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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-04-01 · 7 (1.4.1929) · p. Seite 110

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
7 (1.4.1929)
Article
Ausstellung jüdischer Bücher
Date
1929-04-01
Page
Seite 110 (sequence 2)
Language
German
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110 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 7 besonderen jüdischen Prädestination sind, mit einem Wort, die religiöse Literatur. Man sah so innerhalb der Buchausstellung unter „Vibel^ die verschiedensten Ausgaben derselben, worunter die Venezianische Bibel aus dem Jahre 1643. Bibelübersetzungen, wie die Septuaginta und die Vulgata. Es folgen darauf die Abteilungen „Geschichte" und „Philosophie", in welch letzterer die bedeutenden religionsphilosophischen Werke der Juden. Verschiedene Ausgaben des „Talmud" in einer besonderen Gruppe, darunter die nach phototypischem Verfahren von Hermann L. Strack edierte Kopie des bekannten einzig existierenden Talmud-Originals der Münchener Staatsbibliothek. Ein Tisch mit Zeitschriften wies unter anderen die heute seltenen unter Mendelsohn erschienenen Exemplare des „Hameassef" auf. Zionistische Ausgaben geben Kunde von dieser Strebung des jüdischen Volkes. Ein Tisch mit jiddischen Büchern enthielt hauptsächlich belletristische und lexikographische Literatur und verriet so, wie sich dieser bedeutende Zweig unserer Literatur heute von altem, jüdischem Kulturgut entfernt. Und gerade diese Sprache eines umfangreichen Teiles des jüdischen Volkes hätte ein grandioses Werk vollführen können, wenn sie der Masse des Volkes das vermittelt hätte, was ihr eigenstes Gut ist, das Religiöse. Interessant dürfte hierbei die Bemerkung sein, daß der Ursprung der jiddischen Sprache zu einem großen Teil gerade religiöser Strebung zu verdanken ist, indem sie ihren Anfang von der Übersetzung religiöser Werke nahm, um letztere auch den des Hebräischen unkundigen Frauen zu vermitteln und wovon ein Exemplar einer alten „Zene Urene" hier rührend Zeugnis ablegt. Hingegen sah man einige Bücher in der dritten Sprache des jüdischen Volkes, der Sprache des Volksteiles der fpaniolischen Juden, dem Ladino, abgefaßt, die hauptsächlich religiös fundierte ethische Werke zum Inhalt hatten. Alles in allem bot die Ausstellung ein für den engen Rahmen recht anschauliches Bild des jüdischen Buches, wobei bemerkt werden soll, daß es sich um keine Ausstellung alter Exemplare oder bibliophiler Prachtwerke handelte, sondern einfach um eine Überschau jüdischer Geistigkeit, wie sie sich im „Buch" manifestiert. S. Taubes. Heinrich Friedmann. Am 24. März 1929 konnte der angesehene, allseits beliebte Schulmann, Herr Oberlehrer a. D. Heinrich Friedmann, in seltener geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag begehen. Mit seiner markanten, stets liebenswürdigen Person ist die Aufwärtsentwicklung dreier jüdischer Gemeinden Bayerns aufs engste verbunden. 1870 bis 1K72 wirkte er als Schulverweser in Sulzbürg (Oberpsalz), gründete im nachfolgenden Jahre die Elementarschule der Nachbargemeinde Neumarkt und folgte im Jahre 1884 dem ehrenvollen Rufe der Israelitischen Gemeinde München als Lehrer und Leiter ihres Religionsschulwesens. Die gegenwärtigen trefflichen Führer der Münchner Gemeinde und des bayerischen Judentums zählen zu seinen ehemaligen Schülern. Die Verehrung und Wertschätzung, die dem Jubilar allseits entgegengebracht wird, ist ein sichtbares Zeichen der hohen pädagogischen und hervorragenden menschlichen Qualitäten, die er als Lehrer allezeit in jahrzehntelanger segensreicher Tätigkeit bekundet hat. Die Liebe zum Berufe ließ ihn erst im schon begonnenen Greisenalter, im Jahre 1920 von dem Unterrichte und im Jahre 1924 von der bewährten Leitung zur wohlverdienten Ruhe zurücktreten. Mögen dem Jubilar neben seiner greisen Gattin, Tochter des im Jahre 1895 verstorbenen Sulzbürger Rabbiners, Dr. Mayer Löwenmayer, noch viele gesunde und frohe Jahre beschieden sein. Ad meoh w'essrim schonoh! Bus der Gemeinde Bugsburg Hugo Landauer. Die Augsburger Israelitische Kultusgemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Ihr zweiter Vorstand, Herr Hugo Landauer, ist nach schwerem Leiden in seinem 62. Lebensjahr verschieden. Als würdiger Sohn des langjährigen bewährten Synagogen-Kommissärs, Herrn Kommerzienrat Heinrich Landauer, hat er allen Jüdischen Angelegenheiten sein wärmstes Interesse entgegengebracht. Es war herzerfrischend zu sehen wie er sich eingesetzt hat, wenn er erfuhr, daß seiner Glaubensgemeinschaft zu nahe getreten worden Den Traditionen seines Hauses folgend ist Herr Hugo Landauer am 1. Januar 1918 als zweiter Vorstand und Stiftungskassier in die Verwaltung eingetreten. Schweren Kummer hat es ihm bereitet, daß die ansehnlichen Stiftungsvermögen, die er zu verwalten hatte und die mündelsicher angelegt sein mußten, infolge der Inflation dahinschwanden, und er hat seine ganze Energie darauf verwandt nach der Stabilisierung die früheren Stifter oder deren Hinterbliebene zur Auffrischung der wertlos gewordenen Stiftungen zu veranlassen. Als sehr geschätztes Mitglied der Baukommission hat er seine reichen praktischen Kenntnisse des Bauwesens freudigst in den Dienst der Gemeinde gestellt, welche seinem bewährten Rat und seinem Wissen viel zu verdanken hat. Seine ganze Persönlichkeit strahlte Wärme und Güte aus; er war von strenger Rechtlichkeit und von vornehmem Charakter, die Armen hatten an ihm einen wahren Freund und Berater und einen großzügigen Wohltäter. Bei der heute stattgefundenen Einäscherung, die dem schlichten Wesen des Verstorbenen entsprechend, in aller Stille stattfinden sollte, würdigte Rabbiner Dr. Grünfeld in warmen Worten die Persönlichkeit des Entschlafenen. Der 1. Vorstand, Justizrat Dr. Strauß, brachte deb Dank der Gemeinde zum Ausdruck, die den Verlust schwer empfindet. Aus den schlichten Worten der Angestellten und Arbeiter sprach deutlich die Liebe und Wertschätzung, die der Entschlafene auch in deren Kreisen genossen hat. Die Israelitische Kultusgemeinde Augsburg verliert in Herrn Hugo Landauer einen ihrer Besten. Sie wird ihm stets ein ehrendes Gedenken bewahren. Vorträge Kunst- und Bildungsabende der München-Loge A.O.B.B. Mit den Kunst- und Bildungsabenden, die die München-Loge seit einiger Zeit veranstaltet und die in einem Schubertabend einen erfolgreichen Auftakt fanden, hat die Veranstalterin eine verdienstvolle Übung der Vorkriegszeit wieder ausgenommen. In einem weiteren Abend, der der Erinnerung an den vor kurzem verstorbenen Dichter und Erzieher Karl Loewenberg gewidmet war, fand die Reihe ihre Fortsetzung. Die Loewenberg-Gedächtnisfeier wurde mit einem Klaviervortrag

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