburtstages zusammenfiel, erschien eine umfangreiche Festschrift, in der prominente deutsche und ausländische Wissenschaftler die Bedeutung seiner medizinischen Forschungen fest- Niile! Kaiserin)! •"" ' Schülzenslralle 12 Gebr. Greif Beliebtes Caf6 - Restaurant G Künstler-Kapelle 7847

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