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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-11-01 · 21 (1.11.1928) · p. Seite 335

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
21 (1.11.1928)
Article
Versündigung an der deutschen Kultur
Date
1928-11-01
Page
Seite 335 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 21 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 335 In Augsburg Hotel Bayerischer Hoff I wohnt man gut und billig im | fühlt. Sie haben darum recht getan, Ihren Protest in die Welt zu schicken. Die Regierung schließt sich diesem Protest in jeder Hinsicht an. Dr. Brodnitz dankte dem Minister und der Reichsregierung für diese Bekundung der Solidarität mit den Mitbürgern jüdischen Glaubens und betonte, daß dieser Kampf gekämpft wird nicht nur im Interesse des Judentums, sondern in dem Bewußtsein, daß man damit dem ganzen deutschen Vaterlande dient. Man könne nicht aus dem Deutschtum das Judentum ausnehmen, ohne daß dem ganzen deutschen Vaterlande ein Schaden zugefügt wird. Der Präsident der Jüdischen Gemeinde Berlin, Herr Kommerzienrat Gerson Simon, erklärte die Bereitschaft der Berliner Juden mitzuarbeiten im Kampf gegen derartige Gewalttaten. Dem Central-Verein gebühre Dank, daß er die geeignete Gelegenheit geschaffen habe, eine Sache, die jeden angehe, der Interesse an kultureller Entwicklung habe, in breiter Öffentlichkeit zu behandeln. Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil erinnerte an die zahlreichen Dekrete, die in der Vergangenheit gegen Schänder jüdischer Friedhöfe erlassen, und in denen den Schändern sogar Todes- und Vermögenseinziehungsstrafen angedroht worden waren. Direktor Hugo Ostberg sprach von den Leiden der kleinen jüdischen Gemeinden, die die große Mehrheit der im Preußischen Landesverband zusammengeschlossenen 720 Gemeinden bilden. Der Redner schloß mit den Worten: Hoffen wir aus das deutsche Volk! Von warmem Beifall begrüßt, ergriff nun der Präsident des Preußischen Landtags, Bartels, das Wort. Beschämend und niederdrückend sind diese Vorgänge, die so sehr dem deutschen Volksempfinden widersprechen. Wir stehen in gemeinsamer Front mit Ihnen und sind mit Ihnen einig in der Verurteilung und in der Verabscheuung dieser Taten. Alle ehrliebenden Bürger sind in dem Proteste auf Ihrer Seite. Staatssekretär Heltscher sprach im Namen des preußischen Justizministeriums und wies auf den kürzlich erschienenen Erlaß des Justizministers Schmidt hin, der die Behörden anwies, in Fällen von Anschlägen gegen jüdische Heiligtümer eine strenge Untersuchung zu führen und Schuldige ohne Nachsicht zu bestrafen. Es ist zu Hoffen, daß dieser Erlaß zur Vermeidung künftiger Untaten beitragen Polizeivizepräsident Dr. Weiß sagte, der Polizeipräsident von Berlin und der preußische Innenminister seien leider verhindert, in dieser Versammlung zu erscheinen. In ihrem Namen aber rufe er den Versammelten zu: Seid überzeugt, daß Euch in Eurem Kampfe die preußische Polizei und das preußische Ministerium des Innern ihren starken Arm leihen. Als letzter Redner legte der Schriftsteller Julius Bab ein tiefes Bekenntnis zum Deutschtum ab. Es sei höchste Zeit für die Einleitung einer deutschen Volksbewegung zur Überwindung der das Deutschtum gefährdenden seelischen Krankheit. Die Entschließung Die Versammlung nahm einmütig und unter großem Beifall die folgende, vom Vorsitzenden verlesene Entschließung an: „Die zu der Kundgebung im Herrenhaus versammelten Hunderte von deutschen Bürgern und Bürgerinnen erklären: Die Tatsache, daß Judengegner zur Durchsetzung ihrer Ziele an Stelle geistiger Waffen rohen Überfall, verbunden mit schweren Körperverletzungen und Sachbeschädigungen, insbesondere Schändung von Grabmälern, anwenden, ist in so bedrohlichem Maße durch die Ereignisse der letzten Jahre bewiesen, daß das öffentliche Gewissen aller Teile des deutschen Volkes aufgerufen werden muß, um bei aller politischen Verschiedenheit aus innerstem Villigkeitsgefühl heraus die dem Denken und Tun der Täter zu Grunde liegende Gesinnung als eine Schmach für Deutschland und die deutsche Kultur zu empfinden. Die Versammelten rufen das gesamte Volk zur entrüsteten Ablehnung der Untaten und zur Schaffung eines Geistes auf, der bei aller Freiheit der Meinungen eine Austragung von politischen Fragen nach den Begriffen von Recht, Sitte und Anstand fordert." Verdandslag des Zentralverbandes Indischer Handwerker Deutschlands Am 5. Juni 1928 fand in Hannover der 8. Verbandstag des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands e. V., Sig Berlin, statt. An dieser Kundgebung beteiligten sich nicht nur die jüdischen Gemeinden und Organisationen, sondern auch alle öffentlichen Körperschaften und Behörden. Es wurden folgende Resolutionen gefaßt: I. Zum Referat: „Der jüdische Mittelstand." Die wirtschaftliche Entwicklung der Nachkriegszeit hat den jüdischen Mittelstand besonders hart getroffen. Die zunehmende Verarmung breiter Kreise des Mittelstandes vernichtet immer mehr Existenzen. Der 8. Verbandstag sieht in der Schaffung jüdischer Darlehnskassen und Kreditgenossenschaften eines der Mittel, diesem Verelendungsprozeß entgegenzuwirken. Der Verbandstag fordert deshalb von den jüdischen Gemeinden und Landesverbänden: 1. Die Gründung von Darlehns- und Kreditkassen umgehend in die Wege zu leiten; falls solche nicht bestehen, Neugründungen vorzunehmen, einesteils, um den jüdischen Mittelstand vor weiterer Verelendung zu schützen, anderseits zum Existenzaufbau und -Ausbau. 2. Der Verbandstag protestiert auf das entschiedenste gegen die immer häufiger werdende Ausschaltung jüdischer Handwerker, sowie gegen die Verdrängung jüdischer Arbeitnehmer von den Arbeitsplätzen. Der Verbandstag sieht in den jüdischen Arbeitsnachweisen eines der besten Mittel zur Linderung der Arbeitslosigkeit der Juden. 3. Der Verbandstag fordert von den Gemeinde- und Landesverbänden, sowie von allen jüdischen Organisationen, daß sie der Frage des Ausbaues der jüdischen Arbeitsnachweise größte Aufmerksamkeit widmen. Der Verbandstag hält die Einheitlichkeit der jüdischen Arbeitsnachweisbewegung für unerläßlich und spricht sich deshalb gegen jede Sondergründung aus, die eine Zersplitterung der Arbeitsnachweise bewirken könnte. II. Zum Referat: „Jüdische Berufswahl und jüdische Arbeitsnachweis e." In Anerkennung der Tatsachen, daß sich in verschiedenen Handwerksberusen bereits ein Mangel an qualifizierten Arbeitern und Wer andern eine Freude machen will, abonniert ihnen „Das Zelt“ — wenn diese „andern“ nämlich Kinder sind. Jeder Briefträger nimmt Bestellungen entgegen, ebenso der Verlag B. Heller. Nur RM. 1.20 im Vierteljahr. ctwxoejt modern wie kein anderer AUTOHAUS-AUGSBURG Waetzoldt & Aigner Ausstellung: Maximilianstraße A 35 ✓ Reparaturwerk: Ulmer Straße 34-38 Fernruf 4132 und 4162 allen überlegen

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