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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-12-01 · 23 (1.12.1928) · p. Seite 367

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
23 (1.12.1928)
Article
Juden in Argentinien
Date
1928-12-01
Page
Seite 367 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 23 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 367 setzung, daß es sich um ausgesprochene Landwirte handelt, die dann auf dem Lande sich ansiedeln können. Auch auf dem Dampfer merkt man das. Wohl ist die Zahl der Mitreisenden Glaubensgenossen groß, aber das Bestimmungsziel Buenos Aires haben nur wenige. Meistens Santos und Montevideo ist die Endstation der aus Polen und Rumän-en kommenden in der Hoffnung, daß es ihnen dann doch auf irgendeine Weise gelingen wird, argentinischen Boden zu betreten. Auf legalem Wege können sie es erst dann nämlich, wenn sie sowohl in Brasilien als auch in Uruguay sich ununterbrochen fünf Jahre aufgehalten haben. ^Buenos Aires erinnert mich an Neuyork. Die meisten Juden in einem Stadtviertel nahe am Hafen beisammen, dort mit allem handelnd, was nur irgend möglich ist. Im Zentrum der Stadt dann einige große, in jüdischen Händen befindliche Geschäfte, deren Inhaber jedoch meistens so weit akklimatisiert sind, daß sie mehr Argentiner als Juden sind. Zwei jüdische Zeitungen erscheinen in der Hauptstadt, eine nationalistische und eine sozialistische. Außerdem aber gibt es auch noch wöchentlich und monatlich herauskommende Journale. Das religiöse Leben ist in der Stadt nicht sehr ausgesprochen. Nur die Sephardim, die in großer Zahl vorhanden sind, halten an den alten Überlieferungen fest. Ganz anders liegen die Verhältnisse auf dem Land. Vier große Siedlungen sind vorhanden, die rein jüdischen Charakter tragen. Die eine ist im Gebiet von Santa Fs und umfaßt 1200 Familien, die andere in Entreries mit ungefähr 2000 Familien, die dritte in der Provinz Buenos Aires mit 400 Familien und die vierte schließlich in der südlichen Pampa mit 4—500 Familien. Auch hier handelt es sich zwar um eingewanderte Juden aus Rußland, die vor ungefähr 40 Jahren festen Fuß gefaßt haben. Aber sie sind jetzt so vollkommen in dem Land ausgegangen, daß sie teilweise „Las gauchas judias“ genannt werden. Immerhin aber sind sie noch Juden. Das Land haben sie seinerzeit von der „Jka" bekommen, die jedem Kolonisten 150 Hektar einschließlich totem und lebendem Inventar um den Preis von 3000 Pesos überließen. Das Geld muß dann unter Zuzahlung von 4 Prozent innerhalb 20 Jahren zurückbezahlt werden. Im allgemeinen bleiben die Kolonisten auf ihrem Besitz, nur in der Provinz Buenos Aires kommt es vor, daß sie das Landleben mit dem Stadtleben vertauschen. Die Anlage einer Kolonie ist fast immer so, daß eine einzige Straße in einer ungefähren Länge von 20 Kilometer vorhanden ist und zu beiden Seiten davon die Grundstücke und die Häuser liegen. Die Einteilung ist dabei derart, daß die der Straße zugekehrte Seite des Grundstückes eine Länge von 500 Meter und die nach seitwärts verlaufende Grenzlinie 3000 Meter mißt, daß sich also für den Kolonisten ein rechtwinkelig geformtes Grundstück ergibt. Um nun die Wohnungen der Kolonisten gruppenweise zusammenzulegen, ist die Anordnung getroffen, daß der Kolonist sein Haus nicht willkürlich nach seinem Belieben bauen darf, sondern nach bestimmten Regeln sich richten muß. Er muß an der 500-Meterseite des Grundstückes sein Haus an eine Ecke stellen und zwar an die, der gegenüber der Nachbar ebenfalls sein Haus bauen muß. Und da diese Anordnung immer für die beiden Seiten gleichmäßig durchgeführt wird, ergibt es sich, daß jedesmal vier Häuser auf einem engen Bezirk beisammen stehen und die Inwohner sich gegenseitig helfen können. Mit anderen Worten finden sich längs der Straße alle 1000 Meter vier Häuser. In der Mitte der Kolonie finden sich die Amtsgebäude und die Schule. Auch hier ist ein originelles System geschaffen, um den weitwegwohnenden Kinder den Schulbesuch zu erleichtern. Da fast jeder Kolonist ein Auto besitzt, wird täglich abgewechselt und vom äußersten Haus bis fast zum letzten vor der Schule jeden Morgen ein Sammeltransport unternommen, der rasch von statten geht und am Abend in umgekehrter Richtung seine lebende Fracht vor den einzelnen Häusern wieder abliefert. Großes Interesse besteht bei allen argentinischen Juden für Palästina. Cs wird viel Geld dafür gegeben und man hofft, daß bald einmal Weizmann kommen wird, um fein Programm zu entwickeln. Dagegen ist die Zahl derjenigen, welche von Argentinien nach Palästina auswandern, sehr gering. Ich habe Gelegenheit gehabt, auf dem Schiff eine argentinische Familie kennen zu lernen, die sich drei Jahre in Palästina aufgehalten hatte und die jetzt wieder auf ihren Kolonialbesitz in Argentinien zurückkehrte. Der MLodellhaus cluiltily TPein straße Das vornehmste führende Spezialhaus für Damen Icleidung nach Maß Kleider * Män tel * Hüte * Pelze Grund ihrer Rückkehr war der, daß sie in wirtschaftlicher Hinsicht doch nicht das in Palästina fanden, was sie sich erhofft hatten, wenn sie auch rückhaltlos anerkennen mußten, daß gewaltig viel geleistet wurde und daß sicher noch mehr in den nächsten Jahren erreicht werden kann, wenn einerseits die Juden außerhalb- Palästinas ihren Schekel geben und anderseits nach Palästina nur die Elemente hinernkommen, die zu einer erfolgversprechenden Arbeit gewillt und geschaffen sind. Kaden die luden in vavern ein keimatrecht? Das Buch von Dr. Eckstein (Bamberg) Besprochen von Dr. Leo Baerwald Im Jahre 1921 hat der Stuttgarter Rabbiner, Dr. Rieger, in der Hauptversammlung des Eentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einen Vortrag gehalten, der dann als Broschüre erschienen ist: „Vom Heimatrecht der deutschen Juden". Wenn man von der unerfreulichen Tatsache absieht, daß dies Thema überhaupt zur Diskussion gestellt werden muß, so konnte eine Antwort darauf kaum erfreulicher und treffender gegeben werden, als es damals geschehen ist. Inzwischen hat auch vor zwei Jahren die jüdische Abteilung der Jahrtausendausstellung in Köln wertvolle, ja zwingende Beiträge zu diesem Thema gegeben. Mit Stolz und Freude konnte man damals ehrwürdige Zeugen der weit über ein Jahr- Jüdischer Gesangverein E. V. Dirigent: Joseph Ziegler KONZERT Mittwoch, 5. Dezember, 8 Uhr abends Solist: Oberkantor S. Älter, Hannover Chor: Jüdischer Gesangverein Jüdische Chöre Jüdische Volkslieder Karten im Vorverkauf: Goldberg, Schwanthalerstraße 24; Ewer-Buchhandlung, Ottostraße 2; Bacharach, Frauenstraße 6; Gidalewitsch, Müllerstraße 42; Löwenstein, Thierschplatz 5.

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