Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 24 (15.12.1928)
- Article
- Vortrag im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten und Central-Verein
- Date
- 1928-12-15
- Page
- Seite 393 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 24 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 393 aktuellsten Lebensfragen des deutschen Judentums gewidmet war. Möchte unseren Pionieren, dem jüdischen Bauern aus deutscher Scholle und dem jüdischen Handwerker in der deutschen Kleinstadt Erfolg und Glück beschieden sein! Ihnen dazu zu helfen, ist' das Gebot der Stunde. A. W. vückerfchau Staat und Kirche in Bayern System des bayerischen Staatskirchenrechtes von Dr. Heinz W. L. Doering, Regierungsrat im bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus. Erste Lieferung 182 Seiten, RM. 5.50. Verlag I. Schweitzer (Artur Sellier), München. Eine systematische Darstellung des bayerischen Staatskirchenrechtes fehlte bisher. Diesem Mangel, der gerade in den letzten Jahren außerordentlich stark fühlbar geworden ist, soll nun durch dieses grundlegende Werk abgeholfen werden. Wer den Autor, zur Zeit Regierungsrat im bayerischen Kultusministerium, kennt, wie der Rezensent, weiß, daß diese Aufgabe in berufene Hände gelegt ist. Das Werk findet weitgehende Unterstützung durch das zuständige Staatsministerium, das seine reichen Aktenbestände zur Verfügung gestellt hat. Das Gesamtwerk soll in acht Lieferungen erscheinen und wird zweifellos ein Standardwerk sein. Von unserem speziellen Standpunkt aus interessiert besonders, was der Verfasser über das Judentum zu sagen weiß. Folgendes fei hier zitiert: Fremd und fremdartig, unbekannt und unverstanden, steht zwischen diesen Kirchen das Judentum. Es ist ihrer aller Quelle, von Urzeiten her die Religion des ethischen Monotheismus, zu dem sie alle sich bekennen, und doch ist es so ganz anders als sie alle, einzigartig in jeder seiner Beziehungen. Unverändert und unwandelbar in Wesen und Lehre und doch immer wieder neu und jugendfrisch erstanden, hat es die Stürme von mehr als vier Jahrtausenden überdauert. Und doch fehlt ihm seit vielen Jahrhunderten jeder Zentralpunkt, jede Organisation, jede Hierarchie, und doch ist es anderseits auch ohne wirkliche Sektenbildung geblieben, ist ohne Dogma, ohne Sakramente, ohne Heilsmittel oder autoritative Bekenntnislehren, ohne Priester oder Heilsvermittler, ohne Gnadenmysterien rein getragen von der einen Gottesidee seiner Lehre, die heute voll derselben einigenden und werbenden Lebenskraft ist, wie vor Jahrtausenden. Wie es unantik zwischen den diesseitigen Völkern der Antike stand, ist es unmodern in der Welt unseres Jahrhunderts, inmitten des Heute gewissermaßen von gestern und vor allem von morgen. Heftiger als feit vielen Jahrzehnten tobt heute wieder der Kampf gegen das Judentum. Die Kriegs- und Rassenpsychose, die ihr eigentliches Betätigungsfeld verloren hat, anderseits aber, ruhigerer Vorstellungskreise nicht fähig ist, findet im Juden eine billige und erwünschte Beute des Hasses, den sie, oft in den groteskesten Formen, gefahrlos an ihm auslassen kann. Dabei ist es in hohem Maße charakteristisch — und bedauerlich, daß man das Wesen des bekämpften Gegners zumeist überhaupt nicht kennt und sich zum Ersatz an Schauergeschichten hält, die nicht so unsinnig sein können, daß sie nicht geglaubt würden: Ein dunkles Blatt moderner Kultur- und Geistesgeschichte. Es muß allerdings zugegeben werden, daß eine Information nicht leicht ist. Denn da die wissenschaftliche Literatur sich nur ausnahmsweise mit dem Judentum befaßt, ist man auf die jüdische Literatur selbst angewiesen, die in ihren fremdartigen Jdeenkreisen abendländischem Denken und Fühlen oft nur schwer zugänglich ist. Das Judentum stand von jeher im Gegensatz zu seiner gesamten Umwelt. Es war immer die Minderheit, die um ihr Dasein kämpfen mußte, und daraus den Willen zum Kampfe und zum Leben, zugleich aber auch den Zwang zum Denken und zu steter geistiger Regsamkeit lernte. Unvermittelt, ohne nachweisbare geschichtliche Vorbilder oder Vorgänge taucht aus der Tiefe vorgeschichtlicher Jahrtausende unter einem unbedeutenden semitischen Nomadenstamme der vorderasiatischen Wüsten dieser strenge Monotheismus auf als radikaler Bruch mit der eigenen Vergangenheit und mit den Anschauungen der gesamten übrigen Welt jener Zeit, die noch auf viele Jahrhunderte hinaus der Vielgötterei in den rohesten Formen huldigte. Woher? Wir wissen es nicht. Nur fromme Überlieferung schreibt die Offenbarung dem Urvater Abraham zu. Zu nationaler Bedeutung gelangte dieser neue Glaube erst nach dem Auszug der Israeliten aus Ägypten, als das Volk von seinem Führer Moses national wie religiös zum ersten Male in schweren Kämpfen selbständig organisiert wurde. So spürt man auch heute noch den herben Hauch der Wüste, in der sie geoffenbart wurde, in den Lehren dieser Religion. Dieser Gegensatz zur Umwelt, der sich von Anfang an in immer neuen Kämpfen und Verfolgungen austobte, blieb durch die ganze jüdische Geschichte in ihren drei großen Abschnitten bis auf den heutigen Tag erhalten. Fremde Einflüsse haben sich dem Judentum gegenüber von allen Seiten, teils gewaltsam, teils schleichend geltend gemacht. Und doch ist es dieser zahlenmäßig so unbedeutenden Religion gelungen, sich ihrem Wesen nach zu behaupten, indem sie Wertvolles umdeutete und sich assimilierte. Wertloses verwarf, nie und nirgends aber irgend etwas vom eigenen Charakter aufgab. S. Harry Graf Keßler — Walter Rathenau. Sein Leben und sein Werk. Mit 32 Abbildungen in Kupferdruck. Verlag Hermann Klemm A.-G., Berlin 1928. Für die Erziehung und für unsere eigene Entwicklung brauchen wir Vorbilder. Es kann nicht jeder Walter Rathenau sein, aber eine lebendige, oder besser, erlebte Erkenntnis solcher außergewöhnlichen Entwicklung sollte ein Jeder haben, denn sie würde richtunggebend sein. Cs ist in den letzten Jahren über Rathenau manches Gute gearbeitet worden. Das Buch Keßlers muß als das zunächst beste über Rathenaus Leben und Werke angesehen werden. Der Autor vereinigt in sich eine Reihe von Vorzügen, die ihn zur Abfassung oes außerordentlichen Werkes befähigen. Er stand Walter Rathenau (2)}türyef>&x zin&tc 5Gwenffeüliitij «acß 9Haß Im&iivit Aeit ulet 50 £fa&zen £Reyenu£&te/i daA IScftßauAcA £anJan SjuMtan^e