Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 5 (1.3.1929)
- Article
- Jakob Loewenberg zum Gedächtnis
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 67 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 5 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 67 Verstehen kann „seines Volkes trüb Geschick, sein Leiden, Dulden, Hoffen, Ringen, sein tausendjährig tiefes Weh in seinen Tönen wiederklingen" lassen, wie er es in seiner Gedichtsammlung „Kämpfen und Bauen"1 getan. Alles, alles strömte aus dem „goldenen Überfluß" seines Herzens, und so gab er diesen Titel einer Anchologie deutscher Lyrik* 7, die, in mehr als 250 000. Exemplaren verbreitet, in mehr als einer Viertelmillion deutscher Häuser den Sinn für echte Lyrik erwecken half. Daneben aber schildert er uns in „Gängen und Höfen"8 * 10 seine Erlebnisse und Eindrücke aus der Hamburger Cholerazeit, läßt uns in seinen „Stillen Helden"" wahres Märtyrertum erkennen und stellt sich uns in seinem letzten Werte „Abendleuchten"*" in einer Auswahl seiner besten Gedichte selber dar. Daß er neben seiner Tätigkeit als Schulleiter noch Zeit fand, in Volksbildungsabenden der Hamburger „Literarischen Gesellschaft", die ihr Entstehen vor allem ihm im Verein mit Otto Ernst, Detlev v. Liliencron, Gustav Falke, Richard Dehmel, mit . denen innige Freundschaft ihn. verband, verdankte, bahnbrechend zu wirken, gab dem Senat Veranlassung, unserem Dichter zum siebzigsten Geburtstage, am 9. März 1926, folgendes zu schreiben: „Ihr siebzigster Geburtstag gibt dem Senat erwünschten Anlaß, Ihnen für die erfolgreiche Arbeit eines von deutschem Gei st e beseelten Lebens herzlichen Dank zu sagen. Als Lehrer und Erzieher haben Sie für das hamburgische Schulwesen in hohem Maße verdienstvoll gewirkt. Sie waren als Freund der Jugend den pädagogischen Fortschritten immer ein warmherziger Förderer und haben sich an der Erprobung und Gestaltung neuer Ideen von jener hohen Warte aus beteiligt, die Ihnen Ihr freies und reifes Menschentum und Ihre hervorragenden Lehrbegabungen schufen. Es sei weiter daran erinnert, daß Sie einer der freudigsten und tatkräftigsten Anreger und Förderer der Volksbildungsveranstaltungen der Literarischen Gesellschaft gewesen sind und sich, hohe persönliche Verdienste um die Erziehung weiter Kreise Hamburgs zum literarischen und künstlerischen Verstehen erworben haben. Ihre Gesamtpersönlichkeit aber wirkten Sie am klarsten in Ihrem dichterischen Schaffen aus, das Ihnen in ganz Deutschland dankbare Verehrer und Freunde geschaffen hat." Nun ist Jakob Loewenberg von uns gegangen, still, wie er gelebt und gewirkt, aber wenn noch in Jahrzehnten unsere Jugend sich an seinen Dichtungen „Aus der Straßenbahn", „An den Straßenecken", „Auf dem Felde der Ehre" u. v. a. erfreuen sollte, die in allen deutschen Gauen den Weg in die Lesebücher gefunden haben, dann wissen wir, daß wir von ihm jene Worte heute auch sagen dürfen, die einstmals Fr. Th. Bischer seinem toten Freunde Berthold Auerbach nachries: „Nicht ganz werde ich sterben, darfst du mit dem alten Dichter " „Vor dem Feind." Trauerspiel in 5 Akten. (Vergriffen.) „Vom goldenen Überfluß." Voigtländer, Leipzig. 8 „In Gängen und Höfen." M. Glogau, Hamburg. " „Stille Helden." M. Glogau, Hamburg. 10 „Abendleuchten." M. Glogau, Hamburg. sagen. Rein hoch, ungehemmt von Schranken des Raumes und der Zeit, geht nun dein Geist durch die Welt. In fernen Tagen wird er noch bei manchem still in deine Blätter vertieften Leser anklopfen ... in fernen Tagen wird dein Name über manche Lippen gehen, die in warmem Gespräche dich nennen und ehren und rühmen. Du bist sterbend nicht gestorben. Leb wohl. Toter! Sei gegrüßt, Lebendiger!" Oie Kriminalität der luden Von Dr. Rudolf Was Nachstehende Ausführungen entnehmen wir dem dritten Band des vierbändigen Jüdischen Lexikons, das im Jüdischen Verlag, Berlin, erscheint mit Genehmigung des Verlags. Nachdruck verboten. Copyright 1929 by Jüdischer Verlag, Berlin. Die Kriminalität der Juden ist ein Thema, das schon seit mehr als hundert Jahren den Forscher gereizt hat. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es im Kampf um die Emanzipation der Juden, der im neunzehnten Jahrhundert im Anschluß an die französische Revolution urid ihre Auswirkungen ausgetragen worden ist, eine große Rolle gespielt hat. Man hat geglaubt, in den Zahlen der Kriminalstatistik einen sicheren Maßstab für den Wert oder Unwert der jüdischen „Nation" (wie man sich früher ausdrückte) zu gewinnen und dabei ganz übersehen, daß schon die Gewinnung und Gruppierung des Zahlenmaterials eine Reihe von Fehlerquellen in sich birgt und noch viel weniger eindeutige Schlüsse zu ziehen gestattet, ob etwa vorwiegend soziale Momente oder Rassenmomente die verbrecherische-Betätig.u n g h e r v o r g e r u f e n ha b e n. Da sich unter den strafbaren Handlungen solche von ganz ungleicher Schwere befinden, so muß es von vorneherein als ziemlich nutzloses Beginnen bezeichnet werermann (München) den, etwa die gesamte Kriminalität der Juden in verschiedenen Ländern nebeneinander zu stellen und mit der Kriminalität der Nichtjuden zu vergleichen und daraus Schlüsse zu ziehen. Es wäre sehr wohl möglich, daß z. B. die Angehörigen eines Volksstammes gerade an den schwersten Delikten sehr stark beteiligt sind, während sie bei den an sich zahlreichen geringfügigen Vergehen unter Umständen eine geringe Beteiligungsziffer aufzuweisen haben, sodaß sie dann prozentual gegenüber der Gesamtheit zahlenmäßg günstiger abschneiden, während, qualitativ betrachtet, ihre Kriminalität weit ungünstiger erscheinen müßte, als die ihrer Umgebung^ Dies ist bei den Juden in keinem Lände der Fall. Trotzdem kann eine solche Übersicht, wie sie etwa R u p p i n in der ersten Auflage seines Buches „Die Juden der Gegenwart" (Berlin 1904) gegeben hat und wie sie sich auch in meinem Buche „Beruf, Konfession und Verbrechen" (München 1907), Seite 11, findet, füglich entbehrt werden. Wert hat nur, wenn man das Thema international vergleichend behandeln will, eine Übersicht in der Art, wie sie sich auf Seite 223 der zweiten Auflage des oben erwähnten R u p p k n fchen Buches (Berlin 1911) findet, die erkennen läßt, in welchem Maße die Juden und Andersgläubigen unter Berücksichtigung ihrer numerischen. Stärke bei dem einen oder anderen Delikt überwiegen. Eine solche Übersicht läßt erkennen, daß man nicht sagen kann, die