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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-03-01 · 5 (1.3.1929) · p. Seite 73

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
5 (1.3.1929)
Article
Opatoschu: Der letzte Waldjude [Rezension]
Date
1929-03-01
Page
Seite 73 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 6 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 73 In Augsburg Hotel Bayerischer Hoff wohnt man gut und billig im | Hang aufrechterhalten will, zur Verknüpfung mit der geistigen Führerschicht, den Zaddikim, wird mit großer Darstellungskrast gestaltet. Die innere Zerrissenheit, die dem Willen nach Verinnerlichung in der Seele des Zaddik selbst entgegentritt, muß natürlich auch seine Umgebung erfassen. Das Leben der Welt spielt in diese Kreise hinein. Der polnische Aufstand erschüttert die polnische Gesellschaft, zieht auch die Juden in seinen Bann. Die chassidische Welt wankt — von innen ausgehöhlt; von woher wird sie wieder so gestärkt werden, um dem Judentum seinen Halt zu verleihen? Das Buch wird vor allem wegen der mit Wirklichkeit erfüllten Zeichnung des Lebens viele Freunde finden. o. r. Dr. Ernst Joerges: Die weltgeschichtliche Bedeutung des Judentums und seine Zukunft. Verlag Karl Curtius, Berlin. Br. RM. 2.50. Die Schrift stellt einen Versuch dar, dem Antisemitismus eine neue taktische Richtung zu weisen, indem nicht „jüdische Gefahr" an die Wand gemalt wird, sondern indem auf den zu erwartenden physischen Zerfall des Judentums hingewiesen wird. Der Autor hat zweifellos viel gelesen, aber nicht zu Ende gedacht. Zumindest würde — wenigstens in einem jüdischen Gehirne — die Konsequenz ganz anders aussehen. Die Überheblichkeit des „Germanen" kommt in vielen Behauptungen zum Ausdruck, die nicht erwiesen werden. Zur Widerlegung der vielen falschen oder schiefen Schlüsse bedürfte es einer mindestens ebenso umfangreichen Broschüre, wie die Schrift selbst ist. Theo Harburger. Das soeben erschienene Februarheft der „Jüdischen Arbeits- und Wanderfürsorge" beschäftigt sich mit dem aktuellen Problem der jüdischen Fürsorgeerziehung, deren Reformierung und Produktivierung energisch gefordert wird. Das Heft bringt ferner einen Artikel von Rabbiner Dr. Goldmann (Leipzig) über die Seelsorge für Untersuchungsgefangene und einen Protest gegen die besonders ungünstigen Lebens- und Wirtschaftsbedingungen der in Deutschland lebenden Ausländer von Carl Greger (Berlin). Die ersten Seiten des Heftes find der Propagierung der Idee der jüdischen Arbeiterkolonie gewidmet, deren Realisierung in baldiger Aussicht steht: Der Aufruf zur Errichtung der Kolonie, den die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge herausgegeben hat, ist veröffentlicht, und Dr. Kreutzberger (Berlin) entwickelt die grundlegenden Unterschiede zwischen diesem Projekt und dem des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Die Rundschau enthält neben einer Würdigung Paul Nathans wichtige Mitteilungen über neue Wanderungsbestimmungen, einen ausführlichen Bericht über die letzte Tagung des Preußischen Landesverbandes usw. und bringt wiederum in der Reihe der praktischen Fälle aus der Berufsberatung einen interessanten Beitrag. Dr. Paulus Aemilius In dem neuen trefflichen Büchlein des Herrn Rabbiners Dr. A. Eckstein, Bamberg, über das Heimatrecht der Juden in Bayern finde ich (S. 16) folgende Stelle: -Im Jahre 1554 hat der Gelehrte Paulus Aemilius zu Augsburg eine ihm vorgelegene Übersetzung des biblischen Fünfbuches und der fünf Rollen herausgegeben, um dadurch den Beweis zu liefern, daß die Juden keineswegs, wie viele Christen meinen, auch jetzt noch hebräisch sprechen." Hierbei kommen mir Notizen in Erinnerung, die ich mir bei früheren Studien über diesen Renegaten machte und die vielleicht auch für weitere Kreise Interesse haben: „Im Jahre 1547 wurde der in Rom geborene Dr. Paulus Aemilius, ein getaufter Jude, als Professor der hebräischen Sprache an die Universität Ingolstadt berufen. Das Hebräische galt damals als die Krone des humanistischen Wissens; feine Einführung an den Universitäten wurde auf dem Baseler Konzil 1518 besonders empfohlen.' Dr. Aemilius heiratete eine Jngolstädter Bürgerstochter namens Anna Pflanzmann. Der Ehe entfprohen 17 Kinder, 6 Söhne und 11 Töchter.- Am Fronleichnamstag des Jahres 1579 starb Dr. Aemilius, gerade als die Prozession an seinem Hause vorüberzog. Sein Grabstein ist an der Südseite der hiesigen oberen Stadtpfarrkirche angebracht und trägt die Inschrift: ,Anno 1579, den 9. Juni, starb der Ehrnvest und wohlgelehrt Herr M. Paulus Aemilius, der hl. Sprach Professor allhie." — Sein Sohn Markus wurde noch zu des Vaters Lebzeiten (1569) Benefiziat an der Barbarakapelle." Im Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt, 44. Jahrg., 1925, bringt Msgr. Dr. I. B. Götz eine sehr interessante Abhandlung über die Grabsteine der Jngolstädter Frauenkirche, der ich folgende Stelle entnehme (S. 30): „Aemilius war zu Rom als Jude geboren und dort getauft worden. 1547 wurde er als Mediziner an der Jngolstädter Universität immatrikuliert, lehrte aber sofork Hebräisch und fertigte einen Katalog über die Hebraica in der herzoglichen Bibliothek zu München, der noch erhalten ist. Auch eine Reihe von Druckschriften gab er heraus: Mederer a. a. O., Prantl II, 495, Nr. 79." A. Friedmann, Ingolstadt. Vereine Jüdischer Iugendverein München. Donnerstag, den 7. März 1929, spricht Herr Präparandenlehrer Hirnheimer über ethische und religiöse Bedeutung der Speise gesetze. Der Vortrag mit anschließender Diskussion findet wie alle Donnerstagabende im Lessingsaal, Herzog-Rudolf-Straße 1/», statt. Beginn 20.45 Uhr. — Donnerstag, den 14. März 1929, findet unter Leitung von Herrn Syndikus Dr.. Freund eine Diskussion über praktische Abwehrarbeit statt. — An beiden Abenden sind Gäste herzlich willkommen. — Die Montag- und Dienstagabende, ebenso die Freitagabendfeiern des Vereins werden wie bisher fortgesetzt. Für Sonntag, den 10. März, ist eine Fahrt nach Augsburg vorgesehen. Auskünfte in Vereinsangelegenheiten sowie Beitrittsanmeldungen an die Schriftführerin, Fräulein Emma Neuwirth, Franz-Joseph-Straße 33. Leffinggedenkfeier des Jüdischen Jugendvereins München Am 21. Februar veranstaltete der Jüdische Jugendverein München eine Lessinggedenkfeier und bot damit den zahlreich Erschienenen einen recht anregenden und genußreichen Abend. Der Festredner, Herr Dr. Siegfried Keßler, schilderte in einer äußerst eindrucksvollen Rede, an deren feingeschliffener Sprache ein Lessing seine Freude gehabt hätte, den Dichter als den ewig jungen Helden, der durch seinen unbeirrten Kampf gegen Vorurteile auf literarischem, sozialem und religiösem Gebiet der Jugend von heute besonders nahe steht und durch seine genialen Schöpfungen bis in unsere Zeit fortwirkt. — Herr Alfred Obermeier brachte den Epilog zur Lessingfeier von Bertold Auerbach wirkungsvoll zum Vortrag. Eingerahmt wurde die Feier von Darbietungen des Jüdischen Kammerorchesters unter Leitung von Heinrich Lamm unter Mitwirkung der Sopranistin Fräulein Bettine Teitler. Die musika- STÖltWEROk l SCHOKOLADE-PRALINEN BJ

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