Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 8 (15.4.1929)
- Article
- Der jüdische Gesangverein in Nürnberg
- Date
- 1929-04-15
- Page
- Seite 129 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 8 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 129 gelungenen Konzert hatte unser bewährter Kantor Leonhard Stirnweiß, dessen Leitung als Organist sowohl in der Consalation von Reger, der F-moll-Fuge von Haendel und in den Vokalwerken durch technisch reifes Spiel und bedeutende Registrierkunst gekennzeichnet war. Die im 137: Psalm leider fehlende Harfe war von ihm sehr geschickt in den Orgenlpart eingezogen. Erich Rhode. Jüdischer Jugendverein München Am 4. April führte Herr Studienrat Schaalmann in einem Vortrag in die Betrachtung von Gemälden ein. Der Vortragende unterschied einleitend das sachliche Sehen und das genießende Sehen des Sehenden und gab dann die Momente an, welche beim Betrachten eines Gemäldes wesentlich sind: das Material, die Technik der Formbildung, die Farbe. Dabei wurde an Hand von Lichtbildern gezeigt, wie diese Dinge am Zustandekommen des Stimmungsgehaltes wirken. Lebhafter Beifall dankte dem Referenten für seine interessanten Ausführungen und es entstand rasch eine Liste derjenigen, die an sonntäglichen Führungen durch die hiesigen Gemäldesammlungen teilnehmen wollen. Das Ostertreffen jüdischer Jugendvereine in Garmisch-Partenkirchen Der Brief einer Jngendvereinlerin an ihre Freundin _ Liebe Freundin! Getreulich meinem Versprechen will ich Dir heute über das Treffen der Jüdischen Jugendvereine Südbayerns an Ostern berichten. Vorausschicken muß ich, daß Du vollkommen unrecht gehabt hast, zu Hause zu bleiben. Weder das Wetter noch die erhebliche Anzahl Beteiligter, noch die Stimmung und der Verlauf der Trefffahrt gaben zu irgendwelchen Klagen Anlaß. Aber ich will ja der Reihe nach erzählen. Neunzehn Münchener, zehn Fischacher, acht Augsburger und einige Regensburger Jugendvereinler trafen sich am Vormittag. Du hättest all die Begrüßungen der Angehörigen der verschiedenen Vereine mitansehen sollen; man konnte glauben, es seien alles Freunde und Freundinnen, die hier zusammenkamen. Und alle Freundschaft entsprang der Zugehörigkeit zum Jüdischen Jugendverein — zeigt sich da nicht am schönsten die Frucht unserer Vundesarbeit? So konnte es nicht wundernehmen, wenn die paar Vormittagsstunden mit Begrüßungen verrannen. (Die vorbereiteten Quartiere waren bald bezogen.) Um Hl Uhr trafen sich alle im gemeinsamen Standquartier: bei Wolfs in Partenkirchen zum Mittagessen. Wir waren mittlerweile 45 geworden, zwei stattliche Tafeln hungriger Münder, die aber die liebenswürdige Familie Wolff zur allgemeinen Zufriedenheit zu stopfen wußte. — Liebe Freundin, wenn Du nur bei dem gemeinsamen Schir Hamalaus (Herr Dr. Mayer, Regensburg, hatte das Benschen übernommen) dabei gewesen wärest, dann wäre Dir das allein ein unauslöschlicher Eindruck gewesen. Am Nachmittag konnten wir in warmer Sonne am blauen Himmel die Partnachklamm bewundern und anschließend daran auf Graseck unserem beliebten Völkerballspiel huldigen, solange bis die Zeit zum Aufbruch drängte, denn auf 7 Uhr war das Wendessen bei Wolff angesagt und wir wollten pünktlich sein. Der Abend war der geistige Mittelpunkt der Treffahrt. Er wurde mit einem prächtigen Vortrag von Herrn Oberlehrer Dr. Kessler, München, über „20 Jahre neutrale Jugendverbandsarbeit" eingeleitet. Herr Dr. Kessler betonte, daß er hier nicht nur als Vorsitzender des größten vertretenen Vereins, sondern auch als einer von jenen spreche, die an der Gründung des Reichsverbandes mitgearbeitet hätten und sein Werden und Wachsen miterleben konnten. Der neutrale Gedanke habe trotz der Umwälzung der Weltanschauungen mächtig an Boden gewonnen. Er zeichnete dann in kurzen Zügen ein Bild der praktischen Arbeit des Verbandes und seiner Vereine, so wie wir sie ja beide kennen. Interessieren wird Dich, daß er die Arbeitsgemeinschaften als wertvollsten Bestandteil der Bildungsarbeit der Jugendbünde bezeichnete. Hugo Deller aus Fifchach dankte Herrn Dr. Kessler im Namen der anderen Vereine für das Referat, das von uns allen begeistert ausgenommen worden war. Bei der anschließenden Diskussion stand das religiöse Problem im Vordergrund, das von einem zufällig anwesenden Nürnberger Gast angeschnitten worden war. Über die Einzelheiten dieser wirklich sehr packenden Diskussion, in der fast zwei Dutzend (!) Redner und Rednerinnen sprachen, werde ich Dir einmal mündlich erzählen. Man ging nicht auseinander, ohne vorher noch eine halbe Stunde getanzt zu haben, wogegen die Pensionärinnen von Wolff nichts einzuwenden hatten. Für den Montag waren Wanderungen vorgesehen. Die Gruppe, der ich mich anschloß, ging aufs Kreuzeck, die andere zum Eibsee. Da Du die Gegend ja kennst, brauche ich Dir nicht weiter den Tag zu beschreiben. Es sind ohnehin sechs Seiten geworden. Wir trennten uns um 3 Uhr am Kreuzeck von den Fischachern und Augsburgern, die zurück mußten. Und überall hieß es: Auf Wiedersehen auf der nächsten Treffahrt an Pfingsten! Nun hoffe ich, daß Dich mein Bericht befriedigt hat und daß er zur Folge hat, daß Du das nächste Mal auch dabei bist. Mit herzlichen Grüßen Deine Freundin Zionistische Ortsgruppe München Montag, den 8. April 1929, fand die ordentliche Generalversammlung der Zionistischen Ortsgruppe statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung hielt Herr Dr. I. Emrich ein sehr interessantes Referat über „Zionistische Politik und zionistische Arbeit", in dem er alle wesentlichen Fragen der jüdischen Gegenwart kurz behandelte. Herr Justin Lichtenauer als 1. Vorsitzender erstattete hierauf Bericht über die Arbeit im abgelaufenen Geschäftsjahr und wies besonders auf die günstigen Erfolge vor allem im Zusammenhang mit der Wedgwood- Aktion hin. Den Kassenbericht erstattete in Abwesenheit des Herrn Schachno, Herr Landmann, den Bericht über den Keren Hajeffod Herr Lustig, über den Keren Kajemeth Herr Feder, über die Schekelaktion Herr Harburger, über die Hebräische Sprachschule und das Palästina-Amt Herr Grünbaum. In Abwesenheit des Herrn Justizrats Dr. Straus gab Herr Dr. Julius Siegel einen kurzen Gemeindebericht. Nach vorgenommener Entlastung des Vorstandes wurde zur Neubesetzung der Ämter geschritten. Die Wahlen ergaben folgendes Resultat: Ehrenvorsitzender: Justizrat Dr. C. Straus; 1. Vorsitzender: Justin Lichtenauer; 2. Vorsitzender: Justizrat Dr. E. Fränkel; Kassier: Gottftied Hirsch; Schriftführer: Dr. I. Emrich; Keren-Hajessod- Kommission: Leitung: Bernhard Lustig; weitere Mitglieder: Justin Lichtenauer, Dr. Albert Weihl, Paul Grünbaum, Gottfried Hirsch, Dr. Berthold Weiß; Palästina-Amt: Paul Grünbaum; Nationalfonds-Kommission: Frau Selma Eisen, Dr. Josef Schäler, Frau Meta Harburger, Max Feder; Vertreter der einzelnen Organisationen: David Horn und Jakob Kluger (Gesamtausschuß der Ostjuden), Dr. Robert Beer (K.J. V.), Dr. Leopold Berger (Bar-Kochba), Frau Gertruds Weil (Jüdische Frauengemeinschaft): Hebräische Sprachschule: Paul Grünbaum, Justizrat Dr. E. Straus, Dr. Josef Schaler, Frau Dr. Eliasberg, Justizrat Dr. Fränkel, Dr. I. Ettinger, Dr. Albert Weihl; Presse-Ausschuß: Jakob Reich, Dr. Sigbert Feuchtwanger, Justizrat Dr. E. Straus, Theo Harburger, Dr. Raphael Straus; Schekelkommiffion: Camilla Hohenberger, Theo Harburger; Kasten- StousWercK i SCHOKOLADE-PRALINEN Bi