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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-04-15 · 8 (15.4.1929) · p. Seite 117

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
8 (15.4.1929)
Article
Inhalt
Date
1929-04-15
Page
Seite 117 (sequence 1)
Language
German
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Nachrichtenblatt öer Israelitischen Kultusgememöen in München unö Augsburg unö öes Verbanöes Vagerischer Israelitischer Gemeinöen Bayerische Israelitische Gemeinüezeitung Lrschelnt am T. unö if. jeöen Monats. — Verlag: V'. Heller, München, plinganserstraße <§4, Kernruf 75<*<*4 unö 7}66f, Postscheck München 5-S7. Schristleitung: Dr. Lugen vchmiöt, Rechtsanwalt ln München, Karlstraße 6. Bezugspreis für nicht eingewlesene Bezieher: Reichsmark 4.S0 für öa< ffahr. Anzeigenpreis: Die 4 gespaltene Millimeter-Zeile 40 ReichSpfennlg Kamllkenanzeigen, Stellengesuche unö ähnliche Angebote if ReichSpfennlg 1929 München/15. April Ar. S Inhalt: Die Darmstädter Pessach-Haggadah — K'le Kodefch und Parochoth in bayerischem Synagogenbesitz — Erklärung — Vorträge — Aus dem Reiche — Aus dem Verbände — Vücherfchau — Vereine — Lehrerzeitung — Perfonalia — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden: Bekanntmachung über Ersatzwahl — Bekanntmachungen der Israel. Kultusgemeinde München: Bekanntmachung über Mazzothversorgung — Bekanntmachungen der Israel. Kultusgemeinde Augsburg: Israel. Kultusgemeinde Augsburg, Rechnungsabschluß für das Jahr 1928 vie varmstäLler pe^ach-kaggadah Ein Denkmal der deutschen Juden im Mittelalter Von Dr. Ludwig Feu I. . Neben der Bibel, dem Gebetbuch für das ganze Jahr und dem Gebetzyklus für die jüdischen Feste (Machsor) ist die Peffach- Haggadah, das Textbuch für den häuslichen Gottesdienst der Juden an den beiden Abenden des Pessachfeftes, den Sederabenden, das volkstümlichste und verbreitetste jüdische Buch. Erinnerungen daran sind oft noch bei denjenigen Juden nicht ganz ausgelöscht, die im übrigen kaum mehr irgendein Band mit den hergebrachten spezifisch jüdischen Lebensformen verknüpft. Dieses verblaßte, transparent gewordene Gedächtnis an die Handlungen der beiden Sederabende wird erweckt und zu erwärmendem, hellem Glanz gebracht für den, der das eben vollendete Bilder- und Textwerk „Die Darmftädter Pesiach- Haggadah"/ eine mustergültige Wiedergabe einer Bilderhandschrift aus dem 14. Jahrhundert, begleitet von einem umfangreichen, wissenschaftlich ungewöhnlich ergiebigen Textband, aufschlägt und durch eine Überfülle künstlerischer und jüdischer Eindrücke gebannt wird. Die letzten Jahre haben eine Reihe guter Haggadahausgaben, darunter anziehender, wohl geglückter Reproduktionen berühmter alter Ausgaben wie der Prager Haggadah des Gerschom Kohen aus dem Jahre 1527 (— 5287 jüd. Zeitrechnung) gebracht: das großartige Tafelwerk des hier in Frage stehenden Darmstädter Kodex und das beigegebene textliche Sammelwerk überragt alle 1 Sic Darmftädter P c s s a ch - ftaggadah. Loüex orientalis 8 der Landesbibliothek zu Darmstadt aus dem 14. Jahrhundert, herausgegeben von Bruno Italiener, Aron Freimann, August L. Mayer, A. Schmidt. Tafelband. Leipzig: Hiersemann 1928 (1 Bl., 116 S. z. T. färb. Faks.) 2°-Bilderhandschriften der Landesbibliothek zu Darmftadt. In 350 num. Ex. Hldr. 320 RM. Dazu T e x t b a n d: XII, 313 S. in Lexikooktav mit 16 Lichtdrucktafeln. Ebenda 1927. 60 RM. ltwanger (München) bisherigen Ausgaben und Darstellungen an allgemeiner kunstwissenschaftlicher und an speziell kulturgeschichtlich-jüdischer Bedeutung bei weitem. Seit dem von D. H. Müller und Julius von Schlosser im Jahre 1898 verfaßten Werk über die Haggadah von Serajewo, der ersten grundlegenden kunstgeschichtlichen Behandlung und Scheidung der Haggadah-Illuftrationen, ist das vorliegende Hiersemannsche Tafelwerk die bedeutendste und wichtigste Publikation auf diesem Gebiet. Die rein wissenschaftliche Würdigung der Bände gehört nicht hierher. Hier soll nur von dem großen Eindruck die Rede sein, den diese Bilder und Texte weit über das Ästhetische hinaus auf jeden machen müssen, der noch irgend eine Rückverbindung mit dem jüdischen Wesen hat, dem hebräische Buchstaben mehr als eine blaße, unbehagliche Erinnerung an eine nicht ganz faire, hemmende Herkunft sind. II. Unsere Handschrift besteht aus 58 Blättern starken Pergaments in Folioformat. Der Text, wesentlich nach deutschem Ritus, und der Randkommentar des Rabbi Eleasar aus Worms aus dem 12. Jahrhundert (Rokeach) sind nach dem Schlußvermerk von dem Schreiber Israel b. R. Meir aus Heidelberg in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts hergestellt. Der Text ist in einer für die hebräische Quadratschrist in Deutschland im 14. Jahrhundert charakteristischen, nach links geneigten herrlichen Monumentalschrift geschrieben, jeder Buchstabe sorgfältig nach Vorschrift gemalt; ungefähr in der Mitte der Pergamentblätter sind die Segenssprüche vor der Mahlzeit durch goldene Schrift hervorgehoben. Jeder Haggadah, auch den heute gewöhnlich gebrauchten gedruckten Ausgaben, sieht man an diesen Stellen zwischen den beiden Teilen des Seder an, ob sie ein wirklich gebrauchtes, jedes Jahr hervorgeholtes lebendiges Familienstück Wir verweisen auf die Erklärung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden und der Bayerischen Rabbinerkonferenz vom 14. April 1929 auf Seite 121 dieses Blattes

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