Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 8 (15.4.1929)
- Article
- Eine jüdische Ausstellung und eine Tagung jüdischer Musealfachleute und Interessenten in Breslau
- Date
- 1929-04-15
- Page
- Seite 124 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2727810-2727875-2727883-2735472--04619-2735534- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
124 Bayerische Israelitische Gemeindezettung Nr. 8 werden darf, daß die Ausstellung auch über den Kreis der engeren Interessenten durch ihre geschickte Anordnung Verständnis zu erwecken berufen war und auch in jeder Hinsicht alle auf sie gesetzten Erwartungen erfüllte. Gelegentlich dieser Ausstellung hat der veranstaltende Verein zu einer Tagung jüdischer Musealfachleute und Interessenten eingeladen, die von Berlin, Eisenstadt, Frankfurt a.M., Kassel, Mainz, München, Prag, Warschau und Wien beschickt worden ist. Nach Besichtigung der Ausstellung hielt — vor einem weiteren Kreise von Geladenen — Herr Dr. Rudolf Hallo, Kassel, einen aufschlußreichen Vortrag über „Jüdische Handwerker und jüdische Künstler". Später führte eine Aussprache zu engerer Fühlungnahme der auf jüdisch-kunstwissenschaftlichem Gebiete Tätigen und zunächst zur Gründung einer „Arbeitsgemeinschaft für Sammlungen jüdischer Kunst und Altertümer". Zum Vorort der neuen Vereinigung wurde für dieses Jahr Breslau bestimmt. Es ist zu hoffen, daß die angebahnte Zusammenarbeit der bisher auf verstreute Mitteilungen Angewiesenen dem Gebiete zugute kommt, das in steigendem Maße an vielen Orten Beachtung findet: der -Pflege und Erhallung jüdischen Kunst- und Kulturguts. Der „Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden" hat seinem Interesse durch Entsendung eines Vertreters Ausdruck gegeben. Auch wird die Breslauer Ausstellung als anfeuerndes Beispiel den Bestrebungen zugute kommen, die auch in Bayern auf Errichtung jüdischer Museen gerichtet sind. München Theo Harburger Jüdischer Frauenbund von Deutschland Am 9.—11. Juni tagt in Berlin der Jüdische Frauenbund von Deutschland. Die Tagung gewinnt eine besondere Bedeutung dadurch, daß der Bund sein fünfundzwanzigjähriges Bestehen in diesem Jahre feiert. Die verantwortlichen Vertreterinnen des Bundes werden auf Grund ihrer langjährigen Arbeit über die Entwicklung des Jüdischen Frauenbundes berichten und die Zukunftsaussichten der jüdischen Frauenbewegung und jüdischen Frauenarbeit erörtern. Der Jüdische Frauenbund, der 50 000 Mitglieder umfaßt und dem 450 Frauenvereine aller jüdisch-politischen Richtungen angeschlossen sind, verspricht sich von dieser Tagung, die in allen,Kreisen schon lebhaften Widerhall findet, wesentliche Förderung der gesamten Arbeit. Einer Anregung von Frau Rebekah Kohut, Neuyork, die auch im Jahre 1923 eine jüdische Frauenkonferenz in Wien einberusen hatte, folgend, findet vom 4.—6. Juni d. I. in Hamburg eine internationale jüdische Frauentagung statt. Mit der Vorbereitung dieses Kongresses ist ebenfalls der Jüdische Frauenbund von Deutschland betraut worden. Etwa zwanzig außerdeutsche Länder werden ihre Vertreterinnen entsenden. Aus dem reichhaltigen Programm, das sich mit sozialen und Erziehungsfragen, Frauenarbeit in den Jüdischen Gemeinden, sozialer jüdischer Frauenarbeit beschäftigt, nennen wir Fragen, die für das gesamte Judentum von Interesse sind, wie Völkerbund, Jewish Agency usw. Im Anschluß an in Wien schon ausgesprochene Wünsche sollen die Möglichkeiten der Gründung eines Frauen-Weltbundes erneut in Erwägung gezogen werden. Aus dem Verbände Israelitische Waisenansialt Fürth Dem von dem Direktor der Anstalt, Herrn Dr. Deutsch, an die Aufiichtsstelle erstatteten Erzieher- und Wirtschaftsbericht für das Jahr 1928/29 entnehmen wir die folgenden Einzelheiten: Das hiesige israelische Waisenhaus ist die älteste humanitäre Anstalt, welche von den Israeliten Bayerns geschaffen worden ist. Im abgelaufenen Jahre beherbergte sie 46 Schulzöglinge, deren größter Teil aus Bayern stammt. Der Plan, dem Hause eine Lehrlings- und Kleinkinderabteilung anzugliedern, wurde, wie der beabsichtigte Neubau, durch den Krieg und seine Folgen zurückgedrängt. Die Anstalt in ihrem bisherigen Umfange zu erhalten und fortzuführen machte Sorge und Mühe genug. Dennoch kann auch von fortschreitenden Erfolgen in der Richtung des Wiederaufbaus gesprochen werden. Wenn auch zögernd, langsam und mit unvermeidlichem Anhalten, geht es allmählich wieder aufwärts. In den letzten Jahren war die Mitwirkung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden hierin von einer gewissen entscheidenden Bedeutung. Nicht nur wegen der etwas leichteren Gestaltung der Etatlage, sondern auch zufolge der ideellen und rechtlichen Seite, die in dem Anteil der hervorragenden Organisation für uns gelegen ist. In der Unterstützung durch sie — wie hoch oder niedrig dieselbe zahlenmäßig zum Ausdruck zu kommen vermag — liegt zunächst der Anfang für die Ausführung des Grundsatzes, daß die Obsorge für die Waisen und Erziehungsbedürftigen der Bekenntnisgemeinfchaft nicht bloß Sache philantropischen Empfindens und gefühlsmäßiger Einstellung einzelner, sondern Pflichtaufgabe der Gesamtheit zu sein hat, die hierfür, wie für alle notwendigen und unabweisbaren Gemeinschaftsinteressen, aufzukommen und ihr Vermögen dem Zugriff der zuständigen Seite im Wege einer angemessenen Umlage zur Verfügung zu stellen hat. Diesem Prinzip die Bahn geebnet zu haben ist ja das wesentliche Verdienst des Verbandszusammenschlusses. Mag freiwillige Wohltätigkeit auf mancherlei Gebieten, die nicht zu den unerläßlichen Erfordernissen des Gemeinschaftsbestandes gehören, sich verdienstlich betätigen; die wesentlichen Belange der Glaubens- und Stammeszugehörigen — und dazu gehört doch in erster Linie, soweit nicht armenrechtliche Regelung der Ortsbehörden Platz greift, die Sorge für die Verwaisten und Verlassenen — dürfen nicht dem Gefühl mildherzigen Erbarmens allein überlassen bleiben, sondern müssen in der verpflichtenden Einsicht und Anerkenntnis der zum Gefamtverbande sich Zählenden ihre Hauptstütze finden. Diese Grundsätze für alle notwendigen Einrichtungen und Veranstaltungen der Glaubensgemeinschaft bis in ihre letzten Konsequenzen durchzuführen war ja dem Verbände bei der Begrenztheit der Mittel, die ihm bisher — insbesondere für soziale Zwecke — zur Verfügung stehen, nicht möglich; aber ein Anfang hierzu ist gemacht, der den notwendigen Anstalten, indem sie dieselben zur Gesamtausgabe erheben, ein gewisses Gefühl der Sicherheit gibt und von weitern segensreichen Folgen sein wird. Wie bereits erwähnt, war die Zahl der im abgelaufenen Schuljahre vom Waisenhaus betreuten Kinder 46 (30 Knaben und 16 Mädchen). Davon genossen ihre schulische Ausbildung: 1 an der Oberrealschule, 14 an der Israelitischen Realschule, 8 an der Vorschule derselben, 13 an der Volkshauptschule, 3 am städtischen Mädchenlyzeum, 1 an der städtischen Handelsschule, 2 an der städttschen Frauenarbeitsschule, 1 am Kindergarten; 3 weitere waren als Lehrlingsgehilfen tätig. Zu dieser erkenntnismäßigen und praktischen Ausbildung trat die Erziehung auf religiös-sittlicher Grundlage, um die Kinder menschlich gut geformt in den Bau der Gemeinschaft hineinzustellen und in das für sie erwählte Arbeitsgebiet hineinwachsen zu lassen. Bei all dieser Einflußnahme fehlte es den Kindern auch nicht an Gelegenheit zu freier Betätigung in Spiel und Sport, selbst zur ästhetischen Geschmacksbildung, indem sie nicht allein von den in den Schulen eingeführten gemeinsamen Wanderungen, Besichtigungen und Vorführungen des Kostenpunktes wegen niemals femgehalten wurden, sondern auch sonst an allen Veranstaltungen, welche den Gesichtskreis erweitern und die Daseinsfreude erhöhen, teilnehmen durften. Dem äußerlich etwas differenzierten Problem der Anstaltserziehung im Vergleich zur Familienerziehung ist bei gereifter Einsicht und sozial-psychologischem Verständnis leicht beizukommen und |jgr kgy V i HAUS DER U A L I 7 ”1 1 Ä 1 S S T O F F E \ I; MÜNCHEN k KARLS PLATZ 5 N. STARK & Cie. i NÜRNBERG! LUITPOLDSTRASSE 11 J