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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-09-13 · 17 (13.9.1928) · p. Seite 277

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
17 (13.9.1928)
Article
Inhalt
Date
1928-09-13
Page
Seite 277 (sequence 1)
Language
German
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Homerische IsraelMsche Gemeinüezettung Rachrichtenblatt üer Israelitischen Kultusgememöen in München unö Augsburg unö öes Verbanöes Vogerischer Israelitischer Gemeinöen Erscheint am i. unö 15. jeöen Monats. — verlas: V. Heller, München, Yerzog-Mar-Straße 4, Fernruf 93099/ Postscheckkonto München Ne. J9&7* Schristleitung: vr. Eugen Schmlüt, Rechtsanwalt ln München, Karlstraße 6. Vezugspreis für nicht elngewlesene Lezieher: Reichsmark 4.S0 für öas Jahr. Anzeigenpreis: Ole 4 gespaltene Millimeter-Feile 40 Reichspfennlg Familienanzeigen, Stellengesuche unö ähnliche Angebote 15 Reichspfennlg 192$ München, 15. September Ar. 17 Inhalt: Natur und Kindermund — Die Reichsarbeitsgemeinschaft tritt in die praktische Arbeit ein — Protokoll der Verhandlungen der sechsten Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden in Bamberg am 17. und 18. Juni 1928 — Aus der Gemeinde München — Lehrerzeitung — Bücherschau — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden — Bekanntmachung über Ersatzwahl — Bekanntmachung über die Beamtenbezüge ab 1. Oktober 1927 — Personalia Natur und Kindermund Eine Betrachtung zum Neujahrsfeste von Bezirkörabbrner Dr. Salomon Stein- Schweinfurt Am 1. Tischri ist die Welt geschaffen worden. Wir zählen darum nach dem 1. Tischri die Jahre seit der Erschaffung der Welt. Die talmudische Überlieferung stellt dabei gleichzeitig fest, „daß alle Geschöpfe des Anfangs in ihrer vollen Schönheit geschaffen wurden" (bezibjaunom nibron). Die reinste Kunst, die vollendetste Schönheit, die vollkommenste Zielstrebigkeit zeichnet alle von Gott geschaffenen Wesen aus und demgemäß die ganze Natur. Wer wüßte das nicht, wer nur immer es versteht, sich mit verständigem Sinn und mit einem empfänglichen Herzen in die Natur zu versenken? An dem Tage aber, an dem die Welt ihr GeburtSfeft feiert, ist es sicher nicht unangebracht, sich einmal mit jenen Fragen zu befassen, die wir die letzten Fragen des Daseins nennen, zu sprechen von Gott und Welt und Mensch und von den Beziehungen, die sie untereinander verknüpfen. Das sind so schwere Fragen, daß sie sich kaum in zureichendem Maße in einer Neujahrsbetrachtung in rein theoretischer Behandlung entwickeln ließen. Darum wählen wir als Unterlage für unsere Betrachtung einen Psalm, in dem wenigstens ein Teil dieser Probleme geift- und gemütsvoll in anschaulicher Weise behandelt wird. Es ist der 8. Psalm, den wir im Auge haben, ein Psalm, klein zwar an Umfang, aber schier unerschöpflich an Inhalt. Das kann man schon daraus ersehen, daß die Weisen Israels nicht müde werden und sich nicht genug tun können in geistreichen Bemerkungen zu diesem wunderbaren Erguß der frommen Dichter-Seele. Der Psalm lautet: „Ewiger unser Gott, wie mächtig ist doch Dein Namen über die ganze Erde hin! Aus dem Munde der lallenden Kinder und der Säuglinge hast Du Dir eine Macht begründet, um zum Schweigen zu bringen den rachsüchtigen Feind. Wenn ich anschaue Deinen Himmel, das Werk Deiner Finger, den Mond und die Sterne, die Du gegründet hast, was ist dann der Menschensohn, daß Du seiner gedenkest, und der Sterbliche, daß Du auf ihn achtest? Und doch hast Du ihn nur wenig fehlen lassen am göttlichen Wesen, hast ihn gekrönt mit Ehre und Glanz. Du setzest ihn ein zum Herrscher über das Werk Deiner Hände, alles hast Du ihm unter seine Füße gelegt, Schafe und Rinder alle und auch das Getier des Feldes, die Vögel des Himmels und die Fische des Meeres, die da durchziehen die Pfade der Meere. Ewiger, unser Gott, wie machtvoll ist doch Dein Namen über die ganze Erde hin!" Eines steht jedenfalls für den Psalmiften unerschütterlich fest. Das ist das Dasein Gottes. Man könnte meinen, daß er bemüht sein sollte, uns dasselbe zu beweisen. Das ist aber nicht der Fall. Gottesdasein braucht keinen Beweis. Und wenn der Dichter dennoch Hinweise auf das Dasein Gottes bringt, so tut er das nur, um darzutun, wie diese verschiedentlich möglichen Betrachtungen, die auf Gott hinzielen, auf uns Menschen, auf unser Gemüt und unfern Willen wirken. Wir werden das bald sehen. Zwei Seiten der Betrachtung gibt es, die uns unmittelbar zu Gott hinführen. Der Dichter schaut hinauf zum Himmel, zum Sternenhimmel. Diese majestätische Machtfülle, diese uhrenmäßige Pünktlichkeit und Regelmäßigkeit, diese Ordnung und Gesetzmäßigkeit ruft des Dichters volle Bewunderung hervor. Anbetend sinkt er hin und seinen Lippen entströmt der begeisterte, wonnetrunkene Ausruf: „Ewiger, unser Gott, wie mächtig ist doch Dein Namen über die ganze Erde hin, der Du Deine Majestät begründet hast am Himmel!" So sicher sich nun aber auch das Vorhandensein Gottes uns bei der Betrachtung des Weltstoffes und der Weltenkörper aufdrängt, so bedeutet dieser Hinweis doch mit Nichten den höchsten Triumpf des Dichters. Materie und Geist, Räumlichkeit und Bewußtsein, Ausdehnung und Denken sind auch nach der philosophischen Auffassung die an sich verschiedenen Grundformen, unter denen unser wahrnehmender Verstand die Wirklichkeit ersaßt. Ungleich beweiskräftiger aber als die Betrachtung des Stoffes der Welt

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