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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-04-15 · 8 (15.4.1929) · p. Seite 122

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
8 (15.4.1929)
Article
Ritualmordlüge in Bayern
Date
1929-04-15
Page
Seite 122 (sequence 1)
Language
German
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122 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 7 Ritualmorölüge in Bayern Am 24. März 1929 wurde in Manau bei Hofheim (Ufr.) ein fünfjähriger Knabe mit einer Halswunde tot aufgefunden. Die Polizei hat sofort mit aller Energie ihre Nachforschungen ausgenommen. Ob ein Mord oder ein Unglücksfall vorliegt, steht bis Redaktionsschluß noch nicht fest. Die Nationalsozialisten haben den Vorfall sogleich zu einer wüsten Ritualmordhetze ausgebeutet. Gegen diese Hetze ist die Bamberger Ortsgruppe des Centralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wie auch die Bayerische Rabbinerkonferenz sofort nach Beginn der Bewegung mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln in dankenswertester Weise vorgegangen. In der lokalen Presse hat die Bayerische Rabbinerkonferenz eine Erklärung veröffentlicht, die sich dagegen wendet, daß gewissenlose Hetzer wiederum die schon unzählige Male als Lüge gebrandmarkte Mär eines Ritualmordes in die Bevölkerung werfen. Die Erklärung bezeichnet es als eine Schmach, daß das Judentum sich auch heute noch gegen einen so schimpflichen Vorwurf wehren zu müssen gezwungen sei, gegen einen Vorwurf, der auch dem oberflächlichsten Leser der Bibel als ein Wahngebilde des Hasses erscheinen müsse. Sie schließt mit folgenden Worten: „Die Quellen der jüdischen Lehre, insbesondere auch des Talmuds, enthalten kein Wort, das auch nur entfernt im Sinne des teuflischen Vorwurfs gedeutet werden könnte. Auch keine irgendwie geartete Sekte, noch irgendein ,Stamm', wie es wohl neuerdings in judenfeindlichen Erklärungen behauptet wird, hat jemals eine solch scheußliche Lehre aufgestellt oder einer solchen Tat sich schuldig gemacht. Diese unsere feierliche Erklärung wird durch die grundlegenden Werke der bedeutendsten christlichen Gelehrten, des kacholischen Pfarrers Dr. Frank, zuletzt in Königshofen i. Gr., und des evangelischen Professors Geheimrat Strack in Berlin, vollinhaltlich gedeckt. Die Ritualmordlüge ist eine Ausgeburt finsteren Hasses, eine Verleumdung unseres Glaubens, die wir in tieffter Entrüstung zurückweisen. Wir sind bereit, die Wahrheit'dieser Erklärung gegenüber allen Verleumdern vor jedem Gericht zu erhärten." In anerkennenswerter Weise sind auch Vertreter der beiden christlichen Bekenntnisse der niederträchtigen Beschuldigung mit Entschiedenheit entgegengetreten. Vortrage Zur Geschichte der Synagogen in Spanien (Nachdruck verboten) über die Geschichte der Synagogen in Spanien sprach Prof. Dr. August L. Mayer, Donnerstag, den 28. Februar, im großen Mufeumsfaal im Rahmen der gemeindlichen Lehrkurse. Der Redner stellte fest, daß zwar eine Geschichte der spanischen Juden, aber Synagoge des Samuel ben Meir in Toledo Synagoge des Samuel ben Meir in Toledo (Innenansicht) jasi, nicht eine Geschichte der spanischen Synagogen geschrieben sei. Was er heute Abend biete, seien die bisherigen Ergebnisse eines ernstlichen Versuchs, eine solche Geschichte zu schreiben. Die Kirche hatte für die synagogalen Bauten in Spanien strenge Vorschriften erlassen, ja sogar genaue Maße festgelegt, um eine Beeinträchtigung der Wirkung der kirchlichen Bauten hinanzuhalten. Wesentlich schlimmer waren die Verheerungen, die im Laufe der Judenverfolgungen an den Synagogen vorgenommen wurden, auch fanden zahlreiche Beschlagnahmen von Synagogen statt. Der Redner gab auf Grund seiner Studien eine eingehende Darstellung des Schicksals einer Reihe von spanischen Synagogen. Was das Alter der Synagogen anbelangt, so wissen wir über Synagogen zur Zeit der Westgoten nichts. Die ersten Nachrichten finden sich aus dem 10. Jahrhundert. Darragona wies um das Jahr 1000 bereits eine große Anzahl jüdischer Bewohner auf. Die Gemeinde Saragossa erhielt im 11. Jahrhundert wesentlichen Zuzug durch Flüchtlinge. Die Gemeinde Salamanoa besaß bereits um 1166 besondere Vorrechte, die Gleichstellung mit den Christen bedeutete. Bei der Eroberung Sevillas durch den heiligen Ferdinand wurden den Juden 3 Moscheen als Synagogen zugewiesen. Sämtliche Sevillaner Synagogen sind heute nicht mehr erhalten, insbesondere wurde das Pogrom, das 1391 in Sevilla stattfand, den synagogalen Bauten zum Verderben. Im Anschluß daran fanden fast in ganz Spanien Pogrome statt, die vielfach mit einer Zerstörung der Syna- Detail aus der Synagoge in Cordoba

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