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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-11-01 · 21 (1.11.1928) · p. Seite 336

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
21 (1.11.1928)
Article
Verbandstag des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands
Date
1928-11-01
Page
Seite 336 (sequence 2)
Language
German
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336 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 21 Lehrlingen bemerkbar macht, hält der Verbandstag des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands es für notwendig, darauf hinzuweisen, daß der gegenwärtige Zeitpunkt für eine Normalisierung der jüdischen Berufsgliederung durch eine Förderung des handwerklichen Nachwuchses besonders geeignet ist. Der Verbandstag beschließt deshalb: 1. Das deutsche Judentum, besonders aber die verantwortlichen Körperschaften, auf diesen Umstand hinzuweisen und die Errichtung von Berussberatungsstellen zu fordern, da eine sinnvolle Umgestaltung der Berufsgliederung der deutschen Juden nur auf dem Wege einer systematischen Berufsberatung möglich ist. 2. Dort, wo die Errichtung selbständiger jüdischer Berufsberatungen sich nicht ermöglichen läßt, soll versucht werden, die Berufsberatung der jüdischen Jugendlichen bei den städtischen Berufsämtern durchzuführen. 3. Fordert der Verbandstag von den Gemeinde- und Landesverbänden die Einsetzung von Etatsmitteln zur Förderung jener Kreise der jüdischen Jugend, die sich den handwerklichen Berufen zuwenden. Diese Mittel sollen sowohl für die Errichtung von- Lehrlingsheimen, wie auch für Lehrzuschüsse für Minderbemittelte, sowie Ergänzungsausbildungen bereitgestellt werden. 4. Im engsten Zusammenhang mit der Berufsberatung müssen in allen größeren Gemeinden Lehrstellenvermittlungen. errichtet werden, da Berufsberatung ohne Lehrstellenvermittlung keine wesentlichen Erfolge erzielen kann. 6. Der Verbandstag fordert alle angeschlossenen Vereine und Mitglieder auf, die Verussberatungs- und Lehrstellenvermittlungsstellen nach Kräften zu fördern und sich in ihren Dienst zu stellen. Insbesondere soll darauf geachtet werden, daß die Ausbildung der Lehrlinge eine gründliche ist, da es nicht nur im allgemein-jüdischen, sondern auch im Interesse . des Handwerkerstandes liegt, daß ein gut qualifizierter Nachwuchs herangebildet wird. omftnn nnassi Aass-S&helxLsrel - Aodisches ßelwer^ 6. Der Verbandstag verpflichtet sämtliche Mitglieder, sich mit allen Kräften in den Dienst der Arbeitsnachweis-Bewegung zustellen, insbesondere aber bei den Gemeinde- und Landesverbänden für die Förderung der Nachweise einzutreten. Nus dem Verbände Reichsbund jüdischer Frontsoldaken Am Sonntag, dem 21. Oktober 1928, fand die diesjährige Tagung der Delegierten des Landesverbandes Bayern im Sitzungssaal der Israelitischen Kultusgemeinde München statt. Die Delegierten, die mit der Verbandsleitung über die einschlägigen Fragen verhandelten, vertraten 83 Prozent aller bayerischen Frontbundmktglieder. Von diesen Fragen ist es besonders die der Siedlung, für die der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten in der breiten Öffentlichkeit Interesse erweckt hat. Es wurde mit Genugtuung festgestellt, daß dieser Gedanke, der für das gesamte deutsche Judentum so existenzwichtig ist, immer weitere Kreise erfaßt und daß von seiten der Bundesleitung an die praktische Durchführung der Siedlung herangetreten worden ist, Auf Antrag der Verbandsleitung erklärten sich die vertretenen Ortsgruppen bereit, für ihre Bezirke Vertrauensleute aufzustellen, die besonders auf dem flachen Lande für die Siedlungsidee wirken sollen. Mit besonderer Freude wurden bei diesen Verhandlungen die Worte des Herrn Prof. Dr. Silberschmidt, Rat am Obersten Landesgericht, ausgenommen, der als Vertreter des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden den Beratungen beiwohnte. Er sicherte den Bemühungen des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten größte Sympathie und tätige Unterstützung zu. Des weiteren wurde über Abwehrangelegenheiten verhandelt und dabei wiederum die freundschaftliche Zusammenarbeit mit dem Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hervorgehoben. Ebenso wie diese Beratungen nahm auch der Begrüßungsabend, den die Ortsgruppe München den Gästen im „Bayerischen Hof" am Samstag, dem 2v. Oktober, abends widmete, einen voll befriedigenden Verlauf. Der 1. Vorsitzende des Landesverbandes Bayern und Ortsgruppe München, Herr Rechtsanwalt Dr. Alfted Werner begrüßte die erschienenen Gäste und Delegierten mit herzlichen Worten. Aus den Begrüßungsansprachen der Vertreter von Verbänden und Vereinen klang immer wieder das freundschaftliche Verhältnis zum R. j. F. und die Sympathie mit dessen Bestrebungen durch. Besonders eindringlich betonte der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden, vertreten durch seinen Tagungspräsidenten, Herrn Oberstlandesgerichtsrat Prof. Dr. Silberschmidt, die Bedeutung der Siedelungstätigkeit des Frontbundes als Zukunftsaufgabe des deutschen Juden. Darauf brachten einige Kameraden der Münchener Ortsgruppe wohlgelungene Darbietungen, die durch ihren heiteren Inhalt rasch eine fröhliche Stimmung im ganzen Saal hervorriefen. Diese gute Stimmung hielt bei Tanz und fröhlicher Unterhaltung bis zum Ende an. Hirfchaid. Am Montag, dem 15. Oktober trugen wir den Herrn Oberlehrer Rauh (Hirfchaid) zu Grabe. Viel zu früh hat der Tod diese Zierde des Lehrerstandes, diesen gütigen Menschen und edlen Juden, der bis zum letzten Augenblick nichts anderes kannte, als Pflichterfüllung bis zum äußersten, hinweggerafft. Erst vor wenigen Monaten war er in den dauernden Ruhestand getreten, um nach aufreibender Lebensarbeit noch einige Jahre der Ruhe zu genießen. Aber nicht lange sollte er sich dieser wohlverdienten Ruhe erfreuen: denn ein tückisches Leiden brachte ihn in den Operationssaal nach Bamberg, wo er kurz darauf an den Folgen dieser Operation verschieden ist. Groß war die Zahl der Leidtragenden, die dem treuen Lehrer und Freunde das letzte Geleite gaben. Im Schulhofe von Hirfchaid stand dicht gedrängt die jüdische und christliche Bevölkerung, unter ihnen die katholischen und protestantischen Ortsgeistlichen, um Abschied zu nehmen von dem allseits beliebten SCHRAMM^S*&»

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