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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-01-01 · 1 (1.1.1929) · p. Seite 11

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
1 (1.1.1929)
Article
Dr. Karl Schwarz: Die Juden in der Kunst [Rezension]
Date
1929-01-01
Page
Seite 11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 1 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 11 vielen aber, denen das Kunstschaffen der Juden bisher fremd war oder die den Kunstleistungen der Juden gar zu skeptisch gegenüberstanden, den Weg zum Verständnis dieser in der Geschichte zu stiefmütterlich behandelten Materie, die doch so viel interessante Probleme in sich birgt, zu weisen." Es ist durchaus zu begrüßen, daß dabei mit kritischer Auswahl, gerade den neuzeitlichen Erscheinungen gegenüber, vorgegangen und damit eine feste Richtung gewiesen wird. Allerdings wäre an Stelle mancher zu theoretisierender Ausführung praktische Kunstanalyse am Platze. Außerdem wäre — gerade unter dem Gesichtspunkt der Erweckung des Interesses beim Leser — eine Literatur-Angabe wünschenswert, damit der einen oder anderen Erscheinung gründlicher nachgegangen werden kann. Mit diesem Werke hat der Welt-Verlag seine mit den Büchern „Juden in der deutschen Literatur" und „Juden auf der deutschen Bühne" begonnene Reihe mit Erfolg fortgesetzt; unser Wissen um „das Jüdische" wird in wertvoller Weise bereichert. Die gute Ausstattung und die vorzüglichen und interessanten Abbildungen machen das Buch zu einer Bereicherung jeder Bibliothek. München. Theo Harburger. Franz Werfel: Der Abiturienkentag. Die Geschichte einer Jugendschuld. Paul Zsolnay Verlag, Wien 1928. Zwei aktuelle Anlässe sind da, die den Untersuchungsrichter Sebastian zwingen, sich längst vergangener Ereignisse zu erinnern. Daß ihm als Untersuchungsrichter ein Gefangener namens Adler vorgefiihrt wird, in dem er einen früheren Mitschüler wieder zu erkennen glaubt, und der Abituriententag, bei dem. sich vierzigjährige Männer in Erinnerung an ihre Pennalzeit wieder zusammen finden. Sebastian hat seinen Mitschüler Adler, den ihm geistig Überlegenen und daher Verhaßten, systematisch vernichtet. Was hier an psychologischen Finessen aufgeboten wird, kann nur Werfel. Niemand sonst so wie Werfel — erinnert sei an „Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig" — hat so klar wie er die ungeheuer zwingende Kraft jugendlicher Erlebnisse und Jrrtümer erkannt. .S Vereine Vortragsabend der Zionistischen Orkgruppe München Ein am 17. Dezember von der Zionistischen Ortsgruppe veranstalteter Vortragsabend bot Gelegenheit, Herrn Dr. Georg Landauer, den Herausgeber eines bekannten Jllustrationswerkes über Palästina von dem Problem der „Jüdisch-arabischen Verständigung" sprechen zu hören. Durch das beklagenswerte. Vorkommnis an der Klagemauer am jüngstvergangenen Jom-Kippur wurde die jüdische Öffentlichkeit in aller Welt auf die Spannung zwischen Arabern und Juden aufmerksam. Diese Erscheinung muß in ihrer grundlegenden Bedeutung gerade in zionistischen Kreisen mehr gewürdigt werden, als es nach Ansicht des Referenten bisher geschah. Sie darf nicht als nebensächlich betrachtet werden, sondern muß als Bestandteil der palästinensischen Gegebenheiten in Rechnung gestellt werden. Die arabische Frage ist keine reine national-politische, die etwa von dem mehr oder minder guten Willen der arabischen Führer abhängt, sondern sie ist eine kulturelle, wirtschaftliche und soziale Tatsächlichkeit. Man muß vor allen Dingen das Augenmerk den drei arabischen Schichten zuwenden, die das Land bevölkern: Die Beduinen, die Fellachen und die materielle und bildungsmäßige Oberschicht, die Efsendis. Durch die Maßnahmen der Regierung wird in einigen Jahrzehnten der letzte wandernde Beduine, der das Land unsicher macht, seßhaft geworden sein; der Fellache soll zum eigenbesitzenden Bauern herangezogen werden und kann dies gerade durch den zionistischen Vodenkauf, der ihm Mittel zur Entschuldung und Vorbild zur Ausnutzung seines Bodens darbietet; die Cffendis, die in geringer Zahl in den Städten sitzen, aber das ganze Land in Modell],, 'dmlTtZs TVeinstraße zf ihmste führende Sj vorne1 'fpezialhaus für D lc 1 e i d Kleider * M.än tel * Hüte * PeL ihren Händen haben, bilden die Kerntruppe der antijüdischen, antizionistischen Propaganda. So ergibt sich für den Redner eine Politik der Aufklärung unter den Fellachen, die gerade von jüdischer Seite betrieben werden muß. Diese Aufklärung soll den wirtschaftlichen Aufschwung der Fellachen im Auge haben. Dieser Politik der jüdischarabischen Verständigung, die von dem neugegründeten „B'rith ha- Schalom" unter Führung Arthur Ruppins angestrebt wird, erscheinen die aufstachelnden Reden, wie sie besonders Wladimir Jabotinsky gerne zu halten pflegt, als schädlich. Durch die Verständigung wird erst die volle Wirksamkeit der jüdischen Arbeit im Lande herbeigeführt werden. Die Erstrebung der Gleichberechtigung für uns selbst hat die Zubilligung der Gleichberechtigung des anderen Volksteils zur Voraussetzung. Der wohl unausweichbaren Forderung eines Parlaments durch die Araber kann nur durch eine solche Verständigung die Spitze gegen den Aufbau des jüdisch-nationalen Heimes abgebrochen werden. Die temperamentvollen und nicht immer klar formulierten Ausführungen hatten eine technisch recht mangelhafte Debatte zur Folge, in der Herr Dr. Landauer nicht immer glückliche Worte fand. Das Problem ist zweifellos heute noch nicht zu eindeutiger Lösung gereift; deshalb bedarf es auf allen Seiten des guten Willens, um im sachlichen Gegner den Bundesgenossen zum richtigen Weg zu sehen. Z'bi. Jüdischer kulkurverem I. £. Perez. München Am Sonntag, dem 6. Januar 1929, veranstalten wir, gemeinsam mit dem Gesamtausschuß der Ostjuden, München, im Blüte n s a a l e, Blütenstraße 18/1 (Trambahn 10 und 20), abends 8.15 Uhr einen großen Theater-Abend unter Mitwirkung des Jüdischen Kammerorchesters, München. Aus dem Programm: Streichquartett — „Die Zorschim", Schauspiel in zwei Akten (4 Bilder) von Schalem Asch. Regie: Max Fischer. Bühnenmusik: Jüdisches Kammerorchester — Pause (Büfett) — Rezitationen — Kammerorchester — Inszenierte Volkslieder — Das reichhaltige und gediegene Programm wird wohl jeden Interessenten für gute jüdische Literatur sehr zufriedenstellen. Wir laden hiermit alle Freunde und Interessenten höflichst ein, diesen Abend zu besuchen. — Karten ä RM. 4.—, 3.— und 2.— im Vorverckauf bei: STOltWERCK I SCHOKOLADE-PRALINEN 1

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