Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 11 (1.6.1929)
- Article
- Hilfsverein der deutschen Juden
- Date
- 1929-06-01
- Page
- Seite 173 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 11 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 173 In Augsbur Hotel Bayerischer Hof wohnt man gut und billig Bus dem Neiche Hilfsverein der Deutschen Inden Vor kurzem fand die Jahresversammlung des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Berlin statt, die sehr eindrucksvoll verlief. Zahlreiche Mitglieder und Freunde des Hilfsvereins aus Berlin und aus dem Reiche waren erschienen. Die Tagung wurde von Herrn Generalkonsul Eugen Landauin Vertretung von Herrn Dr. James Simon geleitet. Im Tätigkeitsbericht, der vom stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Willy D r e y f u s, und dem Generalsekretär, Herrn Dr. M. Wischnitze r, erstattet wurde, wurde auf die Fortschritte der Arbeit hingewiesen, die sich sowohl in der Erhöhung der Eingänge als auch in der Erweiterung und Vertiefung der Arbeit auf den einzelnen Gebieten geäußert hat. Der Hilfsverein der Deutschen Juden, der seit achtundzwanzig Jahren besteht, übt eine umfassende Auswandererfürsorge aus; er unterstützt bedürftige jüdische Studierende, sorgt für Ausbildung und Erziehung von Waisenkindern, subventioniert eine Reihe von Schulen und sozialen Anstalten, hat anläßlich des Erdbebens in Bulgarien und der Hungersnot in Bessarabien größere Hilfsaktionen durchgeführt und leitet die kulturelle Arbeit in den neugegründeten jüdischen Kolonien in Rußland ein. Herr Max Marburg (Hamburg), stellvertretender Vorsitzender des Hilfsvereins, betonte die Weltweite und Weltverbundenheit der jüdischen Hilfstätigkeit der Gegenwart, die Nowendigkeit des Zusammenarbeitens der großen Gesellschaften für Auslandshilfe in Amerika, England, Frankreich und Deutschland. Er hob die Bedeutung des Hilfsvereins der Deutschen Juden als ständiger stets hilfsbereiter Organisation hervor. Die deutschen Juden seien unmittelbare Nachbarn der Länder des Ostens, wo die Juden am meisten zu kämpfen haben, und als solche natürliche Mittler zwischen Westen und Osten bei der Organisation und Durchführung von Hilfsaktionen. Zur Ermöglichung des Hilfswerks, das der Hilfsverein in dem gebotenen Rahmen durchführt, sei Opferbereitschaft ein dringendes Gebot für jeden deutschen Juden gegenüber den Juden des Ostens wie gegen sich selbst. Die Rückwirkung von Katastrophen im Osten — Pogromen, ökonomischen Umwälzungen, wie sie sich jetzt in Rußland und in den Randstaaten vollziehen — auf die Juden in Deutschland blieben nie aus. Es liege im eigenen Interesse der deutschen Juden, den Hilfsverein in tatkräftigster Weise zu unterstützen. Die Auswandexerfürsorgearbeit des Hilfsvereins der deutschen Juden Es ist wieder eine neue Nummer des „Korrespondenzblattes über Wanderungs- und Siedlungswesen", das der Hilfsverein der Deutschen Juden in Fortsetzung entsprechender Vorkriegspublikationen seit 1922 herausgibt, erschienen. In dem Blatt, das an Organisationen des In- und Auslandes und private Interessenten wie an Behörden und Konsulate verschickt wird, werden Mitteilungen über die Emigrantenfürsorge des Hilfsvereins der Deutschen Juden gebracht und Informationen verschiedener Art über folgende Länder erteilt: Tschechoslowakei, Rußland, Türkei, Bulgarien, Rumänien (Bessarabien), Portugal, Kanada, Vereinigte Staaten, Mexiko, Kuba, Argentinien, Brasilien, Uruguay, Südafrika, Australien, Palästina. Die Informationen erstrecken sich u. a. auf Bevölkerungs- und Landesverhältniffe, Wirtschafts- und Arbeitslage, Siedlungswesen, Ein- und Auswanderungsstatistik, Einwanderungsgesetze, Einreisebestimmungen: ferner aus Berichte über Konferenzen, die sich mit Wanderungsproblemen beschäftigen, in Havana, Paris, Berlin, Genf und Buenos Aires. Eingehend wird über die Einschränkung der Einwanderung in überseeischen Ländern — Kanada, Vereinigte Staaten, Australien — und die Jmmigrationspolitik dieser Staaten berichtet, die ein Quotensystem zuungunsten der Emigranten aus Osteuropa eingeführt haben oder aus gleichen Gründen aus bestimmten Ländern des Ostens nur die Einwanderung von Angehörigen einiger weniger Berufsgruppen zulassen. Dem Korrespondenzblatt ist nachfolgende statistische Übersicht über den Au s w a n de r e r fü r s o r g e di e nst des Hilfsvereins entnommen: Im Jahre 1928 passierten Berlin, Schlesischer Bahnhof, Bahnhofsdienst des Hilfsvereins (Aus- und Rückwanderer) . 29 693 Personen und zwar 16 592 Männer, 8818 Frauen, 4283 Kinder (Nichtjuden 10049); im Büro des Hilfsvereins in Berlin fanden Beratung und Hilfe. . 997 Ihren Weg nahmen über S t e n t s ch (Deutsch-polnische Grenze) .... 7 397 Osnabrück. 935 Hamburg: Im Überseeheim logierten . . . 2524 Außerhalb des Überseeheims etwa .... 560 Bremen (nach privaten Feststellungen) . . . 800 Den unglücklichen russischen Emigranten, die sich seit dem Jahre 1923 in Bremen und Hamburg befinden, wo sie noch immer auf das Visum nach den Vereinigten Staaten warten, leistet der Hilfsverein nach wie vor Beistand. Aus dem Korrespondenzblatt geht hervor, daß die Arbeit des Hilfsvereins auf dem Gebiete der Auswandererfürsorge, die an und für sich infolge der Nachkriegsverhältnisse viel komplizierter ist als in früheren Jahren, sich erweitert hat. Durch seine ungemein wichtige Fürsorgetätigkeit entlastet er in hohem Maße jüdische Gemeinden und Jnstiutionen in Deutschland. Räbbinerseminar zu Berlin Die Eröffnung des Sommersemesters hat am Montag, dem 6. Mai, in Anwesenheit der gegenwärtigen und ehemaligen Schüler in der üblichen Weise stattgesunden. Den Eröffnungsvortrag hielt der Vorsitzende des Dozentenkollegiums, Herr Dr. Josef Wohlgemuth, über das Thema: „Moses Mendelssohn und das thoratreue Judentum." Hieran schloß er warme Worte der Begrüßung an den als Gast erschienenen Oberrabbiner Prof. Dr. Landau aus Johannisburg (Südafrika) und an die neueingetretenen Hörer. Neu ausgenommen wurden acht ordentliche Hörer (fünf Deutsche, zwei Ungarn und ein Rumäne), die sämtlich in Besitz eines Reifezeugnisses sind. Am Montag, dem 12. Mai, hielt Herr Dozent Dr. I. Weinberg einen halachischen Vortrag als Einleitung zu seinen Talmudvorlesungen unter reger Beteiligung gegenwärtiger und ehemaliger Hörer, sowie anderer bedeutender talmudischer Gelehrten. Bus dem Verbände Iusiizrat Dr. Hammel in Schweinfurt. Mitglied des Präsidiums des Bayerischen Landesverbandes und langjähriger Vorsitzender der Kultusgemeinde Schweinfurt, feiert am 15. Juni 1929 seinen 60. Geburtstag. Wir möchten dem um die Entwicklung des bayerischen Judentums und unseres Verbandes hochverdienten Manne unsere herzlichsten Glückwünsche darbringen und der Hoffnung Ausdruck geben, daß er noch viele Jahre in der Vollkraft seiner Leistung unserer Gemeinschaft erhalten bleibe. Fürth. Direktor Dr. Hermann Deutsch gedenkt, wie seinem jüngst erschienenen Jahresbericht über die israelitische Waisenanstalt zu entnehmen war, demnächst in den Ruhestand zu treten. Er hat das mit jener schlichten Bescheidenheit ausgesprochen, die ihn immer in der Fülle seines Wirkens, in dem Reichtum seiner Erfolge ausge- LS KUN ST- GEW ERBE-HAUS