Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 21 (1.11.1928)
- Article
- Coloniel Josiah C. Wedgwood
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 339 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2727810-2727850-2727871--03835-2734269- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 21 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 339 Colonel Josiah L. Wedgwood Der „Frankfurter Zeitung" vom 25. Oktober 1928 entnehmen wir nachstehenden Bericht: Zugleich mit Ramsay Mac Donald traf am 14. Oktober der frühere Minister seines Kabinetts, Colonel Josiah C. Wedgwood in Deutschland ein. Colonel Wedgwood hat es sich zur Aufgabe gestellt, in Berlin und einer Anzahl größerer deutscher Städte über das jüdische Palästinawerk Vorträge zu halten. Die außerordentlich warme Aufnahme, die Colonel Wedgwood in Berlin und in Hamburg bei der Reichsregierung und den Führern gerade des demokratischen Deutschlands fand, zeigt, wie großer Sympathien er sich in Deutschland erfreut. Es ist ihm unvergessen geblieben, daß er zu den wenigen führenden Politikern im Lager der Entente gehörte, die schon zur Zeit von Versailles gegen Gewaltfrieden auftraten. Als einer der Ersten fand er den Mut, seine Stimme gegen die Erzwingung des einseitigen Schuldbekenntnisses Deutschlands zu erheben, und setzte sich seither unbeirrbar für Aufhebung der Rheinlandbesetzung, für allgemeine Abrüstung upd Ausbau des Völkerbundes ein. Mit der Unerschrockenheit und Zähigkeit seiner Rasse führt der nun Fünfundfünfzigjährige, der, als junger Offizier nach dem Burenkriege zum Kreisgouverneur in Transvaal ernannt, die Leiden eines seiner, nationalen Freiheit beraubten kleinen Volkes kennengelernt, den Kampf gegen jede von seinem eigenen Land ausgehende Unterdrückungspolitik. Wie er die liberale Politik der Entwicklung Südafrikas zum Dominium nach Kräften förderte, so wurde er späterhin ein überzeugter Verfechter des Home Rule für Indien in England. Im Jahre 1906 ins Unterhaus gewählt, gehörte er bis 1918 der liberalen Partei an», solange er in ihr den entscheidenden Faktor für eine demokratische Außen- und Innenpolitik Groß-Britanniens sah. Nach seiner Rückkehr aus dem Weltkriege, während dessen er sich im Orient und im Fernen Osten befand, trat er zur Labour-Party über. In dieser glaubte er seine politischen und sozialen Ideale besser verwirklichen zu können. 1926 wurde er Mini st e r. Wie viele der besten Männer seines Volkes ist Wedgwood bei aller Beweglichkeit des Denkens traditionsgebunden. Die alte Keramikersamilie der Wedgwood, reich an künstlerischen Begabungen, hat durch die Generationen enge Beziehungen zu den Freiheitskämpfern der letzten Jahrhunderte. Benjamin Franklin, Koffuth und Garibaldi, aber auch Macintosh, Sidney Smith und die Darwins sind Freunde seiner Vorfahren. Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde München (Programm im November und Dezember 1928) A. Vorträge: I. Universitätsprofessor Dr. Fritz Strich: „Die jüdischen Dichter in der modernen deutschen Literatur." Am 5. und 8. November, 20.15 Uhr, im Herkulessaal der Residenz (Eingang Residenzstraße). Nummerierter Sitzplatz RM. 2.—, Saalkarte RM. 1.—, Kategoriekarten RM. —.50. II. Kustos Dr. Karl Schwarz (Berlin): „Die vier großen jüdischen Impressionisten Pissaro, Israels, Liebermann, Ury." Vortrag mit Lichtbildern am 21. November, 20.15 Uhr im Lessingsaal, Herzog-Rudolf-Straße 1, Rückgb. Nummerierter Sitzplatz RM. 1.20, Saalkarte RM. —.60, Kategoriekarten RM. —.30. B. Arbeitsgemeinschaften: Dr. Willy Meyer (Nürnberg): „Spinoza". 1. Abend: „Lebensgeschichte", am 28. November. 2. Abend: „Gottesbegrisf", am 19. Dezember. 20.15 Uhr, im Lessingsaal, Herzog-Rudolf-Straße 1 (Rückgebäude). Eintritt frei. (Weitere 3 Abende folgen im Januar und Februar 1929.) Bernhard Buff Bernhard Buff, der ehemalige Mitinhaber des Bankhauses C. Landauer Nachfolger, ist am 17. Oktober 1928, im Alter von 82 Jahren nach kurzem Krankenlager verschieden. Die Beerdigung fand unter außerordentlich großer Beteiligung am 19. Oktober 1928 im alten israelitischen Friedhof statt. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. Ehrentreu. Mit Bernhard Buff ist wieder eine jener Persönlichkeiten dahingegangen, die wie Mahner aus der Vergangenheit hinübergeragt haben in unsere Zeit. In frühen- Jahren nach München gekommen^ hat er es durch seinen rastlosen Fleiß, seine Umsicht und Klugheit, - insbesondere aber durch seine strenge Rechtlichkeit, seine Vornehmheit und Güte verstanden, dem von ihm geleiteten Unternehmen weithin Achtung und Anerkennung zu schaffen. So hat er sich und den Seinen eine fest gegründete Existenz sichern können, die ihn in den Stand setzte, auch im öffentlichen Leben segensreich zu wirken. So hat er der Verwaltung der Israelitischen KÄtusgemeinde Mün- : chen länger als ein Jahrzehnt angehört und hier wertvolle Arbeit geleistet. Viele Jahrzehnte war er Kassier des Aussteuervereins, außerdem war er lange Jcchre als Verwaltungsrat der Lipschützschen Versorgungsanstalt tätig. Für die armen Hilfsbedürftigen hatte er stets eine offene Hand und ein mitfühlendes Herz. Einen Kompositions-Abend veranstalten Paul Frankenburger und Heinrich Schalit Montag, den 3. Dezember, abends 8 Uhr, im Museum unter Mitwirkung von Tine Belke (Sopran), Herma Studeny (Violine), Kammersänger Erik W i l d h a g e n (Bariton), Joachim E r n st (Viola), Karl L i st (Cello) und den Komponisten (Klavier). Zur Aufführung gelangen Kammermusik und Lieder. Näheres siehe Inserat. — Auf dieses Konzert, das ein künstlerisches Ereignis zu werden verspricht, sei besonders hingewiesen. Hebräische Sprachkurse München: Das Wintersemester 1928/29 beginnt Donnerstag, den 15. November; sämtliche bisher bestehenden sechs Kurse sowie zwei Kinderkurse werden fortgesetzt. Es wird besonders auf den vierten Kurs aufmerksam gemacht, in dem Bibel (Samuel I) gelesen wird. Bei genügender Teilnahme wird beabsichtigt, einen neuen Anfängerkurs einzurichten. Interessenten werden gebeten, sich möglichst bald im Unterrichtslokal, Herzog-Rudolf- Straße 1, zwischen 3 bis 6 Uhr (Telephon 297 449) anzumelden. Teilnehmer, die Ermäßigungen wünschen, wollen ihr Gesuch bis spätetens 15. November an das Komitee der Hebräischen Sprachkurse, z. H. des Herrn Paul Grünbaum, Rothmundstraße 6, richten. Der Stundenplan ist folgender: Montag: 7.15—8.45 Uhr abends Kurs VI; 8.45—10.45 Uhr abends Kurs I. Dienstag: 5—6 Uhr nachmittags Kinderkurs II; 7.30—8.45 Uhr abends Kurs III; 8.45—9.45 Uhr abends Kurs IV. Mittwoch: 5—6 Uhr nachmittags Kinderkurs I; 7.15—8.15 Uhr abends Kurs VI; 8.15—10.15 Uhr abends Kurs V. Donnerstag: 7.15—8.15 Uhr abends Kurs III; 8.15—9.15 Uhr abends Kurs IV. Vereine Jüdische Gesänge — Jüdischer Gesangverein Wer die jüdische Presse mit Aufmerksamkeit liest, wird zu seiner Freude fesfftellen können, daß überall ernstes Streben herrscht, das Judentum neu zu beleben. Die Heranwachsende und herangewachsene Generation empfindet es schmerzlich, daß in ihrer jüdischen Erziehung soviel versäumt wurde. Jüdische Sprache, jüdische Geschichte und Literatur sind Dinge, die der jüdischen Jugend nur noch in schwacher Erinnerung aus dem kümmerlichen Religionsunterricht im Gedächtnis sind. Es fft deshalb auch leicht zu erklären, daß die jüdische Jugend auch dem Gottesdienst und der jüdischen Liturgie kein Verständnis entgegenbringt. Und dies ist sehr zu bedauern, denn gerade in den synagogalen Gesängen sind jüdische Gedanken in so wunderbarer Weise zum Ausdruck gebracht, daß sie dem, der sie versteht, religiöse Weihestunden bereiten. Der Jüdische Gesangverein, der seit Jahren bestrebt ist, in seinen Konzerten jüdische Gesänge zur Kenntnis der jüdischen Öffentlichkeit zu bringen, veranstaltet am 5. Dezember im Odeon ein Konzert, das durch die Mitwirkung des Herrn Oberkantor Alter aus Hannover, der ja vom vergangenen Jahr noch in glänzender Erinne- HAUSH ALT WÄSCHEREI „APOLLO“ Inhaber: Peter PopHnger Spezialität: Miet- Stärk- und Feinwäsche aller Art Dachauer Straße 19 Rgb. Telephon 52553