Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 24 (15.12.1928)
- Article
- Altenstadt in Schwaben
- Date
- 1928-12-15
- Page
- Seite 388 (sequence 2)
- Language
- German
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388 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 24 Simson-Siipra Dixi Komet-Schnell Lieferwagen 8/40 und 12/60 PS 3/15 PS Die deutschen Qualitätswagen / Prospekte und Verkauf durch die Vertretung JOSEF MAYR, MÜNCHEN Thalkirchner Straße 66/70 Telephon 55136 und 57 5 39 angesiedelt; ob denselben auch damals schon eine Grabstätte angewiesen wurde, ist fraglich. Als aber 1719 unter der Gräfin Maria Anna von Limburg-Styrum die Ansiedlung der Juden in Altenstadt zu Füßen des Schloßberges an der Ulm-Kemptener-Landstraße gestattet wurde, enthält der hierzu ausgestellte Schutzbrief folgende Stelle: „Nichts weniger soll ihnen ein Platz zur Synagoge und Begräbnis angewiesen werden." So entstand der hiesige israelitische Friedhof auf einem Hügel, „dem Judenhügel," gelegen auf der rechten Seite der Landstraße nach Jllereichen, etwa eine Viertelstunde von Altenstadt entfernt. Aus dieser idyllisch gelegenen Stätte in stiller Waldeseinsamkeit haben viele Geschlechter ihren letzten Ruheplatz gefunden. Längst schon sind die Grabhügel der ältesten Reihen in die Erde hinabgesunken und mit ihnen die meisten, ihrer Denkmäler. Aber auch die Inschriften der übrig gebliebenen Grabsteine sind größtenteils unleserlich geworden. Erst aus den ungefähr um das erste Drittel des vorigen Jahrhunderts entstandenen Gräbern sind die Grabsteine erhalten geblieben. Soweit die Kunde zurückreicht, blieb die Grabesruhe unserer Verstorbenen stets unbehelligt, obwohl „der gute Ort" nur mit einem Lattenzaun, auf der östlichen Seite sogar nur mit einem Heckenzaun, umgeben war. Je mehr sich aber im Laufe der Zeiten eine Abnahme der Gemeinde ergab, zählte sie doch 1807 hundert Famliien, in der Mitte des 19. Jahrhunderts 60 Familien und sank in der Gegenwart auf 12 Familien, desto mehr war man von der Notwendigkeit einer Friedhofsmauer überzeugt, namentlich gegemvärtig in der Periode der sinnlosen Zerstörungen jüdischer Grabdenkmäler. So war denn schon kurz vor dem Kriege die Errichtung einer Friedhofsmauer geplant; doch scheiterte die gute Absicht an der harten Kriegszeit und der ihr folgenden Inflation, durch welche bereits angesammelte Gelder vernichtet wurden. Da griff vor einem Jahre Herr Bankier Lehmann von hier mit aller Energie das Projekt wieder auf, das dann auch dank seiner zielbewußten Arbeit, bestens unterstützt von der Kultusverwaltung und einem eigens hierzu erwählten Friedhofskomitee, in diesem 'Pom / m rf7^0 eao J ä. ■mwssi /\ass -ScfineldLeTeL — Aodisches Beiwerk Herbste zu einem guten Ende geführt werden konnte. Unter der Aufsicht des Architekten Herrn Morgenröther aus Ulm hat die Baufirma Gebrüder Weh aus Osterberg in. wenigen Wochen die Umfriedung im besten Eisenbeton ausgeführt, wobei gleichzeitig eine Erweiterung des Terrains vorgenommen wurde, das übrigens schon 1785 und 1867 vergrößert worden war. So ist nach menschlicher Voraussicht die Grabesruhe in unserem Bes olom bis in die späteste Zukunft gewährleistet. Inniger Dank aber gebührt allen Nedif lef, edlen Spendern, sowohl den einheimischen als den auswärtigen, die mit größeren und kleineren Beiträgen das gute Werk förderten, insbesondere aber der sehr verehrlichen Gemeindeverbandsleitung, die sich mit einer namhaften Summe beteiligte. Ganz besonders sei noch dankbar dessen gedacht, daß auch die hiesige politische Gemeinde einen Beitrag bewilligte. Wahrlich ein schönes Zeichen des konfessionellen Friedens. Aus der Beschreibung des Friedhofes sei noch im einzelnen hervorgehoben: Am Haupteingange an der Ostseite steigt die Mauer zu einem imposanten Portal an, in welches die vielsagenden Worte eingemeißelt sind: Spruch der Väter Kapitel 4. „Hajilodim lomus wehamesim lichjos" — Die Geborenen sind bestimmt zu sterben und die Toten wieder belebt zu werden. Eine in die östliche Wand eingesenkte Tafel aus Marmor trägt die mahnende Inschrift: „Mi gefer jichjeh welanjireh mofäs jemaled nafschan min scheaul säloh." — Wer wird immer leben und nicht sterben, daß er sich vor der Gruft retten könnte? — Ebenso sind auf derselben die wichtigsten geschichtlichen Daten des Friedhofs — Gründung und Erweiterungen — verzeichnet. Geordnete Wege mit Zementstufen erleichtern zu jeder Jahreszeit den Besuch der geheiligten Ruhestätte, die unter den vielen Gräbern auch diejenigen der Rabbiner Abraham und Meier Meyer, Vater und Sohn, und Emanuel Schwab, gestorben 1870, enthält. Rose. Bamberg. Das Gemeindeleben hat in diesem Winter einen neuen Aufschwung genommen. Aus der Reihe der hier im Literaturverein gehaltenen Vorträge ist hervorzuheben „Die jüdische Familie in der Kunst" von Dr. Karl Schwarz, Berlin, dem Leiter des dortigen jüdischen Museums. Ferner sprach im Jüdischen Jugendverein Rabbiner Dr. Hahn, Essen, über „Jugendprobleme im modernen Roman" und fand besonders großen Beifall. Es sind einige Gemeindeabende geplant, deren erster bereits stattfand und das Thema „Jüdischer Religionsunterricht und jüdisches Elternhaus" zum Gegenstand hatte. Referent des Abends war Rabbiner Dr. Rülf, an dessen Ausführungen sich eine lebhafte Aussprache schloß. Am Sonntag, dem 9. Dezember, wurde für die Kinder der Gemeinde ein Chanukkahfest veranstaltet, das auch eine große Zahl Erwachsener angelockt hatte. Die jüdischen Vereine, voran der Jugendverein, leisten recht intensive Arbeit. SchochtiM'Verband Bayerns. Einladung zu der am Dienstag, 1. Januar 1929, mittags 1 Uhr in Würzburg im Gemeindelokale der Israelitischen Kultusgemeinde stattfindenden 3. Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Begrüßung. 2. Berichterstattung. 3. Referat: Kann und darf man an unseren Hilchoth Schechitoh und Bedikoh den medizinisch-wissenschaftlichen Maßstab anlegen! (Lubinski, Schweinfurt.) 4. Kassenbericht. 5. Wünsche und Anträge. Wir laden unsere Mitglieder zu zahlreicher Beteiligung ein. Neustädter. Aus der Gemeinde München Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde München Dr. Willy Mayer (Nürnberg): „Spinoza". 2. Abend: „Gottesbegriff" am 19. Dezember, 20.15 Uhr, im Lesfingsaal, Herzog- Rudols-Straße 1, Rückgebäude. Eintritt frei. (Weitere drei Abende folgen im Januar und Februar 1929.)