Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 15 (15.8.1928)
- Article
- Arbeitsgemeinschaft "Jüdische Gefährdetenfürsorge"
- Date
- 1928-08-15
- Page
- Seite 257 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 257 TßndmMLi A/» 'Trms^mepde fr Aass -Schneiderei — Ajodisches Beiwerk. Vereine Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Gefährdetenfürsorge" Zu einer zahlreich besuchten Sitzung waren die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Gefährdetenfürsorge" im Anschluß an die letzte Sitzung des Wohlfahrtsausschusses des Preußischen Landesverbandes zusammengekommen. Durch den Vorsitzenden, Sanitätsrat 0r. Seeligsohn wurde über den Stand der Erziehungsberatung für schwer erziehbare psychopathische Kinder in den einzelnen jüdischen Gemeinden und über die weiteren Pläne zum Ausbau derselben berichtet. Richtlinien hierfür lagen der Arbeitsgemeinschaft in 2 Entwürfen vor; diese sollen demnächst nach einer weiteren Beratung der Kommission für Psychopathenfürsorge den einzelnen jüdischen Gemeinden zugehen. Eine rege Aussprache entspann sich über die Mitarbeit der jüdischen Wohlfahrtspflege bei der Sozialen Gert chtshilse. Diese neue Einrichtung ist in den e.nzelnen Stödten ganz verschiedenartig organisiert. Wer auch immer aber der Träger sein mag, ist anzustreben, daß jüdische Fälle grundsätzlich den jüdischen Wohlsahrtsstellen sowohl zum Zwecke der Ermittlung als auch zur Übernahme der Schutzaufsichten überwiesen werden. Über Wesen und Ausgaben der sozialen Gerichtshöfe im einzelnen und der Mitarbeit der jüdischen Wohlfahrtsämter wird demnächst besonders berichtet. — Mit besonderem Interesse wurde der Bericht des Hilfsvereins der deutschen Juden über die Überwachung der Auswanderung entgegengenommen. Eine Zusammenarbeit zwischen dieser Tätigkeit, der Bahnhofshilse des jüdischen Frauenbundes und der örtlichen Wohlfahrtspflege scheint zur Intensivierung der Arbeit erforderlich zü sein. Schritte hierzu werden daher im Laufe des Winters in die Wege geleitet werden. — Wie aus einem weiteren Bericht über den Stand der Zufluchts- und Bewahrungsheime hervorging, bestehen im Augenblick Zusluchtsheime bezw. Einzelzimmer für vorübergehende Aufnahme von Frauen und Mädchen in: Berlin, Breslau, Frankfurt a. M., Hamburg, Köln, Leipzig, Ludwigshafen, München, Neustadt a. d. H. Die Schaffung von Zufluchtsheimen für männliche Jugendliche wird als eine der nächsten und wichtigsten Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft in Angriff genommen werden. — In der Aussprache wurden schließlich noch Vorschläge über die Errichtung eines Vewahrungsheimes gemacht. 5lus dem Verbände Or. Stegbert Dreifuß Justizrat 2r. Siegbert Dreifuß in München ist am 5. August 1928 nach längerer Krankheit verstorben. Der Heimgegangene war seit Bestehen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden Mitglied der Tagung. In Anerkennung seiner vielfachen Leistungen und Kenntnisse auf jüdisch-politischem Gebiet wurde er alsbald zum Vorsitzenden des Revisionsausschusses gewählt, in welcher Eigenschaft er sich jedes Jahr der verantwortungsvollen Arbeit unterzog, über das gesamte Rechnungs- und Kassawesen des Verbandes nach gewissenhafter Prüfung ein außerordentlich klares Referat zu erstatten. Er hat bei keiner Tagung gefehlt und nahm an diesen Sitzungen stets mit regstem und wärmstem Interesse teil. Allen Mitgliedern des Verbandes ohne Rücksicht aus Partei war der Entschlafene ein lieber Freund, und sein kluger Rat war auch außerhalb der offiziellen Sitzungen, besonders innerhalb der liberalen Partei, welcher er angehörte, oft von ausschlaggebender Bedeutung. Dem schweren Verlust, welchen unser Verband durch den Tod dieses hervorragenden Mitgliedes erlitten hat, gab der Präsident der Tagung, Herr Oberstlandesgerichtsrat Professor Dr. Silberschmidt, bei der am 7. August im jüdischen Friedhof in Schwabing stattgehabten Beerdigung beredten Ausdruck. Er betonte hierbei, daß der Verlebte ebenso durch sein reiches Wissen wie durch sein ausgeglichenes, ruhiges und vornehmes Wesen, sowie sein abgeklärtes Urteil einen großen Einfluß innerhalb des Verbandes gewonnen und alle Mitglieder zu seinen Freunden gemacht hat. Das Andenken dieses ausgezeichneten Mannes wird in den Kreisen unseres Verbandes unvergessen bleiben. plus der öemeinde München Eisenbahnunglück Berichtigung. In der in Nr. 14 unter dieser Überschrift erschienenen Notiz muh es statt vr. Rosenberger heißen: Geh. Hofrat Dr. Doernberger. Albert Nußbaum Am 26. Juli starb in der Vollkraft seiner Jahre, 61 Jahr alt, Rechtsanwalt Albert Nußbaum in München, ein Mann von seltenen Gaben. Neben seiner beruslichen Arbeit — er war Verteidiger von Format und genoß durch seine vornehme und sachliche Art hohes Ansehen — galt sein Interesse der Politik. Als Führer der sozialdemokratischen Stadtratssraktion hatte er zeitweise entscheidenden Einfluß auf die Leitung der Geschicke seiner Vaterstadt. Mit anderen politischen Persönlichkeiten wurde er bei den Unruhen des Jahres 1923 von einer verantwortungslosen Gruppe als Geisel gefangen gesetzt, das Mißlingen der seinerzeitigen Aktion brachte den Gefangenen die Freiheit. Wenn Nuhbaum auch infolge seiner vielseitigen anderweitigen Tätigkeit mit jüdischen Dingen weniger befaßt war, so hat er doch bei verschiedenen Gelegenheiten bewiesen, daß auch die jüdische Sache sein Herz hatte. Der plötzliche Tod des ausgezeichneten Mannes bedeutet für alle, die ihn kannten, einen schweren Verlust. Priv. Realschule von JakobSeifensieder vormals Institut Gombrich Nürnberg Lehrplan der staatlichen Realschulen mit Handelsabteilung. Kleine Klassen. Vorzügliche Schulerfolge. Obertritt ohne Verlust eines Jahres. Bestempfohlenes Schülerheim