Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 8 (15.4.1929)
- Article
- Zur Geschichte der Synagogen in Spanien
- Date
- 1929-04-15
- Page
- Seite 123 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 8 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 123 Innenansicht der alten Synagoge Santa Maria la Bianca (Toledo) gogen oder mit ihrer Umwandlung in Kirchen und Kapellen endete. Was diese Zeiten überstand, wurde schwer durch die Bulle des Papstes Benedikt XIV. von 1515 getroffen, durch welche die Errichtung weiterer Synagogen verboten, die über das Maß hinausgehenden abgeändert und aus früheren Kirchen hervorgegangene Synagogen sofort geschlossen werden mußten. Im zweiten Teil führte der Vortragende in Lichtbilderaufnahmen die uns erhaltenen künstlerisch sehr bedeutenden Synagogen in Toledo und Cordoba sowie Reste zerstörter Bauten vor, die deutlich zum Ausdruck brachten, wie auch die kulturellen Schöpfungen einer religiösen Gemeinschaft von den kulturellen Einflüssen ihrer Umgebung beeinflußt sind. Das im archäologischen Museum in Madrid erhaltene Kapitell wurde als sehr frühe Arbeit, wahrscheinlich vom Beginn des 10. Jahrhunderts nachgewiesen, ebenso gezeigt, daß die als Sa. Maria la Bianca bekannte Toledaner Hauptsynagoge in ihrem wesentlichen Bestand auf den 1180 vollendeten Erneuerungsbau zurückgeht, daß bei der Ausschmückung der Synagoge des Finanzministers Samuel ben Meir der Rabbi Don Meir Abdeli wesentlichen Anteil am Gelingen des Baues gehabt haben muß. Die Dekoration weicht von der moresken (mudejaren) der zeitgenössischen christlichen Bauten und jener der rein maurischen Bauten dadurch ab, daß viel stärkere Anklänge an Goldfchmiedearbeiten wahrzunehmen sind als sonst. Der Vortragende wies nach, wie hier ein ganz eigenartiger Stil geschaffen ist, der zumindest auf Anregung durch jüdische Goldschmiede zurückzuführen ist. Die kunstgeschichtliche Bedeutung der 1314—15 vollendeten Syna- Kapitell der ältesten Synagoge in Toledo (Archäol. Museum, Madrid) goge in Cordoba wurde ins rechte Licht gerückt, indem gezeigt wurde, wie eng die Zusammenhänge mit der Dekoration des unter dem Namen El Partal bekannten Teiles der Alhambra in Granada und des Generalife sind. Offenbar hat ein Granadiner Künstler die Ausschmückung des Baues von Cordoba geschaffen und dieses durch die Weihinschrift datierte Monument gibt so die Möglichkeit, einige Teile der Alhambra viel genauer zu datieren, als dies bisher geschehen ist. Aus dem Kelche Eine jüdische Ausstellung und eine Tagung jüdischer Musealfachleuke und Interessenten in Breslau Der im März 1929 gegründete Verein „Jüdisches Museum E. V." in Breslau ist bereits nach kurzer, aber rühriger Tätigkeit mit einer Ausstellung vor die Öffentlichkeit getreten, die den Titel führte: „Das Judentum in der Geschichte Schlesiens." Die Zusammenstellung sowie den vorzüglichen Katalog besorgte Herr Professor Dr. Erwin Hintze, Direktor des Breslauer Schloßmuseums, unter Mitwirkung jüdischer Sachverständiger. Im Lichthof des Breslauer Kunstgewerbemuseums und i» drei weiteren Räumen sind im ganzen 576 Gegenstände zur Schau gestellt worden, die für die älteren Zeiten vorzugsweise durch urkundliches Material und einige in Abguß und Abbildung wiedergegebene Grabsteine die Geschichte der schlesischen Judenheit seit 1050 illustrieren. Daneben bildeten einen anregenden Schmuck dieser historischen Abteilung Bildnisse von Persönlichkeiten, die innerhalb des Judentums oder für dasselbe von Bedeutung waren. Seine charakteristische Note erhielt dieser Raum durch den Almemor der Synagoge der alten Judengemeinde Zülz. Er ist ein schmuckloser, aber deshalb doch würdig wirkender Holzausbau aus dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts; künstlerisch bedeutungsvoller erscheint — nach einer getreuen Kopie zu schließen — der Aron-ha-Kodesch dieses Gotteshauses, der alle Anzeichen seiner Entstehungszeit zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts trägt. Diese Nachbildung diente in der Ausstellung zur würdigen Aufbewahrung von silbernem Thoraschmuck und anderem zu religiösem Gebrauch dienenden Gerät. Es war gelungen, aus verschiedenen Synagogen eine große Anzahl von K'le Kodesch zusammenzubringen, so daß vom ersten Drittel des achtzehnten Jahrhunderts ab,, die Entwicklung des — vorzugsweise schlesischen — Goldschmiedegewerbes an Hand solcher Arbeiten gut verfolgt werden konnte. Unterstützt war diese kunstgeschichtlich hochinteressante Zusammenstellung durch zahlreiche Geräte häuslicher religiöser Übung aus Privatbesitz, die die Erfüllung des Lebens mit jüdischen Inhalten trefflich dokumentierten. Herr Professor Dr. Hintze, der zu den besten in Deutschland lebenden Kennern von Silber- und Zinnarbeiten zählt, hat durch eine Aufstellung der Gegenstände, die ebenso instruktiv wie abwechslungsreich war, ihre Schönheit und Eigenart bestens zur Geltung gebracht. Als Wandschmuck wurden Thoravorhänge unterschiedlicher Qualität und Gestaltung verwendet. Daß in einer solchen Ausstellung allgemein kulturgeschichtlichen Charakters das jüdische Buchwesen nicht fehlen durfte, miniaturengeschmückte Handschriften sowohl als auch Drucke, ist selbstverständlich. Auch diese Abteilung war gut zusammengestellt, wie überhaupt gesagt