Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1928
- Issue
- 11 (15.11.1928)
- Article
- Abraham Rau : Julius Bernstein
- Date
- 1928-11-15
- Page
- Seite 24 (sequence 1)
- Language
- German
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Mitteilungen des UraelitWm Lehrervereins für Wem Schriftleitung: M.Rofenfeld, München 1928 München, 15. November Nr. 11 Abraham Rau Julius Bernstein Wieder sind uns zwei liebe Freunde und treue Kollegen durch den Tod entrissen worden. Am 14. Oktober starb Hauptlehrer a. D. Abraham Rauin Hirschaid, ihm folgte am 26. Oktober Lehrer Julius Bernstein von Mainbern heim ins Grab. Rau gehörte zu den immer seltener werdenden Beamten, deren ganze Lebensarbeit einer einzigen Gemeinde gewidmet ist. Kurz nach seinem im Jahre 1883 erfolgten Seminaraustritt kam er nach Hirschaid, wo er, zuerst als Religionslehrer, dann vom Jahre 1903 ab als Volksschullehrer, im ganzen fast 4 6 Jahre wirkte. Auch als vor einigen Jahren seine Schule infolge Kindermangels aufgelöst wurde, blieb er seiner Gemeinde, die wie zu einem Vater zu ihm ausschaute, treu. Die höhe und allseitige Verehrung, deren er sich erfreute, fand bei seiner Beerdigung ebenso beredten wie Ergreifenden Ausdruck. Auch unserem Vereine, dem er seit 1884 angehörte, war Rau der Getreuesten einer. Durch das Vertrauen der Mitglieder wurde er in die Verwaltung berufen, in der er mehrere Jahre in sachlichem Ernste und hingebungsvollem Eifer mitarbeitete. Den Dank, den wir dem Heimgegangenen zollen, rief ihm der 2. Vorsitzende unseres Vereins, Herr Dr. Bamberger (Nürnberg), ins offene Grab nach. Im Gegensatz zu Rau war Bernstein in einer ganzen Reihe von Gemeinden in den verschiedensten Teilen unseres deutschen Vaterlandes tätig. Von Nenzenheim, seinem ersten Anstellungsorte, führte ihn die berufliche Laufbahn über Oberhessen und die ehemalige Provinz Posen nach Graudenz, wo er 26 Jahre wirkte. Als 63jähriger griff er nochmals zum Wanderstabe, da er nach dem Übergänge von Graudenz an Polen der deutschen Heimat treu bleiben wollte. In Mainbernheim, unweit seines ersten Wirkungskreises, fand er ein neues Feld der Betätigung und erwarb sich hier durch sein schlichtes, anspruchsloses Wesen in allen Kreisen Liebe und Wertschätzung. Vor kurzem erst in den Ruhestand eingetreten, hat ihn nun der Tod zur Ruhe der ewigen Heimat heimgeholt. Wir werden den dahingeschiedenen Kollegen ein treues und dauerndes Andenken bewahren. Die Neuordnung der Lehrerbildung in vavern Referat von I. S t o l l, erstattet auf der Mitgliederversammlung in Würzburg g-ortf. u Schluß. Noch weitere 30 Jahre gleicher Entwicklung, zumal bei der fortschreitenden Verbesserung der Verkehrsverhältnisse, bei der fortschreitenden Einengung der wirtschaftlichen Existenzmöglichkeit auf dem Lande, und dem allmählich doch auch einmal kommenden Aufhören der Wohnungsnot in der Stadt — und das platte Land wird von Juden fast völlig entvölkert fein. Der jüdische Lehrer, der nur als Religionslehrer vorgebildet wäre, käme in Gefahr, der letzte Jude in seiner Dorfgemeinde zu werden, weil er infolge der für ihn gedachten Halbbildung den rechtzeitigen Übergang in eine größere jüdische Siedlung in den Städten nicht finden kann. Also gerade die Rücksicht auf die finanzielle Leistungsfähigkeit unserer Landesverbände sollte davor warnen, Existenzen auszubilden, die über! kurz oder lang aus der Versorgungskasse der Landesverbände als stellenlose Religionslehrer Wartegeld beziehen müßten Und endlich haben die Verbände infolge ihres wirtschaftlichen Einflusses auf die Stellenbesetzung bei voller Wahrung der religiösen Autonomie der Gemeinde doch auch die Möglichkeit, einen von der Akademie kommenden Jugendlehrer einmal auf eine Landgemeinde hinauszuschicken, wenn er nicht freiwillig sich melden sollte. (Gegen den angeführten Vergleich mit den übrigen akademisch gebildeten Beamten auf kleinen Plätzen wurde mir wiederholt eingewendet, daß die anderen Akademiker nur deshalb sich leichter entschließen, ihre Laufbahn auf dem Land zu beginnen, weil ihnen die Aussicht bleibt, späterhin doch in die Stadt zu kommen. Dieser Einwand zwingt ja erst recht zu der Schlußfolgerung, daß nur diejenige Ausbildung des Religionslehrers, welche ihm die spätere Anwartschaft auf eine Anstellung in der Stadt sichert, dem Religionslehrerstand soviel Bewerber zuführt, daß auch das platte Land mit Beamten versorgt werden kann.) III. Die Folgerungen, die ich zu ziehen habe, liegen in folgenden Leitsätzen vor: 1. Es ist, wie bisher, auch künftig die jüdische Lehrerbildung im Rahmen der allgemeinen Volksschullehrerbildung zu betreiben. 2. a) Die jüdischen Lehrerbildungsstätten sind nach staatlichem Muster in eine Aufbauschule umzuwandeln; t>) die spätere Errichtung einer jüdischen Lehrerakademie ist ins Auge zu fassen. 3. Um das Bedürfnis nach gründlicher religions-wifsenschaftlicher Ausbildung befriedigen zu können, soll versucht werden, bei der bayerischen Unterrichtsverwaltung für die kommende Aufbauschule die Zulassung der hebräischen Sprache als einer Pflichtfremdsprache an Stelle einer anderen Fremdsprache in gleicher Weise zu erreichen, wie die preußische Unterrichtsverwaltung den Ersatz einer .modernen Pflichtfremdsprache durch das Hebräische für Oberrealschulen und Aufbauschulen bereits zugelassen hat. 4. Den sozialen Schichten, welche bisher die jüdischen Lehrerbildungsanstalten bevölkert haben, ist auch künftig der Zugang zur Lehrerbildung zu erleichtern durch Beibehaltung von Schülerheimen. Die Gewährung der wirtschaftlichen Vorteile dieser Heime ist aber auf die künftigen Kulturträger des Judentums zu beschränken. Auf Einzelheiten einzugehen, erübrigt sich schon aus dem Gesichtspunkte, weil die Neuordnung in Bayern selbst noch im Flusse ist und endgültig erst gestaltet werden kann, wenn der bayerische Landtag zu dem Gesetzentwurf Stellung genommen hat. Von Wichtigkeit scheint mir nur noch eine Tatsache, daß bei der wohlwollenden Stellungnahme, welche die bayerische Unterrichtsverwaltung bisher den Belangen der jüdischen Lehrerbildung entgegengebracht hat, erhofft werden darf, daß die Möglichkeit, in der Aufbauschule in breitem Ausmaße neben allgemeiner Kultur jüdische Kultur zu treiben, verwirklicht werden kann. Wenn wir aber Einheitlichkeit und Geschlossenheit in der jüdischen Lehrerbildung auch in Zukunft durchführen können, so fallen alle Gründe für eine Trennung zwischen Religionslehrer- und Volksfchullehrerbildung fort, dann ist uns der Weg vorgezeichnet, den wir zu gehen haben: jüdische Lehrerbildung über jüdische Aufbauschule und jüdische Akademie, in welchen die Pflege jüdischer Kultur den denkbar breitesten Raum einnimmt: Ausbildung von Lehrern, die im allgemeinen Wissen, in jüdischer Kultur und in pädagogischer Tüchtigkeit den höchsten Anforderungen gerecht werden. Die Neuordnung erfordert einen gewissen Optimismus, aber mit Kleingläubigkeit und Bedenklichkeit ist noch nie eine Kulturaufgabe gelöst wor- Stou=wero< SCHOKOLADE-PRALINEN 1