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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-03-15 · 6 (15.3.1929) · p. Seite 87

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
6 (15.3.1929)
Article
Jugendausspracheabend des Central-Vereins
Date
1929-03-15
Page
Seite 87 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 6 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 87 .Der Vorsitzende, Herr Dr. Werner, faßte sämtliche Ausführungen am Schluffe noch einmal unter der Perspektive des Betrachters zusammen. Er stellte fest, daß der Wille zum, Deutschtum und Judentum in sämtlichen Ausführungen eindeutig manifestiert war und daß eine Einigung der Jugend unter diesem Motto wohl zu erreichen sei. Mit herzlichem Dank an alle Beteiligten und alle Erschienenen schloß er die Versammlung. Hebräischer Theaterabend Veranstaltet durch die „Hebräischen Sprachkurse" am Samsrag, dem 16. Februar 1929 im Steinicke-Saal Der gewissenhafte Berichterstatter befindet sich in einiger Verlegenheit anläßlich des Auftrages, Mitteilung zu geben von dem Verlauf gerade dieses Theaterabends. Wenn es schon im allgemeinen stets mit einer gewissen Komplikation verbunden ist, Schülervorstellungen, Liebhaber-Theater und ähnliche Veranstaltungen dilettierender Künstler zu besprechen, indem man angesichts solcher einesteils nicht den gewohnten objektiven Maßstab anzulegen berechtigt ist, andererseits aber durch plumpes Lob oder krassen Tadel Gefahr läuft, die Besprechung zu entwerten und die so besprochenen eher in ein zweifelhaftes Licht zu setzen, tritt im vorliegenden Fall ein weiteres erschwerendes Moment hinzu. Es handelt sich um eine Vorstellung in hebräischer Sprache. Ein solches - Unternehmen aber muß, schon in Hinsicht auf das Publikum allein, das nur zum geringsten Teil in dieser Sprache bewandert ist, für ein Experiment angesehen werden, mit. allen Fährnissen und Unzulänglichkeiten eines Experimentes begabt. Denn es würdeein Gipfel von Kunst dazu gehören, um dem Zu- . Hörer, trotz seiner Unkenntnis der Sprache, etwas Gesprochenes lückenlos zu vermitteln und ihm die theatralische Illusion zu erhalten. Kommt schließlich noch der Umstand hinzu, daß diese Sprache für die Mitwirkenden selbst, in ihrem Alltag, nicht die Umgangssprache ist, so ersteht damit ein weiterer. Faktor, der dieses Experiment, insbesondere was die Theatervorstellung betrifft, natürlich bedeutend erschwert. Denn im gewöhnlichen Fall ist es ja das Wort, die Gewalt des lebendigen Wortes, das den Schauspieler in die Metamorphose zwingt, es ist das Wort, das ihn wandelt, während im vorliegenden Fall der Künstler sich erst ins Wort Hineinoersetzen, ins Wort umsetzen, ins Wort wandeln mußte. Wo sollte ihm da die Spannkraft bleiben, um darnach den Anforderun-.?icn eines freien Spiels und einer gemütsnahen, lebensechten Dartellung gewachsen sein zu können? Nach Feststellung dieser, für den gegebenen Fall als unvermeidlich vorausgesetzten Mängel, fällt es leichter, die Bemühungen der Mitwirkenden an sich anzuerkennen. Der erste Teil der Veranstaltung, der als musikalisch-deklamatorischer Auftakt zum Clou des Abends, der Theateraufführung, angesehen werden kann und von Berufskünstlern durchgeführt wurde, verlief in flottem Tempo. In erster Reihe bekam man Kompositionen des Herrn Elli Jacobson, Kapellmeisters der Münchener Kammerspiele zu Gehör, mit dem Komponisten selbst am Flügel. Die erste derselben, Kol Jakow, wurde gesanglich durch Frau Sonja Ziegler, interpretiert, die mit ihrer ansprechenden, angenehm timbrierten Stimme viel Erfolg hatte. Die zweite Komposition bildete eine Paraphrasierung jüdischer Volkslieder, die der Komponist allein exekutierte und wobei er sich als geschackvoller Pianist erwies. Frau Ziegler sang außerdem, begleitet von Herrn Kapellmeister Ziegsler (Klavier) und Herrn Moritz Goldberg (Geige) noch drei Lieder von Bialik und Czernichowski, die lebhaften Beifall fanden. Zwischen den musikalischen Darbietungen trug Herr Max Fischer, Mitglied der Kammerspiele im Schauspielhaus München, Gedichte von Bialik vor. Trotzdem der junge Künstler, der auch als Regisseur des Theaterstückes zeichnete, sichtlich indisponiert war, vermochte er doch mit seinem lebhaften Temperament das Publikum zu Beifall zu bewegen. Im zweiten Teil gelangte ein Einakter von Achikam „Das Jubiläum" zur Aufführung. Nach der umständlich abgefaßten, dem Programm beigegebenen Inhaltsangabe, war man auf das durchaus bemerkenswerte literarische Niveau dieses Einakters kaum gefaßt. In der Tat wird hier das tragikomische Schicksal des jüdischen Schriftstellers sehr amüsant und oft geistreich abgewandelt. Der zünftige Schreiber, der nach jahrelangem Schaffen in größter materieller Not verbleibt und an seinem Jubiläum, von Gratulanten überrascht, diesen feine Not verbergen möchte, gibt den Vorwand für manche gelungene drastische Situation und manche ergötzliche Verwicklung. Die Regie hatte es scheinbar auf Filmtempo abgesehen. Auf den Brettern ging es sehr laut und beweglich zu, was im Anfang einen recht lebhaften Eindruck hervorrief. Dieser Eindruck konnte aber nicht dauernd sein. Die tumultuöse Stimmung wirkte im Publikum, das — wie gesagt — zum großen Teil der Sprache nicht mächtig war, monoton, um schließlich gegen das Ende zu in einen lustigen Rummel überzugehen. Die Darsteller waren mit Eifer bei der Sache. Insbesondere war Ven-Galuth, hinter welchem Pseudonym sich der Leiter der „Sprachkurse", Herr Katz, verbirgt, in der Rolle des Schriftstellers Meschulam ganz ausgezeichnet. Er kam im Habitus eines Maskils aus dem Rußland der achziger Jahre etwa und war in Sprache und Gebärde von bildhafter Eindringlichkeit. In der Rolle seiner stets streitbaren Frau Dworah, erwies sich Fräulein G u t t e r als verständnisvolle Darstellerin. Die übrigen Mitwirkenden fügten sich gehörig dem Ensemble, das am Ende lebhaft beklatscht wurde. Den nachhalttgsten Eindruck machte als letzte Nummer der Sprech-Chor, der mit ernstem Pathos Vialiks „Al Haschchitah" zum Vortrag brachte. Samuel Taubes Die Numerus-clausus-Propaganda an den deutschen Universitäten Nach Erlangen und Würzburg ist nun München an der Reihe München, 4. März. (ITA.) Im Allgemeinen Studentenausschuß der Universität München war ein nationalsozialistischer Antrag auf Einführung des Numerus clausus für jüdische Studierende eingebracht worden, wie er bereits von den Studentenausschüssen der Universitäten Erlangen und Würzburg angenommen worden ist. Der Antrag wurde zurückgestellt. vücderschau Paul Nathan Ein Lebensbild von Ernst Feder Man macht sich keiner Übertreibung schuldig, wenn man Paul Nathan als die populärste Persönlichkeit der deutschen Judenheit seiner Zeit bezeichnet. Sein Name war verbunden mit dem Begriff nie versagender Hilfsbereitschaft, größter Opferwilligkeit im Dienste verfolgter oder notleidender Glaubensgenossen; ein erheblicher Teil des hohen Ansehens, dessen sich der Hilfsverein der deutschen Juden, Nachans Schöpfung und Hauptwerk, allüberall erfreute, galt der Person des Gründers des hochverdienten Führers und Organisators jener segensvollen Institution. Wenn Schiller von Wallenstein sagt: „Von der Parteien Haß und Gunst verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte", so kann man dies Zitat im umgekehrten Sinn auf Paul Nathan anwenden, denn alle Parteien, ohne Unterschied der Richtung, waren sich einig in der Verehrung für ihn, und sein Charakterbild steht rein und klar in der Geschichte des deutschen Judentums. Anläßlich seines Todes, dessen Tag sich bald zum zweiten Male jährt, kam diese Verehrung so recht zum Ausdruck. Die Zeitungen aller Richtungen, ob liberal oder orthodox, ob zionistisch oder auf dem C.-V.-Standpunkt stehend, sie beklagten alle tief und schmerzlich das Ableben dieses Mannes, der so unendlich viel nicht nur für die deuffchen Juden, sondern für die Juden der ganzen Welr bedeutet hatte. Schon damals tauchte der Wunsch nach einer Biographie Paul Nathans auf, die dies reiche Leben nicht nur für seine Zeitgenossen, sondern auch für unsere Jugend als erhebendes Beispiel feschalten sollte. Diesem Verlangen ist nun in ganz hervorragender Weise der bekannte und bedeutende Publizist Dr. Ernst Feder, ein intimer Freund Nathans, nachgekommen, indem er uns Paul Nachan als Mensch, als Führer, als Politiker und als die bedeutende Persönlichkeit zeigt, als welche er in der Erinnerung der Nachwelt weiterlebt. Es ist nicht eine Biographie im gewöhnlichen Sinn dieses Wortes, sondern ein Ehrendenkmal, das der Freund dem Freund gesetzt hat. An Hand eines reichen Quellenmaterials zeichnet uns Ernst Feder das Bild Paul Nathans; wir sehen den Knaben im Elternhaus heranwachsen, unter der Obhut seiner geistvollen Mutter, einer Tochter des Dessauer Hofbankiers Baron von Cohn, mit der ihn ein unendlich inniges Verhältnis bis an ihr Lebensende verband. Wir begleiten den jungen Studenten nach manchem Jahr schwerer innerer Kämpfe auf die Universität nach Heidelberg: schon damals zeigte sich seine Bedeutung in einem Briefwechsel mit gleichgesinn-

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