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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-07-15 · 13 (15.7.1928) · p. Seite 216

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
13 (15.7.1928)
Article
Dr. Max Freudenthal zu seinem 60. Geburtstag
Date
1928-07-15
Page
Seite 216 (sequence 2)
Language
German
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216 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 13 zu gewinnen für die Würdigung unseres verehrten Jubilars und seines Wirkens. Das Nürnberg-Fürther Jsr. Gemeindeblatt verdankt in hervorragendem Maße sein Entstehen der besonderen Tatkraft des Jubilars und erfreut sich nicht minder seiner ständigen wertvollen Mitarbeit und Förderung. Aber auch seine Gesamtwirksamkeit in der Gemeinde Nürnberg und darüber hinaus erheischt eine Darstellung und Würdigung. Der Name Freudenthal ist mit der Entwicklung der Nürnberger Kultusgemeinde untrennbar verbunden und mit unoerlöschbaren Zügen in ihre Geschichte eingegraben. Wohl auf allen Arbeitsgebieten der Gemeinde, deren Aufgabenkreis unter seiner Amtszeit stets an Umfang und Inhalt zunahm, betätigte sich Freudenthal schöpferisch, gestaltend und umbildend nicht bloß aus seinem Berufe, sondern aus der überströmenden Kraft seiner inneren Persönlichkeit heraus. In ihr liegen reiche Schätze einer selten vielseitigen Begabung, eines umfassenden Wissens und einer tiefgründigen Wissenschaftlichkeit, einer rhetorischen und dialektischen Meisterschaft verborgen, die durch vorbildliches Pflichtbewuhtfein und eine nie versagende Energie stets nutzbringend zutage gefördert werden. Die Gründung und der Ausbau der Zentralen Wohlfahrtsstelle mit ihren verschiedenen Fürsorgeämtern, die Erweiterung der Gemeindebibliochek zu einem Instrumente allgemeiner Belehrung durch Einführung öffentlicher Vorträge sind deutliche Spuren solchen Strebens, das Freudenthal stets mit den Erfordernissen der Zeit in Einklang zu bringen weiß. Dieser Sinn für die Realität des Gebens, geboren aus seiner wissenschaftlichen und religiösen Überzeugung, kommt ferner in seiner Wirksamkeit in Synagoge und Schule zur Geltung. Aus seinen tiefschürfenden formvollendeten Predigten, die nicht bloß erbaulichen und belehrenden, sondern auch reinen ästhetischen Genuß gewähren, weht immer der frische Geist des modernen Denkers, der mit den Strömungen und Strebungen der Zeit gar wohl vertraut ist und sie in die Welt des Religiösen einzubauen vermag. Sein Mühen um die stetige fortschrittliche Ausgestaltung des Gottesdienstes liegt in dieser Richtung. In der Leitung des Religionsunterrichtes suchte er gleichfalls neuen pädagogischen Ideen zum Durchbruch zu verhelfen. So ebnete er, so weit wie möglich, moderner Methodik im Ünterricht den Weg, dem Erziehungsziele der Schule leistete er wertvolle Dienste durch Anbahnung und Kräftigung der Beziehungen zwischen Schule und Haus in Veranstaltungen, wie Erziehungswoche und Elternabende. Die Stärke Freudenthalscher Persönlichkeit liegt darin, daß sie weit hinausschwingt über die Grenzen des amtlichen Dienstes und der örtlichen Gemeinschaft. Der Verbreitung jüdischen Logen als Pflegestätten jüdischer Gesinnung und Tat hat Freudenthal stets vollste Förderung angedeihen lassen. Die Gründung einer zweiten Bne-Brit-Loge in Nürnberg ist sein Verdienst. Auch in anderen Gemeinden half er den Boden bereiten für die fruchtbare Aufnahme des Logengedankens, und im Rat der Großloge konnte er erst recht dem Logenideal wirksam dienen. An die breiteste Öffentlichkeit wandte er sich durch bedeutsame wissenschaftliche Arbeiten, die hauptsächlich die Geschichte des Judentums befruchten und die sich durchwegs durch tiefe Gründlichkeit auszeichnen. In erster Reihe steht wohl das bedeutende Quellenwerk „Die Familie Gomperz" (Kaufmann-Freudenthal), das von David Kaufmann, Budapest, begonnen und auf Veranlassung Branns, .Breslau, von Freudenthal in geradezu historisch mustergültiger Weise fortgesetzt und vollendet wurde. Ferner sei auf das kürzlich erschienene Quellenwerk „Die Leipziger Meßgäste" hingewiesen, das als Fortsetzung und Vollendung der schon früher in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlichten Aufsätze angesehen werden muß. Anläßlich des fünfzigjährigen Jubiläums Kraftfahrzeuge, Blutenburgstraße 91 Telephon 63 457 JuLSchreiner OPEL / STUDEBAKER Vertretung / SpeziabReparaturwerkstätte / Günstige Ratenzahlungen schrieb Freudenthal „Die israelitische Kultusgemeinde Nürnberg 1874 bis 1924" ein Werk, dessen kulturhistorische Bedeutung über den Rahmen einer Lokalchronik weit hinausgeht. Sein „Kriegsgedenkbuch" enthält wertvolle Zeugnisse für den vaterländischen Geist der Juden in schwerer Kriegszeit und bedeutet für die gefallenen Helden unserer Gemeinde ein dauerndes Denkmal. XJn die Reihe der geschichtlichen Schöpfungen gehört noch die Schrift „Aus der Heimat Mendelssohns" und aus dem religions-wisfenschaftlichen Gebiete sei sein von der Fachkritik freudigst begrüßtes Religionsbuch für die Oberklassen der Gymnasien und Töchterschulen tzervorgehoben. Weil der Sinn Freudenthalscher Arbeit immer und überall erkennbar auf das Gesamtwohl des Judentums gerichtet ist, brachte man ihm dortselbst in allen Lagern Vertrauen entgegen, schätzte man seine Mitarbeit hoch ein und unterwarf sich gerne seiner Führerschaft. Die Freie Bayerische Rabbinerkonferenz, der orthodoxe und liberale Rabbiner angehören, übertrug ihm das Amt des ersten Vorsitzenden. Unbeschadet seines eigenen religiösen Standpunktes verstand er es hier die verschiedenartigen Interessen und Strömungen der Standesorganisation zu gemeinsamem Willen und fruchtbarer Arbeit zu vereinen. Der gleiche zielbewußte, immer auf das Ganze gerichtete Wesenszug Freudenthals tritt bei seiner Tätigkeit im Verbände Bayerischer Israelitischer Gemeinden in Erscheinung, dessen zweiter Vorsitzender er ist' und an dessen gedeihlicher Entwicklung er gewiß keinen geringen Anteil hat. — Bei seiner entschieden religiös-liberalen Gesinnung darf als selbstverständlich vorausgesetzt werden, daß er mit Eifer und Wärme sich in den Dienst der liberalen Bewegung stellte. Er gehört zu den führenden Persönlichkeiten des liberalen Judentums Deutschlands; an der Begründung der Vereinigung für das liberale Judentum ist ihm ein wesentliches Verdienst zuzuschreiben. Wer wie Freudenthal an einer höheren Jahrzehntswende seines Lebens auf eine solch reife Saat dauernder Werke blicken kann, dem spendet die Vergangenheit Befriedigung und Ansporn, die Zukunft Zuversicht und Hoffnung. Diese wollen wir in den Wunsch kleiden, daß Freudenthal noch recht viele Jahre in altbewährter Schaffenskraft seine umfassende und erfolgreiche Tätigkeit fortsetzen möge zur Freude der Seinen, zur Ehre und zum Segen der Gemeinde und des gesamten Judentums. IT H A U S DER Q U A L I 7 Ä T S S T 0 F F E 4 r! MÜNCHEN STARK & Cil NÜRNBERG KARLSPLATZ 5 LUITPOLDSTRASSE 11

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