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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-10-02 · 19 (2.10.1928) · p. Seite 305

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
19 (2.10.1928)
Article
Seligmann Baer Bamberger
Date
1928-10-02
Page
Seite 305 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 18 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 305 neu Energie 1864 eröffnen konnte. Die noch heute bestehende Anstalt ist in bayerischen und außerbayerischen Kreisen zur Genüge in der Kraft ihres Segens bekannt. Bambergers Art war äußerste religiöse Gewissenhaftigkeit. Trotzdem und daneben hat er sich ein starkes jüdisches Gemeinschaftsgefühl gewahrt. Man wird wohl nicht ganz fehl gehen, wenn man in dieser seelischen Einstellung die Grundlage seiner bedeutsam gewordenen Entscheidung in der Frage der Gemeindezusammengehörigkeit gegen Hirsch sieht: eine Entscheidung, die im weiteren Verlauf der Entwicklung die theoretische Begründung der „Einheitsgemeinde" geworden ist. Neben all diesen umfassenden Arbeiten verwaltete Bamberger die Arbeit seines Amtes mit rührender Sorgfalt und übte in einer Zeit, in der man von Organisation noch nichts wußte, eine umfangreiche Tätigkeit auf charitativem Gebiete, insbesondere auch für Erez Jisroel aus. Einmal hat er auch in den Emanzipationskampf der deutschen Juden eingegriffen. Anläßlich einer Verhandlung im bayerischen Landtag ließ er 1850 „einige Worte des Aufschlusses im Betreffe der Emanzipation der Juden" erscheinen. Man wird nicht fehlgehen, wenn man behauptet, daß Bamberger die Entwicklung des jüdischen Lebens in Würzburg und Unterfranken und sicherlich weit darüber hinaus in hohem Maße beeinflußt hat. Heute gehört sein Bild bereits der Geschichte an. Die Gemeinde Würzburg wird ihres großen Führers in Dankbarkeit gedenken, aber weit über den engen Rahmen der Gemeinde hinaus werden alle diejenigen, die sich zur Fahne des traditionellen Judentums bekennen, die Erinnerung an diesen Godaul bejissroel als Mahnung und Ansporn auf sich wirken lassen. Zur Eröffnung des jüdischen lugendvereins Augsburg Referendar Dipl.-Volkswirt vr. jur. Waitzfelder Wenn die jüdische Jugend Augsburgs in diesen Tagen nach mehrjähriger Arbeitspause wieder im jüdischen Jugendverein sich zusammensindet, um ihr inneres jüdisches Leben und jüdisches Wissen zu reicher Entfaltung zu bringen, wird unter den vielen äußeren Antrieben zu diesem würdigen Tun der Geist unserer Vaterstadt ein nicht unvermögender sein. Ja dieser wird vielleicht intensiver als viele anderen Anstachelungen zu jüdischer Arbeit in Augsburg infolge seiner Unmittelbarkeit sich auswirken, es wird dieser Geist der altehrwürdigen Renaissancestadt, die zugleich einer der modernsten Industriestädte ist, der Geist des Festhaltens am Alten, Bewährten, und des Dochnichtstehenbleibens in die von so vielen und vielartigen jüdischen Zeitstimmen verwirrte jugendliche Seele eindringen und dem Durcheinander ein Ende dadurch bereiten, daß er sich gleichsam in der einzelnen jugendlichen Seele verwirklicht als Hinweis auf die Vergangenheit und zugleich als Forderung, in die Gegenwart und die Zukunft die Blicke zu lenken. Es ist heute der jüdischen Jugend nicht leicht gemacht, bei dieser Vielfalt von religiösen und politischen Richtungen sich zurechtzusinden. In dem Unterricht wird man wohlweislich sich jeglicher politischer oder gar tendenziöser Erörterung enthalten, ganz abgesehen davon, daß der in der Schule zu bewältigende Stoff eine Behandlung der Zeitprobleme nicht zuläßt. Im Elternhause findet der Jugendliche auf Seiten der Erwachsenen zuweilen Gleichgültigkeit jüdischen Dingen gegenüber und wenn eine solche nicht vorherrscht, vielfach scharf entgegengesetzte Stellungnahme (die auch zu tragischem Familienkonflikt sich steigert) oder nicht selten friedliche Harmonie der Meinungen, eine oft nicht organisch herausgebildete häusliche Einigkeit. So ist es sehr wünschenswert, eine Institution zu schaffen zum Zwecke der religiösen und politischen Orientierung der jüdischen Jugend, zum Zwecke der Klärung, Ordnung in den jugendlichen Gemütern. Und daß solcher Bestrebung im Jüdischen Jugendverein Augsburg der kräftige Antrieb und die Gewähr einwandfreier, dem DAHARMI HRMCmvOLKERT MÖNCHEN MAXIMILIANSTR. 41 Die alte Spezialfirma für die gepflegte Qualitätszigarre Zwecke entsprechender Arbeitsweise gegeben ist, dafür spricht eben gerade jener erwähnte wirkende Geist unserer Stadt, der unsere Blicke rückwärts und vorwärts zu lenken gebietet. Indem aus dem Borne jüdischer Vergangenheit, sei es durch Vorträge, sei es durch Arbeitsgemeinschaften dem Jugendlichen so viele und so hohe Werte als nur möglich vermittelt werden, indem dieser also durch die Wucht der in sich ausgenommen historischen Gegebenheiten in seinem Judesein gekräftigt, seelisch und geistig gefestigt wird, wird gleichzeitig die innere Reife, die Fähigkeit zur positiven Auseinandersetzung mit den jüdischen Zeitproblemen herangebildet. Und diesen ist ja auch in reichlichem Maße dadurch Rechnung getragen, daß das Programm des Jüdischen Jugendoereins Augsburg die Heranziehung der führenden Köpfe aus allen religiösen und politischen jüdischen Lagern vorsieht. Wenn der Jüdische Jugendverein Augsburg nun mit der Entfaltung seiner Tätigkeit anhebt, so ist das eine Angelegenheit der ganzen Gemeinde. Es bedarf keines Hinweises auf die Tendenz unserer Zeit der Verdrängung des Seelischen und somit des Religiösen, Jüdischen, und wenn eine Generation als dringlichste Ausgabe die Erhaltung einer Jahrtausend alten bewährten Tradition zu bewerkstelligen hat, so ist es die jüdische Generation unserer Tage. Sie darf an keiner Möglichkeit vorübergehen, die der Pflege des Jüdischen, besonders durch die Jugend, dienen könnte, sie muß ihr ganzes Bestreben auf die jüdische Aufrüttelung, jüdische Ertüchtigung der Jugend richten. Denn diese ist es, die heranwächst un!> die, wenn die Zeit gekommen, an die Stelle derer treten wird, die nun sind, und wenn den Kommenden die Fähigkeit ermangeln würde, das Erbe anzutreten, was wäre der Lebenssinn und Lebenswert der Heutigen und der Nichtmehrseienden? So sei der Jüdische Jugendverein Augsburg eine Angelegenheit der ganzen Gemeinde! Jeder helfe auf feine Art, trage bei zu dem Ertüchtigungs- und Rüstungswerke! Nur derjenige ist einer so hehren Idee, wie der jüdischen, würdig, der für sie lebt, um sie weiterzugeben. Von Geschlecht zu Geschlecht. Cafe Luitpold — Palmengarten Tabarin Luitpold neue Leitung: Hans Keckeisen Erstklassige Küche u. Wirtschaftsführung jeder Art zu mäßigen Preisen . Täglich nachm, und abends Konzert, ItllJlirill täglich Künstlerprogramm mit Tanz Telephon 900 65, 92 7 99 J. SCHRAMM

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