Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 9 (1.5.1929)
- Article
- Regensburg
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 143 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 143 In Augsburg Hotel Bayerischer Hoff | wohnt man gut und billig im | ersten Vorsitzenden vertreten war, wurde eingeleiiet durch den Schlußvortrag des Rabbiners, der in Überleitung zu dem neuen Traktat Pesochim eine geistvolle und tiefgründige Darstellung des Begriffes Hefter — Freigut, gab. Diwrei Tauro, hebräische Gesänge und Ansprache unterbrachen in angenehmer Weife das Mahl, für das die Damen der Mitlernenden in vorbildlicher Weise gesorgt hatten. Westheim bei Hammelburg. Herr Meier Laßmann, der hier seit vier Jahren als Lehrer, Schochet und Chasen amtiert hat und gleichzeitig in der Nachbargemeinde Völkersleier diese Ämter verwaltete, verläßt die hiesige Gemeinde, um sein Amt in der Gemeinde Rimpar anzutreten. Wir sehen mit aufrichtigem Bedauern diesen tüchtigen Mann von hier scheiden. Er besitzt ein überaus großes jüdisches Wissen, ist ein tüchtiger Schochet und hat auch beim Religionsunterricht große Erfolge erzielt. Mit allen Gemeindemitgliedern lebte er in bestem Einvernehmen. Auch der zuständige Rabbiner, Herr Dr. Bamberger (Kissingen) hat sich jederzeit lobend über die Wirksamkeit unseres Lehrers ausgesprochen, dies insbesondere bei der kürzlich stattgehabten Religionsprüfung. Die besten Wünsche unserer Gemeinde begleiten Herrn Lehrer Laßmann in seinen neuen Wirkungskreis, woselbst er auch die verdiente Anerkennung finden möge. Aus der Gemeinde München Etatsberatung der Münchener Gemeindevertretung Generaldebatte — Vau einer neuen Orgel für die Haupkfynagoge — Errichtung einer Darlehenskasse — Kampf für und wider die jüdische Volksschule — Vertagung der Sitzung Hauptgegenstand der für den 17. April 1929 einberufenen gemeinsamen Sitzung des Vorstandes und der Gemeindevertetung war die Beschlußfassung über Etat und Umlagenfestsetzung 1929. Zunächst wurde beschlossen, Dr. Ehrentreu zu einigen seinem amtlichen Wirkungskreise naheliegenden Ausschüssen zuzuziehen, ferner wurden Dr. Ehrentreu und Dr. Keßler in den Jugendausschuß, Studienprofessor Dr. Klugmann und Hauptlehrer Rosenfeld mit beschließender Stimme in den Schulausschuß und Frau Rosa Goldberg als Beauftragte für das Israelitische Pensionat gewählt. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Wilmersdoerffer, verlas den Bericht des Revisionsausschusses, wonach die Jahresrechnung geprüft und in Ordnung befunden wurde. Zur Jahresrechnung 1928 gab Justizrat Dr. S t r a u s der Meinung Ausdruck, daß eine Besprechung im einzelnen nicht notwendig sei. Festzustellen sei eine Erhöhung der Steuereinnahmen gegenüber dem Voranschlag, auf der anderen Seite eine Erhöhung der Ausgaben. Die Jahresrechnung wurde durch Beschluß der Gemeindevertretung und des Vorstandes genehmigt und dem Vorstand Entlastung erteilt. Zum Etat 1929 berichtete Justizrat Dr. Elias Straus. Der Voranschlag schließe mit einer Ziffer von RM. 742195.40, also etwas über RM. 100 000.— niedriger als die entsprechende Ziffer des Jahres 1928, was auf die beabsichtigte Herabsetzung der gemeindlichen Steuern zurückzuführen sei. Die Herabsetzung der Steuern habe sich als möglich erwiesen mit Rücksicht auf die höheren Einnahmen des Jahres 1928. Der Etat bringe im übrigen keine besondere Abweichung, er halte sich im allgemeinen innerhalb des Rahmens der Vorjahre. Unter den Posten befänden sich eine ganze Reihe durchlaufender Posten, so daß die Gesamtausgaben etwa RM. 600 000.— seien. Darunter seien RM. 280 000 Gehälter und Pensionen, ferner für Wohlfahrtszwecke RM. 143 000.—. Personal und Wohlfahrtszwecke erforderten somit etwa 70 Prozent der Gesamtausgaben. Es sei notendig, daß die Gemeinde ein gewisses Barvermögen habe, um nicht bei geringerem Steuereingang in Schwierigkeiten zu kommen. Nachdem die Refundierung des Stiftungsvermögens in bescheidenem Maße vollzogen sei, sollren etwaige Ersparnisse des Jahres 1929 benützt werden, um einen Betriebsfonds zu schaffen. In der Diskussion führte Rechtsanwalt Dr. Siegel aus, daß es nicht eigentlich Sache der Minorität fei, die Generaldebatte zu eröffnen. Er gab der Freude darüber Ausdruck, daß bei dieser Etatberatung auch die ostjüdischen Gemeindemitglieder mitgewirkt hätten. Er nahm die Etatsberatung zum Anlaß, über die Verhältnisse der Münchener Gemeinde zu sprechen. Er sei der Meinung, daß man die Lage der Juden in Bayern sehr ernst beurteilen müsse. Es sei zwar richtig, daß von den obersten Stellen Entgegenkommen gezeigt werde; man dürfe jedoch nicht daraus den Schluß ziehen, daß die Verhältnisse wesentlich besser geworden seien. Der Staatsdienst sei den Juden in Bayern so gut wie verschlossen. Die Prozentnorm sei herrschend. Auch die Ritualmordhetze in Manau gebe ernstlich zu denken. Ebenso pessimistisch sei die Wirtschaftslage zu beurteilen. Er bezweifle, daß die Etatsansätze durch den Steuereingang bestätigt würden. Wesentlich günstiger beurteile er allerdings die finanzielle Lage der Israelitischen Kultusgemeinde München, dank ihrer weitblickenden Finanzpolitik. Erfreulich sei die in Aussicht genommene Steuerermäßigung. Die Steuern seien dann nicht höher als bei den übrigen Konfessionen, obwohl die Gemeinde nicht mit Staatszuschüssen rechnen konnte. Die Ausgaben seien zwar auf das unbedingt Notwendige beschränkt. Der Etat erfülle daher auch noch nicht alle sozialen und kulturellen Bedürfnisse. Von seiner Seite bestünden keine Einwendungen gegen den Etat. Kommerzienrat Dr. Wassermann erklärte, daß er zunächst nicht die Absicht gehabt habe, bei der Generaldebatte zu sprechen, da der Etat unter Zustimmung aller Parteien zustandegekommen sei. Auch er schließe sich der pessimistischen Beurteilung der Lage zum Teil an. Jedoch seien auch erfreuliche Ansätze einer Besserung vorhanden. Auch über die wirtschaftlichen Aussichten denke er pessimistisch. Dem sei im Etat Rechnung getragen. Er freue sich, daß auch von der Gegenseite anerkannt worden sei. daß die Gemeinde eine vernünftige und gesunde Finanzpolitik getrieben habe, die ihr jetzt in Zeiten wirtschaftlicher Not eine Herabsetzung der Umlagen gestatte. Der Etat sei aufgestellt von dem Prinzip der Einheits-Gemeinde aus, die auch den berechtigten Interessen der Minoritäten Rechnung zu tragen wünsche. Rosenthaler gab der Genugtuung und Freude darüber Ausdruck, daß nunmehr wirklich die gesamte Gemeinde in diesem Saal vertreten sei, und daß dadurch das Wohl der Gemeinde gefördert werde. Er stehe nicht an zu erklären, daß man auch den Bedürfnissen der Minoritäten in billiger Weife Rücksicht getragen habe und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich die Entwicklung in dieser Weise fortsetze. STOliWERCK SCHOKOLADE-PRALINEN BJ