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Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern · 1929-02-15 · 2 (15.2.1929) · p. Seite 4

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Journal
Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1929
Issue
2 (15.2.1929)
Article
Haben die Juden in Bayern ein Heimatrecht?
Date
1929-02-15
Page
Seite 4 (sequence 2)
Language
German
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4 Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern Nr. 2 Schule, im jüdischen Geschichtsunterricht finden. Unsere jüdische Jugend muß leider bereits in den goldenen Tagen ihrer Kindheit den Ernst des Lebens von der unangenehmsten Seite kennen lernen. Von Mitschülern, manchmal sogar von Lehrern, aus der Straße von Erwachsenen, durch Zeitungsartikel, Broschüren, erfährt sie — in den buntesten Farben gemalt — daß wir als Fremde in einem fremden Lande wohnen, daß Juden nur in geringer Anzahl oder gar nicht an der Front gewesen wären usw. Unsere Jugend — vom Elternhause her vielfach nur lose mit dem Judentum verbunden — muß irre werden an ihrem Judesein! Geben wir ihr im Religionsunterricht den seelischen Halt, den sie braucht, um später ein würdiges Glied unserer Glaubensgemeinschaft sein zu können. Zeigen wir der Jugend an Hand von Beispielen — die entsprechend ergänzt und vermehrt werden können — die das Buch in so reichem Maße bietet, daß wir durch Schicksals-, Sprach-, Kultur- und Willensgemeinschaft Heimatrecht im bayerischen Lande erworben haben; viel früher als manch' andere Teile der Bevölkerung unseres Vaterlandes — ©lauen und Wenden in Franken wurden beispielsweise erst im 12. Jahrhundert germanisiert. — Treiben wir also auch im Religionsunterricht jüdische Heimatkunde „Alles von der Heimat aus" ist ja ein bekannter pädagogischer Grundsatz. Liebe zum Judentum, das alle Stürme des Mittelcttters und der Neuzeit überwunden hat, Stolz auf die Glaubensgemeinschaft, die trotz allem sich in Pflichterfüllung für das Vaterland nicht übertreffen ließ, wird die Frucht eines solchen heimatlichen jüdischen Geschichtsunterrichtes sein. Die Broschüre von Dr. Eckstein liefert uns für diesen Unterricht wertvolles, ja unentbehrliches Material. Bezirkskonferenz Schweinfurt. Die jüngste Konferenz fand am 13. Januar 1929 statt, die nächste wird am 17. Februar 1929 abhalten werden. Die Bezirkskonferenz Schweinfurt besteht seit dem Jahre 1892 und hat mit längerer Unterbrechung von 1896 bis 1904, feit dem Jahre 1904 bis heute ununterbrochen gearbeitet. In abwechselndem Vortrag der einzelnen Mitglieder werden Talmud, Mischnah und Tenach behandelt, in letzter Zeit die Psalmen. Alle Standes- und Schulfragen werden in gründlicher Aussprache erörtert. Aus der Bezirkskonferenz ist auch der Lehrplan für die Volks- und Religionsschulen heroorgegangen, der, im Druck verbreitet, in vielen Schulen benützt wird und unter anderem am Lehrseminar zu Köln durch den verstorbenen Direktor Herr Dr. Carlebach seligen Angedenkens als Grundlage für die Behandlung der Fragen des Religionsunterrichts herangezogen wurde. Es kann festgestellt werden, daß die Konferenzen immer zahlreich besucht sind und daß ein ernstes Bestreben bei allen Teilnehmern besteht, dieselben fruchtbar zu gestalten. Das Thema der nächsten Konferenz ist: Talmud Bezah 31 ff. Mischnah Erubin Perek VI, 4 und weiter, Psalmen 135 bis 138. Dezirkskonferenz Ansbach. Am 27. Januar 1929 fand in Ansbach wieder eine Konferenz statt. Kollege Liffgens, Rothenburg o. d. T., hielt einen Vortrag über: „Stellung der Frau im Judentum". Das Referat fand durch feine Gründlichkeit und fesselnde Ausführung großen Beifall in der gut besuchten Versammlung. Vertieft wurde der Vortrag durch die anschließende Aussprache, an der sich insbesondere Bezirksrabbiner Dr. Munk, Ansbach, und Kollege Strauß, Nördlingen, beteiligten. Es folgte Lernen: Gemoro „Chulin" und Besprechung von Standes- und Berufsfragen. Als Themen für weitere Konferenzen wurden aufgestellt: „Die Notlüge vom Standpunkt des Judentums" (Referent: Stein, Markt Berolzheim) und „Welche Haftoros eignen sich zur Behandlung in den oberen Klaffen?" (Referent: Strauß, Nördlingen). Die nächste Zusammenkunft findet voraussichtlich am 24. Februar statt. Levite Personalien München. Nach schwerer Krankheit starb hier am 29. Januar 1929 Lehrer a. D. Manasfe Schweitzer. Der Entschlafene erhielt seine erste religiöse Ausbildung durch seinen frommen Vater, der als Lehrer in Schopfloch wirkte, sowie durch den dortigen Distriktsrabbiner Nathan Ehrlich, der den strebsamen und begabten Jungen schon frühzeitig in die Welt des Talmuds einführte. Er besuchte das Schullehrerseminar in Schwabach, wo er unserem unvergeßlichen Dingfelder den ersten Religionsunterricht erteilte. Nach kurzer Tätigkeit in einer bayerischen Gemeinde trat er in den preußischen Schuldienst über, wirkte als Volksschullehrer in Papenburg und Norden und war dann noch jahrelang in Glogau als Religionslehrer und Kantor tätig. An ihm wirkte sich, wie der amtierende Rabbiner Dr. Ehrentreu in seiner Trauerrede mit Recht hervorhob, die tragische Seite des jüdischen Lehrerlebens in ihrer ganzen Schwere aus. Trotz mehr als vierzigjähriger Tätigkeit in Schule und Gemeinde hatte er keinen Anspruch auf Ruhegehalt, so daß er auch hier, wo er seinen Lebensabend verbrachte, unter nicht leichten Verhältnissen sich unterrichtlich betätigen mußte, bis ihn vor Wochen eine schwere Erkrankung zwang, die Arbeit niederzulegen und nun der Erlösertod ihn von allen Leiden und Kämpfen befreite. Der Heimgegangene, der über ein großes Wissen, namentlich auf talmudischem Gebiete, verfügte, entfaltete auch eine reiche schriftstellerische Tätigkeit und war ein eifriger Mitarbeiter der „Blätter für Erziehung und Unterricht". Der tiefen Trauer um ihn gaben an seinem Grabe auch Rabbiner Wiesner und sein Schwiegersohn, Rabbiner Dr. Freier, Berlin, beredten Ausdruck. Mit der Familie werden auch Freunde und Bekannte dem Enffchlafenen ein dankbares Andenken bewahren. Einzahlungen im Dezember 1928 Von: Kiffinger (Fürth) 30.—, Adler I. (Fürth) 20.—, Katz (Nürnberg) 15.—, Lamm (Rockenhausen) 30.—, Wetzler (Ludwigs- Hafen) 30.—, Strauß (Weiden) 15.—, Schloß (Mellrichstadt) 15.—, Frau Rau (Hirschaid) 10.—, Strauß (Windsheim) 5.—>, Stoll (Würzburg) 5.—, Ellinger (Fürth) 30.—, Lermann (Runpar) 15 —, Eisfeld (München) 15.—, Kiffinger F. (München) 15.—, Buttenwieser (Hamburg) 20.—, Gutmann (Fürth) 15.—, Laßmann (Westheim) 10.—, Marx (Nürnberg) 15.—, Dr. Eschwege (Frankfurt) 20.—, Baracker (Mosbach) 10.—. Durch: Gutmann (Ottingen) 10.—, Brückheimer (Marktbreit) 5.—. Einzahlungen im Ianuar 1929 Von: Goldstein (Würzburg) 10.—, Hofmann (Würzburg) 15.—, Geßner (Rostock) 10.—, Neumann (Feuchtwangen) 5.—, Fulder (Treuchtlingen) 15.—, Ehrenreich (Berlin) 10.—, Strauß (Windsheim) 15.—, Gutmann (Öttingen) 30.—, Kurzmann (Schweinfurt) 15.—, Weichselbaum (Adelsberg) 15.—, Wolf (Lendershausen) 10.—, Weinstock (Theicheim) 15.—, Wechsler (Aschbach) 15.—, Dr. Unna (Nürnberg) 30.—, Bravmann (Gaukänigshofen) 31.—, Stoll (Würzburg) 30.—; Lehmann (Würzburg) 15.—, Apotheker Mandelbaum (Würzburg) 40.—, Pollack (Marktbreit) 7.50, Lautmann (Frankfurt) 25.—, Kahn (Krumbach) 12.—, Blatt (Obbach) 15.—, Heß (Nürnberg) 15.—, Heß (Miltenberg) 15.—, Dr. Fränkl (Augsburg) 30.—, Regensburger (Kriegshaber) 15.—, Ottensoser (Würzburg) 15.—, Hellmann (Würzburg) 30.—-, K. R. Max Stern (Würzburg) 30.—, Adler (München) 15.—, Kirschner (München) 15.—, Rosenfeld (München) 15.—, Müller (München) 15.—, F. Kiffinger (München) 15.—, Krämer (München) 15.—, Friedmann (Attinchen) 7.50, I. Kissinger (München) 15.—. Durch: Ochsenmann (Frankfurt) 5.—, Adler (München) 50.—, Rosenfeld (München) 125.—. Postscheckkonto: Nürnberg Nr. 64 79. Würzburg, 3. Februar 1929. M. H e l l m a n n. JH9 U II m |P o L D| W B| E T R I E B Cafd Luitpold — Palmengarten Tabarin Luitpold neue Leitung: Hans Keckeisen Erstklassige Küche u. Wirtschaftsführung jeder Art zu mäßigen Preisen Täglich nachm, und abends Konzert, Sonn- und Feiertags nachmittags 4-Uhr-Tee TütiarlD täglich Künstlerprogramm mit Tanz Telephon 90 0 65,92 7 99 m Eingegangene Bücher, (Besprechung Vorbehalten.) 1. Erstrebtes und Erreichtes, eine Jubiläumsschrift. Herausgegeben vom Verein ehemaliger Ahlemer. 2. Bilder aus meiner Heimatgeschichte von A. Friedmam (Ingolstadt). Die Kollegen werden erneut darauf hingewiesen, daß es ihre Pflicht ist, bei Stellenwechsel — ebenso wie bei Veränderungen im Familienstand usw. — der Vereinsleitung rechtzeitig Mitteilung zugehen zu lassen. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: Max Adler, München.

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