Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 7 (1.4.1929)
- Article
- Kunst- und Bildungsabende der München-Loge U.O.B.B.
- Date
- 1929-04-01
- Page
- Seite 111 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 7 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 111 „Gebet" aus der Oper „Jerusalem" von Verdi (für Klavier übertragen von Franz Liszt) von Dr. Waldner in bekannt trefflicher Weise eingeleitet. Herr Oberlehrer Dr. Siegfried Keßler hielt die Gedächtnisrede „Werden und Wirken". In Westfalen, der Heimat des Dichters, wurde früh seine Freude an der Natur geweckt. Bald schon stand in ihm sein Ziel, der Lehrberuf, fest. Aus seiner Studienzeit stammt eines ferner bekanntesten Lieder, das hohe Lied auf Heidelberg: „Wo zwischen grünen Bergen munter..." Hamburg wurde schließlich die zweite Heimatstadt des Dichters, wo er als Direktor des dortigen Mädchenlyzeums wirkte. Durch ausgewählte Stücke der Naturlyrik Loewenbergs wußte der Vortragende das feine Naturempfinden des Dichters treffend zu kennzeichnen. In leinen Dichtungen und auch sonst in Wort und Schrift hat Loewenberg der Erziehung der Jugend gedacht. Er war Erzieher nicht nur von Berus, sondern auch von Berufung. Auch bei Jakob Loewenberg waren die Dichtungen Bruchstücke einer großen Konfession. In Deutschtum und Judentum war er in gleicher Weise verwurzelt. Im zweiten Teil des Abends brachte Frl. Irma Stern Lieder von Loewenberg, komponiert von Müller und Leo Blech, zu ausgezeichnetem Vortrage. Mit einer Rezitation von ausgewählten Stücken aus dem Märchenspiel „Rübezahl", vorgetragen durch Frl. Fanny Camnitzer und Dr. Keßler, fand der Abend, der den zahlreichen Besuchern viel Freude brachte, seinen Abschluß. S. Uraltes Kulturgut im heutigen täglichen Leben mit besonderer Berücksichtigung des Judentums. Uber obiges Thema sprach am 13. März 1929, abends 8.15 Uhr, im Kunstgewerbehaus Dr. E. Brandenburg (Weimar). An trivialen Beispielen des täglichen Lebens versuchte der Redner darzutun, wie Gegenstände, Gebräuche, Anschauungen der Jetztzeit zurückgehen auf Kulturgut, das vor Jahrtausenden schon bekannt war. Er baute seinen Vortrag an Hand von Eindrücken, die er bei einer kurzen Straßenbahnfahrt durch München haben könnte, auf; er sieht auf die Uhr; es begegnet ihm ein Bierfuhrwerk, die Pferde-. geschirre sind mit runden Metallscheiben besetzt, er sieht ein Kruzifix, eine Braut, ein Vorsatzfenster mit Glasmosaik, das eine Schlange zeigt, einen Doppeladler als Wappen, die Tauben am Odeonsplatz, ein Hakenkreuz, an eine Hauswand geschmiert und er hört zufällig Bruchstücke verschiedener Gespräche in der Straßenbahn. In längeren Ausführungen verbreitete sich der Redner dann über die Entstehung des Zeitmaßes und der Zeitmessung, über die Entstehung des Kalenders und über die Jahresmythen alter Völker. Dann erklärte er die Bedeutung des Kruzifixes und der Aufschrift JNRI. Das Kruzifix und das Hakenkreuz, das vor Jahrtausenden schon bekannt war, seien lediglich Sonnensymbole, ebenso wie die runden Metallscheiben auf den Pferdegeschirren. Die assyrischen Könige hätten die runden Messingscheiben als Amulette getragen und später hätte man damit auch deren Pferde behängt. zum Schutz gegen Verwundungen in der Schlacht. Der Doppeladler sei zuerst das Wappen der Stadt Larrasch in Mesopotamien gewesen, die ursprüngliche Bedeutung könne man nicht mit Bestimmtheit erklären. Von Babylonien sei das Wappentier mit den zwei Köpfen nach Kappadozien gekommen, wo es die Kreuzritter sahen und übernahmen. Von besonderem Interesse war, was der Redner über die Fütterung der Tauben „vor der Feldherrnhalle" zu sagen wußte. Die Tauben würden eigentlich „vor der Theatinerkirche" gefüttert! Im grauen Altertum sei die Taube der Vogel der Göttin Jchtar (Astarte) gewesen und ihr zu Ehren gehalten worden. Ohne daß man die ursprüngliche Bedeutung der Fütterung von Tauben noch gekannt habe, habe sich der Brauck durch Jahrtausende fortgepflanzt. Die Türken haben die Tauben vor ihren Moscheen gehalten, die Kreuzritter haben es bei ihnen gesehen und die Sitte nach Venedig gebracht, wo die Tauben zu Ehren Marias auf dem Markusplatze gehalten wurden und werden. Von Venedig aus hat sich die Sitte, vor Kirchen Tauben zu halten, weiter verbreitet. Die interessanten Ausführungen wurden mit Beifall ausgenommen. Der Redner bedankte sich am Schluß noch für das seinen Ausführungen dargebrachte Interesse. Gerade München sei für seine Vorträge immer ein besonders günstiger Resonanzboden gewesen! F. O. Vereine Jüdischer Iugendverein München Briefadresse Frl. Emma Neuwirth, Franz-Joseph-Straße 33, Tel. 33500. Donnerstag, den 4. April: Herr Studienrat Adolf Schaalmann spricht über „Einführung in die Kunstbetrachtung". An den Vortrag knüpfen sich im Lauf der nächsten Wochen Führungen durch die Glyptothek und Pinakotheken. — Donnerstag, den 11. April: Zyklus: Die Weltreligionen. Herr Oberlehrer Dr. Siegfried Keßler. 1. Abend: Der Islam. — Donnerstag, den 18. April: Zyklus: Die Weltreligionen. 2. Abend: Der Buddhismus. — Donnerstag, den 25. April: Fällt wegen des Pessachfestes aus. Das Jüdische kammerorchesier München tritt mit diesem Frühjahr in das dritte Jahr seines Bestehens. Diese Tatsache beweist, daß der kleine Kreis, in dem im Frühling 1927 zum erstenmal der Gedanke einer derartigen Vereinigung näher besprochen wurde, Recht hatte, wenn er annahm, daß sich unter den jüdischen Musik-Liebhabern Münchens eine hinreichende Anzahl solcher finden werde, die, trotz den mannigfachen Einwänoen und Unannehmlichkeiten, die der Betrieb eines Liebhaberorchesters mit sich bringt, Freude an ernster, gemeinsamer Musikpflege haben. Das Orchester ist in den zwei Jahren mehrmals selbständig und Hotel KöiseM •"" ' Sctinlzenstrofie 12 Gebr. Greif Beliebtes Caf6-Restaurant Künstler-Kapelle Reisebüro I Versicherungsbüro Erledigung aller Reiseangelegenheiten. 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