Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 24 (15.12.1928)
- Article
- Resolution der Notgemeinschaft der älteren Angestellten, Kaufleute und Arbeiter geistiger Berufe e. V. a., München 2 NW vom 28. November 1928
- Date
- 1928-12-15
- Page
- Seite 390 (sequence 1)
- Language
- German
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390 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr^ 24 DARMSTKDTER UND NATIONALBANK Kommanditgesellschaft auf Aktien Filiale München, Ottostr. 4 Depositenhassen: Bayerstraße 8 (am Hauptbhl) Sendlingertorplatz 10 Marienplatz 11—12 Valleystr. 7 Großmarkthalle) Odeonspl. 6 (Eche Galeriestr.) Wörthstr. 51 (Ostbahnhof) Zweibrüchenstraße 2 (Isartorplatz) Errichtung von Sparkonten gegen Banksparbiicher (für Einlagen in beliebiger Höhe bis zu RM. 10000.—) zur Zeit 5 % p. a. entsprechend erhöhte Zinssätze 7" . ( täglich fällig. XrlDSScitZ. nach 1 Monat fällig Kapital und Reserven 115 Millionen Reichsmark Resolution der Rokgemeinschaft der älteren Angestellten. Kaufleute und Arbeiter geistiger Berufe e. V. a., München 2 TCXB vom 28. November 1928 sind bisher nahezu 300 000 ältere arbeitswillige und arbeitsfähige Angestellte seit Jahren ohne Arbeit und Brot. Der dadurch, unter stillschweigender Duldung der gesetzlichen Körperschaften geschaffenen katastrophalen Lage, muß unter allen Umständen auf schnellstem Wege Abhilfe geschaffen werden. Es ist eines Kulturstaates unwürdig, Zustände zu dulden, die nur in unkultivierten Ländern üblich sind. Wir fordern mit äußerstem Nachdruck: 1. Wiedereinreihung in den Wirtschaftsprozeß durch Erlaß eines Gesetzes, welches die Einstellung der älteren Angestellten erzwingt. 2. Verbot des Doppelverdienens durch gesetzliche Vorschriften. 3. Verbesserten Kündigungsschutz. 4. Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten auch für die erwerbslosen Angestellten, Kausleute und Arbeiter geistiger Berufe. 5. Ausdehnung der Krisenfürsorge auf die bereits ausgesteuerten Erwerbslosen und Zahlung der Unterstützungen in Höhe der Sätze der Arbeitslosenversicherung. 6. Herabsetzung der Altersgrenze auf 55 Jahre, um in den Genuß der Reichsoersicherungsrente zu kommen. 7. Zahlung einer einmaligen Entschuldungssumme an alle Erwerbslosen, gestaffelt nach der Dauer der Erwerbslosigkeit und der Anzahl der versorgungsberechtigten Familienangehö- Die im Landesverband Süddeutschland zusammengeschlossenen Mitglieder der Notgemeinschast fordern ferner: a) Verbot der Chiffreanzeigen bei Stellenangeboten. b) Einreihung der freien Berufe (selbständige Vertreter, ehemalige Geschäftsinhaber, Ingenieure, Techniker usw.) in die Erwerbslosen- oder zum mindesten in die Krisensürsorge, solange die Erwerbslosigkeit aller Berufe andauert. Die erwerbslosen Angestellten erwarten von der Regierung ein größeres soziales Verständnis für die seit Jahren vergeblich nach Arbeit jagenden Frauen und Männer aller kaufmännischen, technischen und geistigen Berufe. Wir erklären hiermit feierlichst, nicht eher ruhen und rasten zu wollen, bis uns endlich ein menschenwürdiges Dasein gesichert ist und bekräftigen dies durch Einzeichnung in beigeheftete Liste. München, den 28. November 1928. Wir werden um nachstehende Veröffentlichung ersucht. Die heute in München, im Pschorrbräuausschank, Bayerstraße 30, versammelten Mitglieder der Notgemeinschaft der älteren Angestellten, Kausleute und Arbeiter geistiger Berufe e. V., Ortsgruppe München, fordern den Zentralvorstand auf, dem Reichstag, den Reichs- und Landesbehörden die unerträglich elende Lage der älteren Angestellten auf das Eindringlichste vor Augen zu führen. Sie berufen sich auf 8 163 der Reichsverfassung, wonach jedem Deutschen das Recht auf Arbeit zugesichert ist. Dieses, uns gesetzlich verbürgte Recht, ist bisher in keiner Weise erfüllt worden. Durch das rücksichtslose Vorgehen der Arbeitgeber MAX NEUMAYER Kraftfahrzeuge, Kaulbachstraße 82/86 (Nähe Siegestor) Telephon 33823-24 OPEL / STUDEBAKER Vertretung / SpeziabReparaturwerkstatte / Günstige Ratenzahlungen Aus der Semeinde Augsburg Vortrag im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten und Lentral-Verein Am 2. Dezember sprach Herr Dr. Franz Gutmann (München) auf Einladung der Ortsgruppen Augsburg im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten und Central-Verein in gutbesuchter Versammlung über das Thema „Siedelung und Berufsumschichtung, die Zukunftsausgaben des deutschen Judentums". An Hand umfangreichen statistischen Materials zeigte der Redner die vielfachen soziologischen und anderen Gründen, die Berussumschichtung und speziell die Siedlung notwendig machen. Die bisherigen Erfahrungen sowie die vom Redner geschilderten Erfolge im Ausland bewiesen auch die Möglichkeit der angestrebten Entwicklung. Der Redner berichtete von der bisherigen Arbeit und den weiteren Plänen auf diesem Gebiet und schloß mit dem Appell zur materiellen Beihilfe, insbesondere zum Beitritt zu dem Reichsbund für jüdische Siedlung in Deutschland, und zur ideellen Unterstützung durch richtige Erziehung der Jugend, insbesondere hinsichtlich der Berufswahl. Gespanntes Interesse der Zuhörer und reicher Beifall dankten dem Redner für seine instruktiven Ausführungen. In der Diskussion begrüßte Herr Gutsbesitzer Gustav Einstein als landwirtschaftlicher Fachmann den Gedanken der Siedlung und bewies an eigenen Erfolgen und dem Beispiel eines jungen jüdischen Augsburger Landwirtes die praktische Möglichkeit. Unter kritischer Würdigung des vom Redner gebrachten und in den aufgelegten Broschüren enthaltenen Zahlenmaterials betonte er die Notwendigkeit vorsichtigster Finanzwirtschaft und der Mitwirkung erfahrener Praktiker. Ein Schlußwort des Referenten, der Herrn Einstein um Mitwirkung im Siedelungsausschuß ersuchte, und der Dank des Herrn Kameraden Oberdörfer des Ortsgruppen-Vorsitzenden des Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, beschlossen den Abend, der der Beschäftigung mit den Fortsetzung Seite 393