Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 22 (15.11.1928)
- Article
- Inhalt
- Date
- 1928-11-15
- Page
- Seite 345 (sequence 1)
- Language
- German
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Kachrichtenblatt 6er Israelitischen Kultusgemeinöen in München unö Augsburg unö öes VerbanÖes Hagerischer Israelitischer Gemeinöen Dagerlsche Israelitische GememÜezettung Erscheint am T. unö ff. seöen Monats. — Verlag: V. Heller, München, tzerzog-Mar-Straße 4, Kernruf p)opp, Postscheckkonto München Nr. 3987> Schristleitmig: Or. Lugen vchmiöt, Rechtsanwalt ln München, Karlstraste 6. SezugspreiS für nicht eingewiesene Sez jeher: Reichsmark 4-So für 6as Fahr. Anzeigenpreis: Die 4 gespaltene Millimeter-Feile 40 Reichspfenntg Kamilienanzeigen, Stellengesuche unö ähnliche Angebote 13 Reichspfennig lz>LS München, 15. November Nr. LL Inhalt: Allhebräische Lyrik — Die jüdischen Dichter in der modernen deutschen Literatur — Aus dem Verbände — Aus der Gemeinde München — Aus der Gemeinde Augsburg — Vereine — Lehrerzeitung — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden: Bekanntmachung über Änderung der Beamtenordnung — Bekanntmachungen der Israelitischen Kultusgemeinde München: Bekanntmachung über Änderung der Verfassung — Bekanntmachung über die Wahlen zur Gemeindevertretung 1929 — Bekanntmachungen der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg: Bekanntmachung über Wahlen — Personalia. 5llchebräische Lyrik Der junge Münchner Dichter Manfred Sturmann, den die Leser unserer Zeitung aus einer Reihe von Prosa-Aufsätzen kennen, ist durch Beschluß des Literaturbeirats der Stadt München, ausgezeichnet worden, wonach die Stadt München ihm die Drucklegung seines Gedichtbandes „Die Erben" auf ihre Kosten ermöglicht. Nachstehend bringen wir aus dem 1925 erschienenen Werke SturmannS „Allhebräische Lyrik" — Nachdichtungen — (Allgemeine Verlagsanftalt München) einige ausgewählte Dichtungen, anschließend Gedichte aus der erwähnten Gedichtsammlung „Die Erben". Von Sturmann erscheint in nächster Zeit auch ein Prosaband „Selbstmord in Dur", Verlag I. M. Spaeth, Berlin. Der 1. Psalm Heil dem Manne, der nicht folget Dem Ratschlag der Bösen, Der fern bleibt den Wegen der Sündigen, Der nicht sitzet im Kreise der Spötter; Sondern Freude heget an der Weisung des Herrn Und ihr nachsi'nnet Tag und Nacht! Er gleichet dem Baume, An Wassern gepflanzt, Der seine Frucht zur rechten Zeit wirft. All seine Werke Haben ein seliges Ziel... Wehe den Gottlosen aber: Wie die Spreu sind sie, Die der Wind zerweht. Sie verharren nicht im Gericht, Und die Sünder sind fern Der Gerechten Gemeinde. Denn der Ewige kennet die Wege Der Weisen wohl; , Aber die Wege der Gottlosen Macht er zerbrechen. Der 15. Psalm Wie lange, wie lange willst du meiner vergessen, Ewiger? Wie lange noch willst du dein Antlitz verhüllen vor mir? Wie lange sollen Sorgen meine Seele quälen? Wie lange soll mein Herz sich zehren Tag um Tag? * Wie lange soll sich über mich ergehn mein Feind? O schaue nieder und erhöre mich, mein Gott! Laß meine Augen wieder leuchten, Ewiger! Laß kommen nicht den Schlaf des Todes über mich! Laß Feinde mich nicht höhnen: „Wie ist er besiegt!" Laß jauchzen nicht, die meine Hasser sind! Ich aber hoffe auf Barmherzigkeit, die dein ist. Ob deiner Hilfe — juble auf, mein Herz! Singen will ich dem Herrn, er hat mir wohl getan! Hiob Meine goldnen Fluren hast Du aufgerissen und Durchgewüstet mit den Fingern Deiner Riesenhand, Daß ich schreien könnte mit dem Äussatzmund! Doch der Schrei erstickt in meiner Leiden Brand. Meine Kinder hat die schwarze Seuche hingerafft, Meine Herden in den dürren Gärten siechen hin. Wie ein Birnenftamm, vom Wind zerkeilt, ist meine Kraft Und vom Schauer meiner Fieber ausgehöhlt mein Sinn.