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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-04-01 · 7 (1.4.1929) · p. Seite 108

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
7 (1.4.1929)
Article
Ingolstadt
Date
1929-04-01
Page
Seite 108 (sequence 2)
Language
German
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108 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 7 wirken, das der jüdische Archäologe Dr. Jambe! im jüngsten Jahre neu herausgegeben hat und das den Titel führt: „Vorgeschichte des israelitischen Volkes und seiner Religion." In diesem Werke werden die neueren archäologischen Funde, welche teilweise Zeugen aus dem 3. vorchristlichen Jahrtausend zutage förderten, benützt. Einen gleichen belehrenden Einfluß auf unsere Jugend werden auch die Worte des Herrn Dr. Värwald haben. Mit warmen Worten innigen Dankes für den Herrn Referenten schloß der Vorsitzende der Jugendgruppe, Herr Erich Kuhn, die einmütig verlaufene Versammlung. Rm. Ansbach — Simon kraemer In Heidelberg, wo Kantor Simon Kraemer. aus Ansbach bei seinem Sohne und Kollegen Julius zu Besuch weilte, wurde er nach kurzer Krankheit am 12. März im Alter von siebzig Jahren vom Tode ereilt. Mit der trauernden Familie beklagen auch wir Berufsgenossen den Heimgang dieses gewissenhaften Scholiach zibbur, dem die Erörterung von Standesfragen, die Förderung von Standesinteressen Herzensbedürfnis war, der Opfer an Mühe und Zeit nicht scheute, wenn es galt, kantoralen Nachwuchs heran- und fortzubilden, der sich mit am wohlsten fühlte im Kreise gleichgesinnter, ernststrebender Kollegen und Freunde. Ausgerüstet ebenso mit hebräischem und talmudischem Wissen wie mit Beherrschung des östlichen Chasonus, die er in Kowno sich erworben hatte, erhielt er 1878 seine erste Anstellung als Kantor und Schachet in Aschaffenburg. Nach zweijähriger Amtsführung siedelte er nach München über, um hier, neben geschäftlicher Betätigung, insbesondere gesangstechnischen Studien und vollständiger Aneignung der süddeutschen liturgischen Synagogenweisen sich zu widmen. 1890 sehen wir ihn als zweiten Kantor in Teplitz und drei Jahre später in Ansbach, wo er dreißig Jahre hindurch, bis zu seiner 1923 erfolgten Pensionierung, seines Amtes als Kantor mit Treue und Hingebung waltete. Wer Simon Kraemer, diesen kenntnisreichen, freundlichen Menschen und Kollegen kannte, wird sein Andenken in Ehren halten. Sichrono liwrochoh. Kirschner. Oberelsbach (Rhön). Am Sonntag, 28. Adar I, trugen wir die sterblichen Reste des Kaufmanns Solomon Schloß zu Grabe. Eine überaus große Beteiligung — von nah und fern war man herangeeilt — ohne Unterschied des Glaubens — um den verblichenem Freunde die letzte Ehre zu erweisen. Nach kurzem Krankenlager raffte der Tod den im besten Alter stehenden, den überaus beliebten S. Schloß dahin. — Groß ist der Verlust für seine Familie, der das sorgende, liebende Familienhaupt entrissen wurde, überaus groß ist der Verlust der Gemeinde Oberelsbach. Einer seiner Besten und Unentbehrlichsten ist die Gemeinde beraubt. Seit seinem 18. Lebensjahre übte er in der Gemeinde (die keinen eigenen Beamten hatte) den Vorbeterdienst aus — lange Jahre versah er in äußerster Gewissenhaftigkeit das Amt eines Schochets, nicht aber um sich materiellen Gewinn zu sichern — nein — nur aus Liebe zu seiner Religion ohne irgend welches Entgelt. Und mancher eingeweihte Fremde, der nach Oberelsbach kam, staunte, wenn er Schloß vorbeten und laiernen hörte, wie er, der Kaufmann, Bescheid wußte in allen jüdischen Fragen. Schlicht und einfach, gerade und gerecht war sein Leben. Entgegen seines Wunsches sprach an der Bahre für die Gemeinde Oberelsbach Worte des Dankes Herr Lehrer Schloß, Mellrichstadt. Eine Säule im Judentum ist gefallen —■ er war der Träger des Judentums in Oberelsbach. Möge ihm der himmlische Segen für seine dem Judentums geleistete Arbeit zu teil werden — wir aber, die ihn kannten und schätzten, werden ihm ein dauerndes Gedenken bewahren. (R. W.) Einweihung des neuerbauken Friedhofshauses in Allersheim. Nichts zeigt so sinnfällig das Heimatrecht der deutschen Juden, ihre Verbundenheit mit der deutschen Erde als das Alter mancher jüdischen Friedhöfe, die bisweilen Beweise eines tausendjährigen Bestehens bieten. Zu den älteren Friedhöfen gehört auch der Bezirksfriedhof Allersheim in Unterfranken (Rabbinat Kitzingen), dessen Alter nicht mehr urkundlich nachweisbar ist. Die Bücher sollen bei einem Brande, welcher bei dem Vorstande in Heidingsfeld, dem sogen. „Medinoh-Parnotz" ausbrach, vernichtet worden sein. Die älteste noch vorhandene Aufzeichnung geht auf etwa 250 Jahre zurück, der älteste Grabstein, dessen Inschrift noch entziffert werden konnte, datiert aus der Zeit vor etwa 350 Jahren. Das Alter des Begräbnisplatzes reicht sicher in eine viel frühere Periode zurück. Der Friedhof gliedert sich in 7 Abteilungen. Das jüngste .Gräber-Feld wird seit etwa 65 Jahren belegt. Der Gesamtflächenraum umfaßt etwa 8 Morgen oder 5 Tagwerk. Heute sind diesem Bezirksbegräbnisplatz noch 12 Gemeinden angeschlossen. Aus diesem altehrwürdigen Friedhof fand nun am 20. Januar 1929 eine eindrucksvolle Feier statt. Sie galt der Übernahme des neuerbauten Friedhofshauses, das den Raum für die Vornahme der Taharah und die Halle für die Abhaltung der Trauerfeiern und für die Versammlung des Trauergefolges umfaßt. Es ist ein einfacher, aber zweckentsprechender und in seiner Schlichtheit schöner Bau. Die Initiative zur Errichtung des Baues ging von dem Vorstand der israelitischen Friedhofs-Korporation Allersheim, Herrn Vitus Weikersheimer in Gaukönigshofen, aus. In unermüdlicher Tätigkeit interessierte er private und öffentliche Geber, bis die Finanzierung sichergestellt war. Neben der Opferwilligkeit von etwa 100 privaten Spendern und einer Bewilligung seitens des badischen Oberrates ist die Bereitstellung der Mittel vor allem der wohlwollenden Unterstützung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden zu verdanken, der durch eine größere Subvention und ein zinsloses Darlehen den Bau mitermöglichte. Die Feier verlief sehr erhebend. Nach der Rezitation des 91. Psalms, der wechselweise von Herrn Lehrer Bravmann, Gaukönigshofen und den Anwesenden vorgetragen wurde, übernahm der Vorstand der Friedhof-Korporation, Herr Vitus Weikersheimer aus Gaukönigshosen, den Neubau mit einer Ansprache, in der er auf das ehrwürdige Alter des Friedhofs hinwies, seine Anlage und Gliederung erläuterte und allen hochherzigen Gebern den herzlichsten Dank aussprach. Sodann ergriff Herr Bezirksrabbiner Dr. Wohlgemuth (Kitzingen) das Wort, um, an die verschiedenen hebräischen Bezeichnungen eines Begräbnisplatzes anknüpfend, auf den Ernst der Stätte, die Nichtigkeit alles Irdischen und im Gegensatz dazu auf die Überwindung des Todes durch die Unsterblichkeit hinzuweisen. Herr Josef Lomnitz (Mainstockheim) hielt als Vertreter des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden eine die Bedeutung der Feier würdigende Ansprache, während Herr Pfeuffer (Giebelstadt) in seinen Worten besonders darauf hinwies, daß die Heimat eines Menschen dort sei, wo die Gebeine seiner Ahnen ruhen. Die Feier fand ihren würdigen Abschluß durch den Gesang von „Enosch keschozir jomow" und „El mole rachamim", welche beiden Stücke Herr Lehrer Bravmann (Gaukönigshofen) zu Gehör brachte. Außer den Vertretern und zahlreichen Mitgliedern der beteiligten Gemeinden waren auch sehr viele christliche Bürger der umliegenden Ortschaften erschienen — ein Beweis des harmonischen Zusammenlebens der Konfessionen in unserer Gegend. Auch vom Bezirksamt Ochsenfurt war ein Begrüßungsschreiben eingelausen. Aus der Gemeinde München Ein letzter Gruß an Frau Hedwig Stern I. Ist es wirklich wahr, daß wir Dich zu Grabe getragen haben, die noch vor wenigen Wochen so froh und gesund unter uns geweilt hat, glückliche Mutter des kleinen Mädchens, dessen erstes Erwachen Du nun nicht mehr sehen sollst? Es ist schwer zu begreifen, trotzdem wir es kommen sahen in jenen quälenden Tagen der Angst und Sorge um Dein bedrohtes Leben. Da haben unsere Gedanken immer wieder Dein Bild geformt, und vielleicht haben wir erst da ganz erfaßt, welcher Verlust uns bedrohte, denn es ist wohl so, daß man oft. den eigenen Reichtum erst dann in seiner ganzen Fülle kennt, wenn man in Gefahr ist, ihn zu verlieren. Da haben wir erkannt, ein wie klarer, vornehmer Mensch und in sich geschlossener Charakter Du gewesen bist, anders wie die meisten von uns, weniger vom Geist des modernen Lebens erfaßt, der meint, daß man das Leben genießen muß. Du warst immer darauf bedacht, auch die letzte Pflicht zu erfüllen, gegen Deine Kinder, Deine Familie, die Allgemeinheit, ehe Du an eigene Wünsche dachtest. Deine Ansichten waren oft verschieden von den unsrigen, aber wir hörten hin, denn nie war in Deinen Worten eine Spur von Eitelkeit: immer entsprangen sie dem Zentrum Deines Wesen. Darum konnten wir über alle Fragen unseres persönlichen Lebens mit Dir so besonders gut sprechen. Du besaßest die Gabe der Freundschaft in hohem Maße. Und nun sollen wir nie mehr zusammen ratschlagen, gemeinsam uns an den Kindern freuen, nie mehr zusammen die Feiertage unseres Lebens genießen! Aber ich weiß wohl, daß nicht wir am meisten Grund zur Klage haben, unendlich viel mehr noch die Deinen, mit denen und für die

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