Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 10 (15.5.1929)
- Article
- Inhalt
- Date
- 1929-05-15
- Page
- Seite 153 (sequence 1)
- Language
- German
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Bayerische Israelitische GemeinÜeZeitung Kachrichtenblatt öer Israelitischen Kultusgemeinüen in München unö Augsburg unö öes Verbanöes Hagerischer Israelitischer Gemeinöen Lrschelnt am 1. unö *). seüen Monats. — Verlag: S. Heller/ München/. Vezugspreis für nlcht elngewlesene Sezleher: Reichsmark 4.S0 für öos plinganserstraße 64/ Kernruf 7)664 unö 7566)/ Postscheck München )PS7. Aahr. Anzeigenpreis: Oie 4 gespaltene Millimeter-Zeile 40 ReichSpsenuig Schristleitung: Vr. Lugen Schmiöt, Rechtsanwalt ln München/ Karlstraße 6. Kamtlkenanzetgen, Stellengesuche unö ahallche Angebote l) ReichSpsenntg ipzp München, tf. Mai Ar. io Inhalt: Die „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" machungen der Israelitischen Kultusgemeinde München —> Bekannt- — Die Juden von Küps — Aus dem Verbände — Aus der Gemachung betreffend Erhebungen über den Stand der landwirtschaftmeinde München — Aus der Gemeinde Augsburg — Vereine — lichen Arbeit und des landwirtschaftlichen Grundbesitzes sowie des Lehrerzeitung — Personalia — Amtlicher Anzeiger — Bekannt- Handwerks unter den Gemeindeangehörigen Die „Zeitschrift kür die beschichte der Juden in Deutschland" Vor kurzem erschien die erste Nummer der „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland". Nachstehender Aufsatz würdigt die Bedeutung dieser Publikation. Red. Die verdienstliche Ausstellung jüdischer Literatur, die kürzlich die Israelitische Kultusgemeinde in München veranstaltete, hat in mancher Hinsicht die komplizierten Lebensverhältniste der deutschen Iudenheit zum Ausdruck gebracht. Besonders deutlich war das erkennbar an der unverhältnismäßig großen Zahl von Zeitschriften, die im Laufe des 19. Jahrhunderts unter den verschiedensten — oft aber auch fast gleichlautenden Titeln — immer wieder auftauchten und immer wieder bald verschwanden. Nur einzelne haben Bestand gehabt. In dieser Tatsache kommt zweierlei zum Ausdruck: die große Zahl der Versuche beweist, daß das Bedürfnis zu lehren und zu lernen immer vorhanden war; dagegen beweist die geringe Lebensdauer, wie sehr die herrschende Zersplitterung die Befriedigung dieses Bedürfnisses erschwerte. Muß man nun der großen Zahl neuer jüdischer Zeitschriften, die in den letzten zehn Jahren gegründet wurden, dieselbe ungünstige Prognose stellen? Wir hoffen, daß wir nicht so pessimistisch sein brauchen. Die politischen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts haben in der deutschen Iudenheit - und nicht nur in ihr - die vorhandenen Kräfte zwar verringert, zugleich aber konsolidiert. Es war die bayerische Iudenheit, die bisher diese Konsolidierung am erfolgreichsten durchgeführt hat. Deshalb konnte auch vom „Verband bayerischer Israelitischer Gemeinden" eine Mahnung ausgehen, der sich andere jüdische Organisationen alsbald angeschlossen haben, die Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" wieder erstehen zu lasten. Seit dem Aufhören der (Geigerschen) „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" ist mehr als ein Vierteljahrhundert vergangen. Die Welt hat seitdem ihr politisches Antlitz verändert und hat sich auch geistig gewandelt und mit ihr auch die jüdische Welt. Die Juden - als solche - haben keinen Krieg geführt, trotzdem hat die realistisch-ethische Anschauungsweise — früher schienen das Gegensätze zu sein — auch die jüdische Welt und die speziellen jüdischen Probleme fortgeftaltet. Auch in den jüdischen Zusammenhängen gibt es jetzt einen „Wiederaufbau", eine allgemeine Regsamkeit, und die Besonderheit des Falls liegt nur darin, daß man sich in jüdischen Kreisen um den Aufbau von Positionen bemüht, die schon vor dem Kriege im Verfall waren — ein Zeichen, wie weit die Regenerationskräfte hinausgreifen über die politischen Zusammenhänge, die sie wachgerufen haben. „Erwecker neuen Lebens" hat es früher auch gegeben. Die preußische Geschichte erscheint seit Friedrich dem Großen in anderem Licht als vorher, ebenso die französische seit Napoleon. Man könnte ebensolche Gestalter und Umgeftalter aus dem Geistes- und Wirtschaftsleben nennen, und es brauchten gar keine menschlichen Individuen, es könnten erst recht „Geschichtskräfte" (Entdeckungen neuer Länder, Verschiebung von Verkehrswegen usw.) sein. Es gibt eine Eigentümlichkeit der jüdischen Geschichtsliteratur, diese gestaltenden Faktoren des Geschichtslcbens vernachlässigt zu haben. Denn daS ist leider geschehen. Wenn man G r ä tz oder auch D u b n 0 w lieft, wird man sich von Blatt zu Blatt — zu Unrecht! — bewußt, wie die jüdische Geschichte unveränderlich bis zu unseren Tagen von gelehrten Übungen wechselnden Grades bis zu Austreibungen und Verfolgungen wechselnder Häufigkeit und Intensität dahinrollt. Es ist schon nicht ganz leicht, in die hier gewonnenen, ein wenig untere,rponierten Bilder das hineinzuverweben, was man etwa aus Güdemann oder Berliner über „das innere Leben" der deutschen Juden erfährt. Und doch gibt das alles zusammen noch nicht entfernt ein wirkliches und überzeugendes Bild von dem jüdischen Leben in der Vergangenheit, denn wenn man dann zu den Schriften nichtjüdischer Historiker greift, dann findet man da Dinge in das Zentrum der Betrachtung gerückt, die bei den jüdischen Autoren kaum gestreift sind, nämlich die bürgerliche Erwerbstätigkeit der Juden. Es ist nun aber nahezu unmöglich, die in dieser Richtung laufenden Darlegungen christlicher Gelehrter mit den aus