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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-11-01 · 21 (1.11.1928) · p. Seite 333

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
21 (1.11.1928)
Article
Eindrücke vom Weltjugendfriedenskongreß in Eerde
Date
1928-11-01
Page
Seite 333 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 21 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 333 Eindrücke vom weltjugendkrledenskongretz in Eerde Von Rudi Baer Der Weltjugendfriedenskongreß, der im August in Eerde (Holland) stattfand, darf aus mehr als einem Grund auch das Interesse der Leser dieses Blattes beanspruchen. Nicht nur, weil hier die Vertreter von Hunderten von Jugendorganisationen aller Parteirichtungen und weltanschaulichen Schattierungen aus einunddreißig Ländern aller Erdteile zusammenkamen, um in Wirtschaft und Politik, Erziehung, Religion und Moral, in Rassen- und Minderheitenfragen nach der Gesinnung und den Methoden zu suchen, die zum Weltfrieden führen. Und nicht nur, weil man sich einstimmig für völlige Gleichheit aller Rassen aussprach und entschieden gegen Lynchjustiz und Pogrome Stellung nahm, also auch gesamtjüdische Probleme berührt wurden. Sondern wichtig erscheint mir auch, daß sich in Eerde zum erstenmal jüdische Jugend aus verschiedenen Ländern inmitten der Jugend der anderen großen Bekenntnisse um die Verwirklichung einer uralten jüdischen Idee, des Friedens, mühte. Der Schauplatz: Ein riesiges Zeltlager, eingebettet in die Wald- und Heidelandschaft Nordofthollands. In den Lagergassen und vor den Versammlungs- und Eßzelten ein freundschaftliches Durcheinander aller Rassen. Inder, Chinesen, Japaner, Indonesier, afrikanische und amerikanische Neger, z. T. in ihrer Nationaltracht, sieht man in lebhaftem Gespräch mit europäischer und amerikanischer Jugend, die meist zum erstenmal von den farbigen Freunden die wirkliche Lage der unterdrückten Kolonialvölker und die „Segnungen" der Kolonialpolitik dargestellt bekommt. Unvergeßlich die Rede des Inders Sanjal über den englischen Imperialismus, eine Anklage, die um so stärker wirkte, weil sie mit der Ruhe und Leidenschaftslosigkeit, die östlichen Menschen eignet, vorgebracht wurde. Das jüdische Element trat nicht allzu stark hervor. Außer in der Frage der Pogrome war dazu auch — erfreulicherweise — kein Anlaß. Mit Ausnahme der beiden Delegierten der , Jewish World Youth Federation“ und der „Jewish World Scout Organisation“ arbeiteten die jüdischen Vertreter in ihren nationalen Delegationen mit. Von Deutschland waren die „Kameraden" und durch sie der „Reichsausschuß der jüdischen Iugendverbände" und der „Verband der jüdischen Iugendvereine" vertreten. Die deutsche Delegation, die politisch und weltanschaulich die breiteste Front aufwies, war eben durch ihre innere Uneinheitlichkeit manchmal in der Arbeit gehemmt und bot auch hier oft das traurige Bild der deutschen Zerrissenheit. Aber es gab ebenso oft Situationen, in denen die Deutschen einstimmig von rechts bis links ihrem Willen, die Probleme in ihrer letzten Tiefe zu erfassen und klarzulegen, jede Scheinlösung zu verhindern, Ausdruck geben konnten — Situationen, die gleicherweise durch die anfängliche Harmlosigkeit der anglo-amerikanisch-holländischen Gruppe, wie durch das Fehlen der Russen, die durch holländische und deutsche Paßschikanen ferngehalten waren, heraufgeführt wurden. Dieser Ernst und das Verantwortungsbewußtsein bis ins Letzte hinein, das die gesamte deutsche Vertretung in Eerde zeigte, gab einen neuen beglückenden Beweis für die innere Nähe deutscher und jüdischer Geistigkeit. Die Frage nach dem Wert dieses Jugend-Friedenskongresses, der nur zu einem Bruchteil von „pazifistischer" Jugend beschickt war, dem vielmehr sehr oft kommunistische und nationalistische Jugend ihren Stempel aufdrückte, ist eindeutig zu beantworten. Unmittelbare politische Folgen hatte wohl kein Einsichtiger von diesem Kongreß der Jugend, hinter der als einzige Macht die Idee stand, erwartet; sie sind auch nicht eingetreten. Und trotzdem kann es einst von politischer Bedeutung werden, daß in ebendenselben Wochen, da in Genf das praktische Versagen des Völkerbundes zutage trat, Jugend aus aller Welt sich zusammenfand, um dereinst der Welt den Frieden zu erkämpfen; daß sie mit den verschiedensten Ideen der Verwirklichung kam und sich doch nach den Spannungen der ersten Tage vom Menschlichen her zusammenfand und im Ziel einig war; daß von dieser Jugend jede ihren gesonderten Weg gehen, bestehende Gegensätze nicht mit der unverbindlichen Höflichkeit der Diplomaten übertünchen, sondern bis zur Klärung ehrlich austragen wird und trotzdem schon in schwerem Ringen den Grundstock gelegt hat zu der Gesinnung, die allein zum wahren Frieden führen kann: Der Achtung vor dem Menschen über alle sachlichen Gegensätze hinweg, und dem Wissen, daß die Sehnsucht nach Freiheit und Brüderlichkeit in allen Rassen, Bekenntnissen, Nationen und Klassen ihren Sitz und darum ihr Recht auf Verwirklichung hat. Lehrkurse der Israel.kultusgemeinde München Beinahe schon sind die Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde München Traditon geworden. Auch in diesem Jahre wird wieder eine Reihe von Vorträgen unter dem gemeinsamen Titel „Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde München" stattfinden. „Lehrkurse", dieser Titel ist für die Veranstaltungen einer jüdischen Kultusgemeinde bezeichnend und — ihrer würdig. — Man hat bei den während der letzten Jahre veranstalteten Lehrkursen die Erfahrung gemacht, daß nur die Vorträge hervorragender Wissenschaftler gut besucht waren, während der Besuch anderer Veranstaltungen zu wünschen übrig ließ. Dies ist verständlich, wenn man die außerordentliche Fülle von Vorträgen und sonstigen künstlerischen Veranstaltungen bedenkt, mit denen die Lehrkurse im Laufe eines Winters konkurrieren müssen. Will man diesen Konkurrenzkampf mit einiger Aussicht auf Erfolg aufnehmen, so kann das Beste gerade nur gut genug sein. Schon im Vorjahre hatte die Leitung der Lehrkurse Herrn Universitätsprofessor Dr. Strich der Universität München zu einer Reihe von Vortragsabenden gewonnen. Leider mußte dieser Vortragszyklus damals in letzter Stunde abgesagt werden. Nunmehr wird Professor Dr. Strich am 5. und 8. November 1928 über „Die jüdischen Dichter in der modernen deutschen Literatur" sprechen. Ein Thema von gewichtigem Inhalt, wenn wir an Namen, wie Arnold und Stefan Zweig, Wassermann, Werfel, Brod, Döblin liiimiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiuiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiimiiiiwiiimiimiiii. A"*b”‘ KUNST-GEWERBEHAUS r*"“ Fuggerstr.l4a . ' Fernsprecher 525 iiiiiiiiiiiiiiliiiiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin

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