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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-02-15 · 4 (15.2.1929) · p. Seite 52

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
4 (15.2.1929)
Article
Zehn Jahre Reichsbund jüdischer Frontsoldaten
Date
1929-02-15
Page
Seite 52 (sequence 2)
Language
German
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52 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung sem Jahre wird das Gedenkbuch für die jüdischen Gefallenen erscheinen. Wir deutschen Juden, sagte der Redner, die seit anderthalb Jahrtausenden aus deutschem Boden leben, sollten es nicht nötig haben, uns gegen Leute wehren zu müssen, die uns als Rasse herabzusetzen versuchen. Das deutsche Judentum hat dem Vaterlande alles gegeben, was -das Vaterland von ihm zu verlangen hat und ganz gewiß soviel, als es seiner Zahl entspricht. Unser Kampf gegen den Antisemitismus wird nicht allein im Interesse der deutschen Juden, sondern auch im Interesse des deutschen Vaterlandes geführt. Unsere Devise bleibt: „Chasak we-emoz!" (Sei stark und mutig!) Über die besonderen Aufgaben des Bundes sprach Rechtsanwalt Dr. Landenberger (Nürnberg), der auch die Grüße des bayerischen Landesverbandes des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und des Landesverbandes jüdischer Gemeinden Bayerns überbrachte. Er referierte über die zwei Haupttätigkeiten des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten: Ertüchtigung der Jugend durch Sport und Gründung jüdischer Siedlungen in Deutschland. Eingehend skizzierte er auch die Äbwehrziele des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, der antisemitischen Angriffen mit aller Entschlossenheit entgegentreten wird für das angegriffene Judentum und für den guten Ruf des deutschen Volkes. In diesem Sinne ist die Sportbetätigung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und der von ihm sportlich ausgebildeten Jugend auch eine Betätigung der Abwehr. Kammergerichtsrat Wolfs sprach namens des Preußischen Landesverbandes, der Reichsarbeitsgeineinschaft und der Jüdischen Gemeinde Berlin ein kurzes Dankwort. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, sagte er, ist auch dazu berufen, die Verantwortung mitzutragen, daß der Menschheit der Friede erhalten bleibt. Für seine Ziele, körperliche Ertüchtigung der Jugend und Rückführung der Juden zur Scholle, hat der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten die Sympathie und die Unterstützung des Preußischen Landesverbandes. Die Arbeit des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten kommt dem gesamten deutschen Judentum und somit dem gesamten deutschen Vaterlande zugute. Der Vorsitzende, Dr. Löwenstein, brachte ein dreimaliges Hoch auf das deutsche Vaterland aus, in das alle Anwesenden einstimmten. Mit dem Absingen des Deutschlandliedes war die Kundgebung zu Ende. Am Sonntag fand ein Festgottesdienst in der Synagoge Oranienburgerstraße statt, bei dem Rabbiner Dr. Salomonski, der als Feldgeistticher den Krieg mitgemacht hat, die Predigt hielt. Auf den Gräbern der Garnisonsfriedhöfe und den Heldenmalen aller Konfessionen wurden Kränze des Reichsbundes niedergelegt. In den Germania-Sälen, Chausseestraße, fanden sportliche Vorführungen der Ortsgruppe Berlin statt, an die sich ein Zusammensein der Festteilnehmer schloß. Im Brüdervereinshaus, Kurfürstenstraße, gab der Bundesvorstand den Vertretern der Landesverbände und Ortsgruppen ein Festbankett. Bei den dort gehaltenen Reden kam noch einmal der ernste Wille zum Ausdruck, die Aufgaben des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten auch im zweiten'Jahrzehnt seines Bestehens tatkräftig durchzuführen. Landesversammlung des deutschen Keren Hajessod. Die Landesversammlung des Jüdischen Palästinawerkes (Keren Hajefsod) E. V., die für den 3. März in Aussicht genommen war, findet nunmehr definitiv am Sonntag,demlO. März, nachmittags 3.30 Uhr, in Berlin unter Vorsitz von Herrn Direktor Oskar Wassermann statt. Die Tagesordnung enthält u. a. Referate von Herrn Felix Rosenblüth, Mitglied der Zionistischen Exekutive in London, über „Das jüdische Kolonisationswerk in Palästina" und von Herrn Direktor Oskar Wassermann über „Die Erweiterung der Jewish Agency". Zutritt nur für Mitglieder des Keren Haiessod gegen Zulassungskarte, die beim Zentralbüro des Deutschen Keren Hajessod, Berlin W 15, Meinekestraße 10, schriftlich anzufordern ist. Die Karten werden vom 1. März ab ausgegeben. Nr. 4 Schochlim-Schule des Halberstädter Verbandes in Frankfurt a. 7N. Halberstadt, 25. Januar. (ITA.) Die Heranbildung tüchtiger Schochtim für Deutschland bildet seit Jahren Gegenstand ernster Beratung der für diese Frage verantwortlichen Kreise. Die letzte Tagung des orthodoxen Rabbineroerbandes hat sich mit dieser Angelegenheit eingehend befaßt. In Würdigung dieser Tatsache hat der Preußische Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden (Sitz Halberstadt) die Gründung einer Schochtimschule in die Wege geleitet. Diese Schule wird der Leitung der Frankfurter Jeschiwah unterstehen. Die theoretische Ausbildung geschieht durch die Schochtim der israelitischen Religionsgesellschast. Auch die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums sowie die Frankfurter Synagogengemeinde „Israelitische Religionsgesellschaft" haben dieser Schulgründung ihre ideelle und materielle Förderung zugesagt. Die Eröffnung ist für das kommende Sommersemester vorgesehen. Anmeldungen sind an die Leitung der Thora- Lehranstalt Jeschiwah, z. H. des Herrn Rabbiner Dr. Joseph Breuer, Frankfurt a. M., Rückertstraße 50, zu richten. HUsswerk für die beffarabischen Juden. Aufruf! Hungersnot unter den Juden in Bessarabien. Wir erhalten erschütternde Mitteilungen aus Bessarabien. 40000 Juden — unter ihnen viele Bauern — in Akkermann, Bendery, Orgejew, Ismail, Bajramtcha, Telenefchty und anderen Städten und kleineren Ortschaften sind infolge der Mißernten in den letzten Jahren bei der gegenwärtigen ungewöhnlichen Kälte dem Hunger und dem Elend preisgegeben. Insbesondere leiden die Kinder. Das American Joint Distribution Committee hat eingegrissen. Das Rote Kreuz hat Mittel zur Verfügung gestellt. In Paris und London haben sich Hilfskomitees gebildet. Die Not ist aber so groß, daß auch die deutschen Juden um Hilfe für ihre Glaubensgenossen angegangen werden müssen. Der Hilfsverein der Deutschen Juden ist seit seiner Begründung die Organisation, die bei Hilferufen aus dem Ausland stets sofort aus eigenen Mitteln Beistand gewährt und notwendige weitergehendc Maßnahmen zur Hilfeleistung ergreift. Der Hilssverein hat angesichts des Elends, das in Bessarabien herrscht, da es gilt, die dortige jüdische Bevölkerung vor bitterster Not und völliger Verelendung zu bewahren, beschlossen, unter seinen Mitgliedern und in breiten Kreisen der deutschen Judenheit eine Sammelaktion für die schwer leidenden bessarabischen Juden einzuleiten. Das Präsidium des Hilfsvereins der Deutschen Juden: Vorsitzender: Dr. James Simon; stellvertretende Vorsitzende: Eugen Landau, Max M. Marburg, Willy Dreyfuß. Eine goldene Medaille für die Heldentat eines Juden 1796. Unter diesem Titel bringt die Zeitschrift „Sammelfreuden", 1. Heft, das soeben erschienen ist, folgende Mitteilung: Der Bote aus Thüringen, 42. Stück, 1796, bringt unterm 3. Oktober eine Post aus Nürnberg, in der folgendes mitgeteilt wird: Der österreichische General Wurmser war in Italien von den Franzosen abgeschnitten und seine Lage sehr bedenklich. Zum Glück fand sich ein Jude, der sich entbot, ein Schreiben über die Etsch und an den General Vukassowich zu bringen. Nach seinem Verlangen wird das Schreiben in seine Flasche gelegt, mit welcher der kühne Mann den reihenden, mit eisigem Gletscherwasser gefüllten Strom angesichts des Feindes durchschwamm und diese dem General glücklich überbrachte. Nach Wurmsers Vorschrift griff nun Vukassowich die Franzosen an und errang zusammen mit Wurmser einen glänzenden Sieg. Der oben erwähnte ist von dem General Wurmser als Courier mit dieser Siegesnachricht an Se. Majestät den Kaiser nach Wien abgeschickt worden, wo er zur Belohnung seines sehr gewagten Unternehmens eine goldene Medaille, dann 7000 Dukaten und die Zusicherung ) ' MÜNCHEN M<ARLSPLATZ 5 HAUS DER QUAL11Ä1SST0FFE N. STARK & Cil >«>6 NÜRNBERG ) LUITPOLDSTRASSE 11 £

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