Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 4 (15.2.1929)
- Article
- Vortrag von Prof. Dr. August Mayer, München
- Date
- 1929-02-15
- Page
- Seite 54 (sequence 1)
- Language
- German
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54 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 4, Reisebüro Erledigung aller Reiseangelegenheiten. Eisenbahnfahrkarten, Schiffskarten, Flugkarten usw. nach allen Weltteilen Versicherungsbüro Versicherungen jeder Ärt zu vorteilhaften Prämien und Bedingungen bei ersten Gesellschaften des In- und Auslandes Fernsprecher 101 und 1201 Unkauf & Grimm, Augsburg C 9/10 Drahtanschrift: Nordl I Vortrag von Prof. Dc. August Mayer, München, am 28. Februar 1929, abends 8.15 Uhr im Museum: „Zur Geschichte der Synagogen in Spanien." Der Vortragende wird zunächst eine Geschichte der uns dokumentarisch bekannten Synagogen in Spanien geben und im zweiten Teil die noch erhaltenen Denkmäler, vor allem die Bauten in Toledo und Cordooa, in ihrer künstlerischen und kunsthistorischen Bedeutung an Hand von Lichtbildern würdigen. Kunst- und Bildungsabende der München-Loge U.O.B.B Schubert-Feier am 19. Februar 1929, 8.15 Uhr, im Mathildensaal, Machildenstraße 6. Programm: 1. Impromptu in As-Dur für Klavier (Herr Kurt Bettsack); 2. Vortrag: Ein Lebensbild Schuberts (Herr Josef Ziegler); 3. a) Du bist die Ruh, b) Die Forelle (Frau Sonja Ziegler); 4. Psalm 92 für Solo und Chor (komponiert 1828 für die Wiener Synagoge), Solo: Herr Moritz Neu, Chor: Jüdischer Gesangverein. 5. a) Die Allmacht, b) Der Wegweiser, c) Frühlingsglaube (Frau Berta Richard). Teepause. 6. Mirjams Siegesgesang für Solo, Chor und Klavier: Solo: Frau Sonja Ziegler, am Flügel: Herr Kurt Bettsack, Chor: Jüdischer Gesangverein. Jedermann ist eingeladen. Eintritt frei. Franz Kleinbauer Allzu schweres Leid hat zu früh die Kraft dieser jungen Seele gebrochen. Sie war den Widrigkeiten und Enttäuschungen nicht gewachsen, mit denen unsere Welt die ganz Reinen und ganz Unentwegten heimsucht. Wie dieser jähe Tod diejenigen traf, die ihn liebten und ihm nahe standen, und die Großes und Gutes für ihn ersehnten, das ist zu bitter leidvoll, als daß es in Worte gefaßt werden könnte. Hier soll nur eine ganz kurze Würdigung erfahren, was München an diesem seinem Kind verloren hat. Zuerst Franz Kleinbauer als Klavierlehrer. Es war wunderbar, wie der fast knabenhaft Schüchterne beim Unterrichten zum gereiften Meister emporwuchs! Er schöpfte und gab aus feinem doppelten Reichtum, dem einer tief erfüllten musikalischen Persönlichkeit und dem eines reichen, selbstverständlichen Wissens um alle Dinge der Musik und um die Großen, die ihr je gedient. Und dann Franz Kleinbauer als Leiter und Mitbegründer des Jüdischen Kammerorchesters, dem er anderchalb Jahre mit der ihm eigenen Hingabe und Begeisterung Vorstand, und das weiter bestehen und gedeihen möge, ihm zum Andenken und der Münchener Jugend zu Nutz und Frommen. Sie waren schön und erfreulich, diese Abende, denen er Inhalt und Gepräge verlieh, am erfreulichsten aber durch die Liebe und den Enthusiasmus, mit denen die jungen Kunstbeflissenen zu ihrem jungen Führer aufsahen und ihm entgegenjubelten. Man kann annehmen, daß München an Franz Kleinbauer auch einen Künstler von Rang verlor, nach dem, was er in feinem Konzert vom 25. November geboten hat, diesem Konzert, das er sich in jugendlichem Ungestüm erzwang, das ihm durch das ausgezeichnete Programm und die treffliche Leitung starken Beifall und glänzende Kritiken eintrug, und das doch durch die Schwierigkeiten, die es mit sich brachte, zu seinem frühen Ende beitrug. Sollte uns dieses stille tragische Märtyrerbild nicht gar vieles lehren; wollen wir immer wieder vor solchen Gräbern stehen fassungslos darüber, unsere Besten, unsere Zukunft hineinsinken zu sehen, und über unser Unvermögen, es zu verhüten? Wann werden wir es lernen, den Hochstrebenden unter unseren Jungen unsere Hand zu reichen, um ihnen den Weg zu erleichtern, den sie gehen, weil sie nicht anders können, anstatt ihnen Schranken auszurichten, an denen sie zerbrechen müssen? Wären wir eben so reich an Liebe und gütigem Verstehen, wie an starrer Selbstgerechtigkeit, so weilte Franz Kleinbauer vielleicht noch unter uns. Die Jugend aber, der er mit seinen Gaben und seinem hohen Ernst ein Führer hätte sein können auf ihrem Weg in eine bessere und gesegnetere Zeit wie es die unsere ist, die Jugend muß seine Sendung aufnehmen und auf dem Posten ausharren, den er verlassen mußte. hebräischer Theakerabend. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß Samstag, den 16. Februar, abends 8 Uhr, im Steinickefaal ein sehr interessanter hebräischer Theaterabend mit nachstehendem Programm stattfindet. Programm: 1. Kol. Jakob. Text von Schklar. Musik von Elli Jakobson, Dirigent am Münchener Schauspielhaus. Gesungen von Frau Sonja Ziegler. Der Komponist am Flügel. 2. Im Schemesch. Von CH. N. Bialik. Vorgetragen von Max Fischer. 3. Phantasie über jüdische Motive. Von Elli Jakobson. Der Komponist am Flügel. 4. Beir haharegah. Von CH. N. Bialik. Vorgetragen von Max Fischer. 6. a) Hachnisini. Von C. N. Bialik. Musik von Alman. 5. b)Ajech von Eh. N. Bialik. Musik von Alman. Begleitet von Herrn Moritz Goldberg. 5. c) Ruach zach von Czernichowski. Musik von Engel. Gesungen von Frau Sonja Ziegler. Herr Kapellmeister Joseph Ziegler am Flügel. Pause. Während der Pause Erfrischungsbuffet, gestellt von der Jüdischen Frauengemeinschast. 6. Hajowel. Von Achikam, Lustspiel in 1 Akt. Regie Max Fischer. 7. Al-Haschchitah. Von CH. N. Bialik. Sprechchor. Konzert. Frau Ella Landauer-Meyer, Schülerin von Frau Kammersängerin Aline Sanden, gibt am 20. Februar im Herkulessaal einen Lieder- und Arienabend. Kartenverkauf an den üblichen Konzertkassen oder bei Michael Meyer, Theatinerstraße 15. Israelitisches Lehrlingsheim Wagnerstratze 3 Es ist wohl vielen Mitgliedern der Kultusgemeinde München und gewiß den Mitgliedern der Gemeinden im Lande nicht bekannt, daß die jüdischen Wohlsahrtseinrichtungen Münchens seit kurzem durch die Errichtung eines Lehrlingsheims um eine segensvolle Institution bereichert sind. Die Notwendigkeit eines Lehrlingsheims ergab sich aus der Arbeit der Jugendhilfe, die für ihre schulentlassenen Schützlinge ein Heim brauchte, das den Heranwachsenden das Elternhaus ersetzt. Die München-Loge hat anläßlich ihres 30jährigen Bestehens lausende Zuschüsse bewilligt und so die Gründung des Lehrlingsheims ermöglicht, das am 1. Juli 1928 in einem eigenen vom Verein Israelitische Jugendhilfe zu diesem Zwecke erworbenen Hause seinen Betrieb eröffnen konnte. Das Haus bietet in luftigen Räumen Platz für die Ausnahme von 15 Lehrlingen, die für ein monatliches Pflegegeld von RM. 80.-um Ermäßigung kann gegebenen Falls nachgesucht werden — gute Unterkunft, reichliche, nahrhafte Kost erhalten und unter Aussicht der Hauseltern stehen. Das Heim ist in ruhiger Lage, hat einen kleinen Garten und einen neu eingerichteten Duschraum. Außer Handwerkslehrlingen finden auch kaufmännische Lehrlinge und Mittelschüler Aufnahme. Das Kuratorium des Heims setzt sich aus Mitgliedern der München-Loge, des Schwesternbunds der München-Loge und der Israelitischen Jugendhilfe e. V. zusammen. Aufnahmegesuche für Lehrlinge, die Ostern in München in eine Lehrstelle eintreten wollen, sind baldigst unter Darlegung der Verhältnisse und Beifügung der Schulzeugnisse und eines Gesundheitsattestes zu richten an: das Kuratorium des Israelitischen Lehrlingsheims, München, Wagnerstraße 3.