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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-02-15 · 4 (15.2.1929) · p. Seite 49

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
4 (15.2.1929)
Article
Inhalt
Date
1929-02-15
Page
Seite 49 (sequence 1)
Language
German
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Bayerische Israelitische Gememüezeitung Kachrichtmblatt üer Israelitischen Kultusgemeinöen in München unü Augsburg unü öes Verbanües Hagerischer Israelitischer Gemetnüen Lrscheint am f. unü tf. jeüen Monats. — Verlag: L. heller, München, Yerzog-Mar-Straße 4/ Kernruf 93099, Postscheckkonto München Nr. )5>S7. Schrlstleitung: Pr. Lugen Schmiüt, Rechtsanwalt ln München, Karlstraße 6. Bezugspreis für nicht elngewiefene Bezieher: Reichsmark 4 So für öas ffahr. Anzeigenpreis: Sie 4 gespaltene Millimeter-Zeile 40 Reichspfeonlg Kamillenanzeigen, Stellengesuche unü ähnliche AngeLote if Reichspsennig München, 15. Februar Ar. 4 Inhalt: Die jüdischen Studenten in Bayern — Ein neuer Moses — Aus dem Reiche — Aus dem Verbände — Aus der Gemeinde München — Vereine — Bücherschau — Lehrerzeitung — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden: Bekanntmachung über Renovierung von Synagogen und sonstigen gemeindlichen Gebäulichkeiten — Personal!« vie jüdischen Studenten in vayern Von Herbert Philip psthal Es ist beachtenswert, daß die Zahl der jüdischen Studierenden in Bayern im Vergleich mit der Vorkriegszeit zurückgegangen ist, obwohl die Frauen viel mehr als je zuvor dem Studium obliegen. Zwar läßt sich auch für Preußen eine rückläufige Tendenz wahrnehmen, doch nur in relativen, nicht in absoluten Ziffern. Für- Bayern trifft beides zu, wie folgende Aufstellung beweist, geschieden nach dem Religionsbekenntnis der Studierenden der drei Universitäten München, Würzburg, Erlangen und der Technischen Hochschule München: Universität München Sommersemester Gesamtzahl Katholiken Protestanten Juden Prozent der Juden 1908 6340 2739 2771 538 8,5 1910 6890 3014 2930 638 9,3 1912 6855 3007 2909 685 9,9 1928 8158 3878 3765 247 3,0 Amversikäi Würzburg 1908 1322 887 327 90 6,8 1910 1429 923 352 138 9,6 1912 1447 966 361 113 7,8 1928 2447 , 1571 654 159 6,4 Aniversiläl : Erlangen 1908 1077 327 694 40 3,7 1910 1051 288 692 43 4,1 1912 1218 313 817 61 5,0 1928 1551 381 1124 29 1,2 Technische Hochschule München 1908 2543 1009 1190 i 188 1910 2472 919 1107 173 1912 2268 845 997 153 1928 3979 1675 2148! 37 : -! Auö dem reichlich zur Verfügung stehenden Material, das von Semester zu Semester publiziert wird, habe ich einige Vorkriegsangaben herausgegriffen und das Sommerfemefter 1928, über das zuletzt berichtet worden ist, gegenübergestellt. Würde ich die Wintersemester zum Vergleich wählen, würde sich ein fast gleiches Bild ergeben, so daß ich glaube, davon Abstand nehmen zu dürfen. Fassen wir sämtliche drei Universitäten einheitlich, ersehen wir, daß z. B. im Sommerfemefter 19IO 819 Juden (8,6 Prozent) studierten, im Sommerfemefter 1928 nur 435 oder 3,6 Prozent, so daß ein Rückgang von nicht weniger als 47 Prozent feftgeftellt werden muß, während die Gesamtzahl der Studierenden von 9370 auf 12156 angewachsen ist. Worauf beruht der Rückgang der Studierenden jüdischer Konfession in Bayern? Zwei Ursachen scheinen mir vor allem die sehr bemerkenswerte Erscheinung herbeigeführt zu haben. Erstens die Abnahme der jüdischen Bevölkerung in Bayern. Trafen doch auf 1OO Personen in Bayern im Jahre 188O 1,01, 19OO 0,89, 1925 0,61 Juden, worüber ich eingehend in diesem Blatt, Jahrgang 1928, Nr. 5, berichtet habe. Doch dies ist für die sehr große Minderfrequentierung nicht ausschlaggebend, weil die Bayern selbst nur eine verhältnismäßig geringe Anzahl jüdischer Studierenden stellten, sondern der Hauptgrund scheint mir darin zu liegen, daß die norddeutschen jüdischen Studierenden nicht mehr in dem gleichen Ausmaße wie vor dem Kriege in Bayern ihrem Studium obliegen, bedingt durch die Verarmung des jüdischen Mittelstandes. Mag fein, daß in einigen Jahren die Kurve wieder anfteigt. Augenblicklich sind keine Anzeichen vorhanden.

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