Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 6 (15.3.1929)
- Article
- Generalversammlung des bayerischen Landesverbandes des jüdischen Frauenbundes
- Date
- 1929-03-15
- Page
- Seite 85 (sequence 1)
- Language
- German
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yir. 6 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 85 In Auisbur Hotel Bayerischer Hof wohnt man gut und billig im | Generalversammlung des Bayerischen Landesverbandes des jüdischen Frauenbundes Am 24. und 25. Februar fand in Regensburg die Generalversammlung des Bayerischen Landesverbandes des I. F. B. statt. Es hatte sich eine große Zahl von auswärtigen Vertreterinnen eingefunden, und die Regensburgerinnen brachten der Versammlung das regste Interesse entgegen. Am 24. Februar um 5 Uhr nachmittags eröffnete die Vorsitzende die Generalversammlung, die neben den Begrüßungen der Behörden, der Ortsvereine, des Gemeindebundes und des I. F. B. die Berichte über die Geschäftsperiode brachte. Die Berichte zeigen, daß die Vereine sich fortschrittlich auf kulturellem und sozialem Gebiet entwickelten, ohne deshalb die alte Tradition zu verlassen. Der Bayerische Landesverband hat sowohl in propagandistischer als in repräsentativer Beziehung seine Pflicht erfüllt und zeigt das Bestreben, immer weitere Kreise zu interessieren und zu gewinnen. Es wurde beschlossen, ein Glückwunschtelegramm an Fräulein Pappenheim anläßlich ihres 70. Geburtstages zu senden und der Luise-Kiesselbach-Stiftung des Hauptverbandes bayerischer Frauenvereine eine Summe zuzuwenden, da betont wurde, daß die Verstorbene, obwohl nicht unseres Glaubens, wie keine andere Mische Arbeit geschätzt und unterstützt habe. Die erste und zweite Vorsitzende treten von ihrem Posten zurück, verbleiben aber weiter im engeren Vorstand, für die Ausscheidenden Frau Hopf und Frau Meyer (Nürnberg) und Frau Kahn (Würzburg), werden Frau Baerwald (München), Frau Hommel (Schweinfurt), Frau Hesselberger (Nürnberg), gewählt, und zwar als erste Vorsitzende Frau Baerwald. Frau Hops wurde in Anerkennung der für den Verband geleisteten Arbeit die 'Ehrenmitgliedschaft angeboten, und sie nimmt diese Ehrung mit Dank an. Die liebenswürdige Gastfreundschaft, die künstlerischen und humorvollen Darbietungen ließen die erste Hälfte des Abends froh gestalten, die zweite Hälfte brachte einen ausgezeichneten Vortrag von Frau Levy-Stein (Regensburg) über „Aufgaben der jüdischen Frau in der Gemeinde". Sie wies in formvollendeter Weise nach, wie die jüdische Frau der Zeit und ihren Forderungen entsprechend die Pflicht und das Recht hat, in der Verwaltung Sitz und Stimme zu haben und in sozialer, pädagogischer und religiöser Arbeit sich zu betätigen. Die Erneuerung des Judentums des jüdischen Hauses und der jüdischen Familie legt sie für die Frauen als das Ziel dar, das am innigsten zu wünschen ist. Der nächste Tag brachte ein Referat über die Tagung des J.F.B. in Breslau am 22. und 23. Oktober 1928 von Frau Baerwald. Diese schilderte in großen und markanten Zügen die Tagung, die mit einer Jubiläumsfeier des dortigen Vereins begann und hob hervor, daß durch die auswärtigen Vertreterinnen des In- und Auslandes, alle Fragen doppelt interessant beleuchtet wurden. Die Auswirkungen für unseren Landesverband müssen sich in erhöhtem Arbeitswillen auf allen besprochenen Gebieten — Berufsberatung und Ausbildung, Lehrlingsschutz, Kinder-, Mädchen- und Frauenschutz: überparteiliche Arbeit, Fragen der Agunoth der geschiedenen Frau und interne Fragen des Bundes — zeigen. Zum Schluß führte die Rednerin noch aus, daß es stets ihr Bestreben als erste Vorsitzende des Bayerischen Landesverbandes sein wird, all die Ideen des Mutterverbandes fruchtbringend auch in Bayern zu verfolgen und in den kleinsten Vereinen das Interesse zu wecken. Das zweite Referat „Über die Aufgaben und Notwendigkeit der wirtschaftliches Frauenschule in Wolfratshausen" von Fräulein Bodenheimer zeigte die Wichtigkeit, eine solche Schule gerade auf dem Lande zu haben; denn nur dort besteht die Möglichkeit, die Ausbildung nicht nur in hauswirtschaftlicher, sondern auch in landwirtschaftlicher Beziehung zu betäügen und durch den gesunden Aufenthalt auf dem Lande kräftige, lebenstüchtige Menschen heranzubilden. Durch ein Jahr der Ausbildung in Theorie und Praxis wird es auch dem jüdischen Mädchen möglich gemacht, das den Frauen erfahrungsgemäß zu einem sehr hohen Prozentsatz zur Verwertung anvertraute Volkseinkommen verständnisvoll und volkswirtschaftlich richtig zu verbrauchen. Große Aufstiegsmöglichkeiten bauen sich auf dieses Lehrjahr auf, z. B. zur technischen, landwirtschaftlichen und Gewerbe-Lehrerin. Die lebhafte Diskussion zeigte klar die Notwendigkeit der Ausbildung, und es gelang der Referentin durch ihre Antworten viele noch bestehende Unklarheiten zu beseitigen. Verständnisvoll war das zahlreiche Publikum bis zum Schluß allen Ausführungen gefolgt und mit nochmaligem Dank an alle Referentinnen, an den Regensburger Verein und alle Beteiligten schloß die Vorsitzende die Versammlung. Möge ein starkes Echo in den Vereinen die Tagung lohnen! E. H. Kus der Gemeinde München Buchtag am 22. März Anläßlich des allgemeinen Buchtages am 22. März 1929 wird die Bibliothek der Israelitischen kultusgemeinde München im Verein mit der Ewer-Buchhandlung eine kleine Ausstellung von jüdischen Büchern im Bibliotheksaal, Herzog-Max-Straße 7. veranstalten. Die Ausstellung, die ausgewählte Beispiele von Büchern aller Gebiete der jüdischen Literatur zeigen soll, wird Freitag, den 22. März: Samstag, den 23. März; Sonntag, den 24. März, jeweils von 11 bis 13 Ahr geöffnet sein. Lehrcurse der Israelitischen Kultusgemeinde München Dr. Max Mayer, Berlin: „über neuhebräische Literatur." Mittwoch, 27.. und Donnerstag, 28. März, 20.15 Ahr. im Steinickefaal, Adalbertslraße 15. Numerierter Sitzplatz RM. 1.50, Saalkarte RM. 1.—, Kategoriekarle RM. —.60. Religiöser Vortrag in der Synagoge Am Sonntag, dem 3. März 1929, abends 6 Uhr, fand wiederum ein religiöser Vortrag in der Hauptsynagoge statt, der, wie die vorhergegangenen Vorträge stark besucht war. Herr Rabbiner Dr. Lazarus aus Frankfurt a. M. sprach über „Die ersten Blätter der Bibel". Schon nach den ersten Sätzen hatte der Redner die Zuhörer in den Bann seiner eindrucksvollen, von starkem religiösem und freiheitlichem Geiste erfüllten Worte gezogen. Cr übersetzte uns die ersten Blätter der Bibel in modernster Sprache und Auffassung und gestaltete die Materie so lebendig, daß man sich der Schöpfung näher fühlen konnte. Viele Menschen betrachten das, was in den ersten Blättern der Bibel steht, skeptisch. Aber zu Unrecht! Die Bibel ist kein Lehrbuch der Naturkunde. Aber selbst wenn man unter dem Gesichtspunkte der Naturwissenschaft an das Buch herangeht, muß man entdecken, daß sich gewisse Grundwahrheiten, welche die Wissenschaft anerkannt hat, auch hier finden. An Einzelheiten kann man sich vielleicht stoßen; aber es ist ein kleinliches Unterfangen, zu vergleichen, was vor 3000 Jahren empfunden und niedergeschrieben wurde mit dem, was die Wissenschaft heute lehrt. Man geht meist von einem „entgegengesetzten" Standpunkte an die Betrachtung der Bibel heran. Wir Menschen von heute wollen Gott aus der Welt begreifen, während die Schöpfer der Bibel die Welt aus Gott begriffen haben. Wenn man die Kosmogonien der übrigen Völker hauptsächlich der damaligen Zeit vergleicht, wird man erkennen, wie hoch sich die Bibel über diese erhebt. Kampf und Streit finden sich in allen diesen Schilderungen der Entstehung der Welt, in der Bibel findet man davon nichts. Himmel und Erde, Meer und Land, Boden und Pflanzen, Tier und Mensch, sie gehören zusammen, sie bilden die Natur in ihrer Einheit. Kunstvoll ist das Sechstagewerk der Erschaffung der Welt im 1. Blatt der Bibel aufgebaut und endet mit der Einführung des Sabbat. Sabbat, das ist die Erinnerung an das Werk der Schöpfung und eine Erinnerung an den Auszug aus Ägypten. Sabbat bedeutet auch das Reden von einem Tag, an dem nur Sabbat in der Welt sein wird, d. h. von der Zeit der Erlösung. Das zweite Blatt schildert die Erschaffung des Menschen, einer Kreatur, die bestimmt ist zum Herren der Erde zu werden durch ihre Arbeit. Es ist falsch, das Paradies, von dem in diesem Blatt auch gesprochen wird, als Schlaraffenland anzusehen. Der Mensch war in das Paradies gesetzt, damit er es durch seine