Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 20 (15.10.1928)
- Article
- Polizeilicher Angriff auf betende Juden vor der Jerusalemer Klagemauer am Jom Kippur
- Date
- 1928-10-15
- Page
- Seite 317 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 20 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 317 In Augsburg Hotel Bayerischer Hof I wohnt man gut und billig im DWWWMW^ Grundstück ihnen gehöre. Die Moslemiten befürchten, daß, wenn den Juden erlaubt sein würde, Stühle mitzubringen, sie dann befestigte Bänke aufstellen würden, und nicht lange darnach würden sie einen gesetzlichen Anspruch auf das Grundstück auf Grund des „Ersitzens" erheben. So sehr die Administration mit den betenden Juden an der Klagemauer smpathisiere, so gebiete es ihr doch die Pflicht, den status quo zu respektieren. Die Besitzverhältnisse an der Klagemauer könnten nur durch ein Abkommen zwischen den Moslemiten und den Juden geregelt werden, die Regierung würde ihr äußerstes tun, um das Zustandekommen eines solchen Vertrages zu fördern. Besonders aufschlußreich über die historischen und rechtlichen Verhältnisse an der Klagemauer (westliche Tempelmauer) sind die Ausführungen des Vizebürgermeisters von Jerusalem, Prof. David Pellin, die dieser anläßlich seines Berliner Aufenthaltes machte. Prof. Pellin begann mit dem Hinweis auf die biblische Erzählung, daß an dem Salomonischen Tempel 150 000 Juden gearbeitet haben. Auch der Tempel des Herodes war jüdisches Werk. Die westliche Tempelmauer bildet den Rest der jüdischen Denkmäler in Palästina. Sogar zur Zeit des Königs Hadrian, der den Heidendienst einführte, war es den Juden erlaubt, einmal im Jahre bei der Ternpelmauer zu weilen, zu beten und zu klagen. Seit Jahrtausenden also haben die Juden dieses Recht auf das einzige authentische Monument aus der Zeit ihrer nationalen Staatlichkeit. Prof. Pellin erinnerte an das Talmudwort: „Meolam lo sasa ha'schechina mi kothel hamaalawi" (seit Ewigkeiten entfernte sich die Schechina nicht von der Westmauer). Vor ungefähr vierzig Jahren, als der Platz vor der Tempelmauer, der auch als Straße dient (verbriefte Grundbesitzrechte auf den Platz haben die Muselmanen nicht), in einem sehr desolaten Zustande war, haben allein die Juden den Platz neu gepflastert; aus eigenen Mitteln und durch eigene Arbeit. Kein Muselman hatte damals etwas dagegen einzuwenden. Ich, als geborener Palästinenser (schon die Eltern Pellins waren in Jerusalem geboren), erinnere mich sehr genau an diese Tatsache. Dann kam eine Zeit, wo die in schmutzigen Ruinen vor der Klagemauer hausenden Araber geneigt waren, ihren ganzen Grundbesitz zu verkaufen. Da aber der Boden Wakf-Boden (der moslemitifchen Kirche gehörig) ist, konnte ein Besitzwechsel nur im Wege eines Bodenaustausches geschehen. Die moslemitifchen Anwohner hätten neuen Boden und neue Häuser für ihre alten Ruinen erhalten. Als Baron Edmund de Rothschild zum ersten Male in Jerusalem weilte, nahmen diese Verhandlungen einen günstigen Verlauf; aber unabhängig von den Moslemiten hatten sie sich später zerschlagen. Seit sich nun der übrigens erst seit sechs Jahren existierende Moslem Supreme Council in die Sache einmischte, wird die Lage kompliziert. Jeder kleinste Renovierungsversuch seitens der Juden wird gestört. Die Stühle, die sich die alten Leute mitbrachten, um in den Gebetspausen auszuruhen, mußten entfernt werden, obwohl das Benutzen der Stühle von altersher Brauch war, wie dies auf alten Bildern und Photographien zu sehen ist. Prof. Pellin fuhr fort: Die Christen haben ihre Grabeskirche, die Mohammedaner ihr religiöses Heiligtum, die Juden haben nur ihre Klagemauer, vor der sie beten. Dieses Heiligtum wird umgrenzt von schmutzigen alten Häusern, man kommt dahin durch enge, schmutzige Gassen, durch die die Mohammedaner, um zu schikanieren, gerade in der Gebets- und Besuchszeit Esel mit schmutzigen Lasten 'traben lassen. Die Hygieneverhältnisse sind furchtbar. Welchen Eindruck muß der Tourist gewinnen, der das jüdische Denkmal sehen will. Durch einen Austausch der umliegenden Ruinen gegen bessere Wohnhäuser würden die Mohammedaner gewinnen, die baufälligen Häuser der Umgegend der Mauer würden abgetragen werden, so daß der Platz der ganzen Welt offen bleiben würde. Schon König Salomo erwähnte, daß der Tempel allen Völkern der Welt offen stehen soll. Es ist nicht nur Sache der Juden, schloß Prof. Pellin, sondern die der ganzen zivilisierten Welt, die einen Sinn für Monumente von Religion und Geschichte hat. daß diesen skandalösen Zuständen ein Ende gemacht wird. Als es hieß, daß der alte jüdische Friedhof in Prag der städtischen Assanierung zum Opfer fallen soll, da hat der internationale Verein zur Erhaltung historischer Denkmäler protestiert; wäre es nicht am Platze, daß auch hier die internationalen Kreise, die ein Interesse an Monumenten der Geschichte haben, eingreisen? Der alte Streit um die Klagemaur hebt nunmehr von neuem an. Von allen Seiten liefen Proteste bei den maßgebenden Stellen über die neuen Vorkommnisse ein. In ganz Palästina wurden große Protestkundgebungen veranstaltet; am 27. September trat die ganze Judenheit in allen Städten und Dörfern Palästinas in einen einftündigen Proteststreik. Es ist tief bedauerlich, daß nach den großen Anstrengungen der letzten Jahre es nicht gelungen ist, die Verhältnisse an der Klagemauer zu ordnen und derartige Vorkommnisse zu verhindern. Sejeiljchakt zur Crforfchung jüdischer kunstdenkmSler Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler veranstaltete anläßlich ihres 30jährigen Bestehens eine Ausstellung in Frankfurt a. M., die hier erstmalig einen Überblick über das reiche Material, das die Gesellschaft im Laufe dieser Jahre in allen Ländern gesammelt hat, gab. Um auch den alten Familienbesitz zu zeigen, hatte die Gesellschaft ihre Mitglieder gebeten, die Ausstellung durch Leihgaben zu erweitern. Es bot sich somit ein Einblick in ein bisher der weiteren Öffentlichkeit noch völlig unbekanntes Gebiet. Die Publizierung der sehr reich beschickten Ausstellung ist in den Notizblättern 19 und 20 der Gesellschaft bereits begonnen worden, und zwar so, daß damit für die in Betracht kommenden Gebiete eine Ergänzung der bisher von der Gesellschaft veröffentlichten Forschungsresultate erzielt worden ist. Die reich illustrierten Veröffentlichungen werden in den nächsten Notizblättern, die den Mit- DARMSTÄDTER UND NATIONALBANK Kommanditgesellschaft auf Aktien Filiale München, Ottostr. 4 Depositenkassen: Bayerstraße 8 (am Hauptbhf.) Sendlingertorplatz 10 Marienplatz 11—12 Valleystr. 7 ° Großmarkthalle) Odeonspl. 6 (Ecke Galeriestr.) Wörthstr. 51 (Ostbahnhol) Zweibrüchenstraße 2 (Isartorplatz) Errichtung von Sparkonten gegen Banksparbiicher (für Einlagen in beliebiger Höhe bis zu RM. 10000.—) Zinssatz: Kapital und Reserven 115 Millionen Reichsmark täglich fällig.zur Zeit 5% p. a. nach 1 Monat fällig % entsprechend „ / erhöhte Zinssätze