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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-05-15 · 10 (15.5.1929) · p. Seite 157

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
10 (15.5.1929)
Article
Der bayerische Kultusminister Goldenberger gegen die Manauer Ritualmordhetze
Date
1929-05-15
Page
Seite 157 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 10 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 157 Haltausschusses des Bayerischen Landtags vom 30. April 1929, daß im Kultusministerium eine Vertretung der jüdischen Gemeinden und der Bayerischen Rabbinerkonferenz erschienen war, die über die politische Ausschlachtung des Mordfalles in Manau und über die außerordentliche Verhetzung, die in der ganzen Umgebung von Manau getrieben werde, bittere Klage führte, wobei die Vertretung auch ernsten Befürchtungen für die Sicherheit der dortigen israelitischen Volksgenossen Ausdruck gaben. (Zuruf: Volksgenossen?) Jawohl, sie sind Reichsbürger wie wir alle, sind Volksgenossen, sind Deutsche. Als Unterrichts- und Kultusminister habe er es als zulässig und geboten erachtet, an den Regierungspräsidenten von Unterfranken die Weisung zu erlassen, daß in den Volksschulen der umliegenden Gemeinden die Schuljugend in geeigneter Weise über diese Hetzereien aufgeklärt werde. Rühmenswerterweise seien sowohl die katholischen wie die evangelischen Kirchenbehörden in dieser Hinsicht schon verdienstvoll vorgegangen. Den Standpunkt des Kultusministeriums habe die Entschließung eindeutig zum Ausdruck gebracht, und die Liebe zur Gerechtigkeit sollte es verhindern, daß im zwanzigsten Jahrhundert solche Anschuldigungen gegenüber den israelitischen Volksgenossen noch erhoben werden. Große Protestkundgebung des Würzburger Central-Vereins gegen die Ritualmordlegende — Dr. Alfred Wiener über die Stellung der deutschen Inden in Volk und Kultur Deutschlands Würzburg, 7. Mai. (ITA.) Die Ortsgruppe Würzburg des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranstaltete am Montag, dem 6. Mai, abends, gegen das wegen des Manauer Kindermords von den Nationalsozialisten durch ganz Franken und auch durch Würzburg mit Wort und Schrift in die Bevölkerung getragene Ritualmordmärchen eine öffentliche Protestkundgebung. Der Huttensche Garten, der größte Saal Würzburgs, war lange vor Beginn vollkommen überfüllt, so daß er polizeilich gesperrt werden mußte und Hunderte keinen Einlaß mehr fanden. Die Zahl der Besucher betrug etwa 1500—1800 Personen, darunter 300—400 Nationalsozialisten. Nach einleitenden Worten des Vorsitzenden der Ortsgruppe Würzburg des Central-Vereins, Justizrat Rosenthal, sprach Pfarrer Rudolf Winkelmann als evangelischer Christ gegen den Ritualmord- Wahn. Dr. Alfred Wiener, der Syndikus des Central-Vereins, entwickelte sodann in ausführlichem Vortrage alle Beweisgründe gegen einen sogenannten Ritualmord und benutzte die Gelegenheit der Massenversammlung, um die Stellung des deutschen Juden im deutschen Volke und der dentschen Kultur überhaupt, darzulegen. In der Aussprache nahmen der Oberbürgermeister von Würzburg. Dr. Loeffler, Geheimrat Vogt und Stadtrat Brandtmann das Wort. Von nationalsozialistischer Seite sprachen der Landtagsabgeordete Dr. Hellmuth sowie der Redakteur des Nürnberger „Stürmer", Stadtrat Karl Holz. Universitätsprofessor Geheimrat Hehn, der sich ebenfalls als Referent zur Verfügung gestellt hatte, war leider im letzten Augenblick am Erscheinen verhindert, hatte aber in brieflicher Form seinen wissenschaftlichen Standpunkt gegen einen sogenannten Ritualmord dargelegt. Die Versammlung konnte bis zum Schlußwort der beiden Referenten durchgeführt werden. Als Pfarrer Winkelmann fein Schlußwort halten wollte, setzten derartige Störungen von nationalsozialistischer Seite ein, daß die Polizei die Versammlung gegen halb 12 Uhr schloß. Regensburg. Neues Leben und reiche geistige Anregung brachte unserer Gemeinde die dankenswerte Tätigkeit des auf Initiative unseres Rabbiners Herrn Dr. Levy neugegründeten Vereins für jüdische Geschichte und Literatur, der mit der Generalversammlung vom 21. März 1929 sein erstes Arbeitsjahr beschloß. Schon die kurze Zeit seiner Tätigkeit hat gezeigt, wie segensreich seine Arbeit war und wie sehr das Bestehen unseres Vereins und seiner Arbeit eine Lücke im Leben unserer Gemeinde ausfüllte. Die Vorträge fanden das ungeteilte Interesse der Zuhörer und waren stets gut besucht. Es war dem Verein gelungen, eine Reihe von bedeutenden Persönlichkeiten für die Vorträge zu gewinnen. So sprachen die Herren Rabbiner Dr. Freudenthal (Nürnberg) über Dialoghi d'amore, Dr. Schwarz (Berlin) über „Die vier großen jüdischen Impressionisten", Universitätsprofessor Dr. Strich über „Die Juden in der modernen Literatur", Rabbiner Dr. Levy „Judentum und Hellenismus", Oberbaurat Schmetzer über „Topographie der Regensburger Judenstadt", Uriel Birnbaum über „Religion, Kunst und Dichtung" verbunden mit Vorlesungen aus eigenen Werken. Vierzehntätig fand außerdem ein Geschichtskursus des Herrn Rabbiner Dr. Levy statt. Thema: „Geschichte der Juden in Spanien bis zum Jahre 1200." — Das nächste Ziel des Vereins, das auf der Generalversammlung beschlossen wurde, ist die Schaffung einer jüdischen Bücherei, wofür bereits durch die Bereitwilligkeit einiger Mitglieder ein kleiner Grundstock gelegt wurde. — Auf der Generalversammlung wurde den Initiatoren des Vereins der wärmste Dank für ihre nicht leichte, aber schon fruchttragende Arbeit ausgesprochen. Fürth. 9 5. Geburtstag. Der wohl älteste noch lebende Klausrabbiner Markus Faust, Blumenstraße 25, konnte am Freitag, dem 3. Mai, seinen 95. Geburtstag begehen. Der gleichzeitig wohl bejahrteste Fürther Mitbürger erfreut sich noch großer geistiger und körperlicher Frische, entfaltet noch in altgewohnter Weise seine Tätigkeit und nimmt an allen Weltbegebenheiten und der Talmudforschung noch regsten Anteil. Möge ihm weiterhin ein gesunder und hoffentlich noch langer Lebensabend befchieden fein. 5lus der Gemeinde München Ekakberatung der Münchener Gemeindevertretung Fortsetzung der Debatte — Das Kompromiß in der Frage der jüdischen Volksschule — Die Genehmigung des Gesamtetats Wie bereits berichtet, konnte der Etat für das Jahr 1929 in der letzten gemeinsamen Sitzung des Vorstandes und der Gemeinde vom 17. April 1929 nicht erledigt werden, da sich die Meinungen in der Frage der Erhöhung des Zuschusses an den Verein Ohel Jakob scharf gegenüber geständen hatten. In der Zwischenzeit war es jedoch gelungen, eine vermittelnde Lösung zu finden, so daß der Etat nach Abgabe der grundsätzlichen Erklärungen der Sprecher der einzelnen Fraktionen in der Gesamtabstimmung angenommen wurde. Die Sitzung wurde von Rechtsanwalt Dr. Wilmersdoerfer eröffnet, welcher darauf aufmerksam machte, daß die Position: Orgel in der Hauptsynagoge, durch den Vorstand in der vorhergehenden Sitzung noch nicht erledigt worden sei. Dr. Straus stellte sich auf den Standpunkt, daß ein Posten, der in diesem Jahre ausgegeben werde, auch in vollem Umfange in den Etat ausgenommen werden müsse. (Hierzu ist zu bemerken, daß die Anregung gegeben worden war, diesen Posten als einmalige größere Ausgabe etatmäßig auf mehrere Jahre zu verteilen.) Der Vorstand schloß sich dem bereits vorliegenden Beschlüsse der Gemeindevertretung an, wonach für diese Position 30 000 RM. in den Etat eingesetzt werden. Anschließend wurde in die Beratung über die Zuschüsse an den Verein Ohel Jakob eingetreten. Für Ohel Jakob gab Justizrat D r. Feuchtwanger die Erklärung ab, daß der verlangte Zuschuß lediglich dazu dienen solle, die Schuldenlast des Vereins Ohel Jakob zu beseitigen. Es liege dem Verein Ohel Jakob ferne, aus einer Bewilligung der Etatposition durch die Liberalen irgendwelche Schlüsse ags die Stellung der Liberalen zur Frage der jüdischen Volksschule zu ziehen. Es handle sich für den Verein nicht darum, irgendeine Machtprobe vorzunehmen, er wolle vielmehr durch diese Erklärung den Liberalen die Abstimmung erleichtern. Lichtenauer (Zion.) erklärte, sich den Ausführungen des Vertreters von Ohel Jakob anschließen zu wollen. Auch er fasse die Bewilligung des Zuschusses nicht als eine grundsätzliche Stellung zur Schulfrage auf. Die Zionistische Fraktion behalte sich dagegen vor, die Schulfrage später anzuschneiden. I u st i z r a t D r. O e st r e i ch führte namens der liberalen Frak- Hotel Koiserhof •"" ' SchülzensMe 12 Gebr. Greif Beliebtes Caf6-Restaurant Künstler-Kapelle 7847

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