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Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern · 1928-07-01 · 7 (fehlt an der UB FFM) (7.1928) · p. Seite 15

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Journal
Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1928
Issue
7 (fehlt an der UB FFM) (7.1928)
Article
Zur Erinnerung an Dingfelder
Date
1928-07-01
Page
Seite 15 (sequence 2)
Language
German
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15 Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern Nr. 7 1925 referierte Dingfelder über die Beamtenordnung des Verbandes. 1926 erstattete er Bericht über: „Arbeit und Aufgaben des Israelitischen Lehreroereins in Bayern. Rückblick und Ausblick." Seine Tätigkeit in der Verwaltung, die im einzelnen hier zu schildern unmöglich ist, möge lediglich durch einige Zahlen illustriert werden. Er trat 1899 in die Verwaltung ein, übernahm 1913 den Posten des Schriftführers und führte feit 1. Januar 1920 das Amt des 1. Vorsitzenden. Im Jahre 1924 wurde zur Feier seiner fünfundzwanzigjährigen Verwaltungstätigkeit aus Sonderbeiträgen der Mitglieder eine Stiftung auf. seinen und seiner Gattin Namen errichtet. — In der Frage der jüdischen Volksschule trat Dingselder außer in vielen kleineren Arbeiten besonders in einer gemeinsam mit dem sei. Realschullehrer Dr. S. Adler herausgegebenen Broschüre (Frankfurt a. M. 1913) hervor, in der er „die jüdische Volksschule in Süddeutschland" behandelte, ferner in der 1921 in Rockenhausen erschienenen Broschüre „Das Eine, das nottut, Beiträge zur Aufklärung über die Grundschule", die den seiner Feder entstammenden Aufsatz „Jüdische Volksschulen in Großstädten" enthielt. In dem Lebensbild, das er dem Schuldirektor Stern, der von 1879—1887 an der Spitze unseres Vereines stand, gewidmet Hut, schreibt Dingfelder am Schlüsse: „Seine Gerechtigkeitsliebe berief ihn zum Kampfe für das, was er als Wahrheit erkannt hatte. Fern war es ihm, um persönlicher Vorteile willen oder um der lieben Eitelkeit, welche sich in den Vordergrund drängt, in den Streit der Meinungen in Wort und Schrift einzutreten; die Sache, die er vertrat, mußte ihn begeistern. Für das aber, was ihm wahr und recht erschien, trat er unerschrocken und fest ein. Ein reines, tiefes, an Liebe volles Herz, ein unermüdlicher, im großen wie im kleinen gleich treuer Fleiß, unterstützt von vielseitigem Wissen und reicher Lebenserfahrung haben ihn zum Lehrer und Erzieher gemacht, den wir mit Stolz den unseren nennen. Um ein tüchtiger Lehrer zu werden und um es zu bleiben, gehört ein Leben voll Arbeit und Mühe, ein für alles Wahre und Schöne warmes Herz, eine Liebe, die gerne Opfer bringt. Es gehört aber auch dazu die Flamme der Begeisterung, welche uns emporhebt über Mühe, Sorge und Last des täglichen Lebens, der Begeisterung, der kein Werk zu sauer ist. Ja hier sei das Wort des alten Lehrers und Pädagogen Diesterweg ausgesprochen: Zu einem Schullehrer gehört ein ganzer Mann." Treffender als mit seinen eigenen Worten kann man wohl auch das Bild Dingfelders nicht zeichnen. vie Neuordnung der jüdischen Lehrerbildung in vavern Leitsätze zum Referat der Mitgliederversammlung vom 15. und 16. Juli 1928 A. Die gegebenen Grundlagen 1. Die in der „Denkschrift des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus über die Neuordnung der Lehrerbildung" gezeichnete Unzulänglichkeit der bisherigen Lehrerbildung trifft in vollem Umfange auch auf die jüdische Lehrerbildung zu, für diese infolge gesteigerter Aufgaben teilweise sogar in verstärktem Maße. 2. In Übereinstimmung mit allen Instanzen, welche zur Frage der Neuordnung der Lehrerbildung Stellung genommen haben, zieht die Denkschrift als die einheitliche Willensmeinung aller Vorschläge die Folgerung, daß Allgemein- und Berufsbildung voneinander zu trennen und die Bildungszeit des Volksschullehrers entsprechend zu verlängern sei. Die jüdische Lehrerbildung in Bayern hat unter Berücksichtigung der beregten Mängel bereits 1914 die Verlängerung der Bildungszeit für den jüdischen Lehrer um/mindestens ein Jahr gefordert, seit fünf Jahren auch verwirklicht. 3. Die Berufsaufgabe des jüdischen „Religionslehrers" ist nach der erziehlichen Seite im allgemeinen die gleiche wie die des Volksschullehrers. Die an den jüdischen Religionslehrer in der Gegenwart immer stärker herantretende Sonderausgabe, in der Jugendbewegung Führer zu sein, erweitert den Kreis seiner pädagogischen Aufgaben. Nach allgemeiner Anschauung (siehe Denkschrift!) kann die erzieherische Fähigkeit, die körperlichen, sittlichen und geistigen Kräfte der Jugend zu entfalten, nur erworben werden auf der Grundlage wissenschaftlichen Studiums der Probleme der Psychologie, Ethik, Philosophie und Pädagogik. Die pädagogische Berufsaufgabe des Religionslehrers, der meist unter schwierigeren Verhältnissen und unter ungünstigeren Bedingungen zu arbeiten hat als der Volksschullehrer, läßt eine Minderung seiner pädagogischen Berufsausbildung nicht zu. 4. Strebeziel und Berufsideal des Schülermaterials, welches die jüdischen Lehrerbildungsanstalten bisher bevölkert hat und wohl auch in Zukunft bevölkern wird, ebenso das fortschreitende Absterben der Kleingemeinden, welches den „Nur-Religionslehver" vor die Gefahr der Berufslosigkeit stellt, endlich die Notwendigkeit, den jüdischen Volksschullehrer immer zugleich auch als Religionslehrer auszubilden im Zusammenhalt mit der wirtschaftlichen Grundlage der jüdischen Lehrerbildungsstätten, welche eine Zweiteilung des Bildungsganges in „Volksschullehrer"- und „Nur-Religionslehrer"- Bildung nicht zuläßt, weist auch die jüdische Lehrerbildung der Zukunft auf den Weg, den sie bisher mit Erfolg gegangen ist: Pflege der gesamten jüdischen Lehrerbildung im Rahmen der allgemeinen Volksschullehrerbildung. 5. Die Bedenken, der jüdische Lehrer mit Universitätsreife werde vielleicht nicht aufs Land gehen, werden überschätzt. Es ist entgegenzuhalten a) die Tatsache, daß gerade der Weg über die Aufbauschule die Verbindung mit der Bevölkerung des platten Landes bewußt aufrechterhalten will, b) der Zug der Zeit, deren Losungsworte „Zurück zur Natur, zurück aufs Land" doch auch, wie Jugendbewegung, die Siedlungsversuche u. a. zeigen, die jüdische Jugend, namentlich die großstädttsche, ergriffen und bereits vielfach zu opferfreudiger Hingabe an diese Idee geführt hat, e) die praktischen Erfahrungen der letzten Jahre, welche zeigen, daß der jüdische Lehrer, seitdem er durch Zuschußleistung der Verbände auch in der kleinen Landgemeinde ein gesichertes Auskommen findet, vielfach das billigere Leben auf dem Lande der teuren Lebenshaltung in der Großstadt vorzieht. 6. Der Erweiterung der jüdischen Lehrerbildung nach dem Muster der staatlichen Neuordnung wird häufig mit dem Hinweis auf die finanzielle Auswirkung auf die Besoldung begegnet. Abgesehen davon, daß Kulturaufgaben nicht in erster Linie und gewiß nicht ausschließlich unter dem finanziellen Gesichtspunkt betrachtet werden können, muß doch auch berücksichtigt werden, daß durch das Verschwinden der Stellen in Kleingemeinden die Zuschußleistung der Verbände sich fortschreitend mindert und darf darauf hingewiesen werden, daß durch organisatorische Maßnahmen in der Stellenbesetzung, welche die körperlich leistungsfähigeren Junglehrer den Wanderlehrerstellen des platten Landes, die erprobten älteren Lehrer den größeren Gemeinden zuleitet, die Zuschußleistung des Verbandes wesentlich verringert werden kann. 8. Die künftige Neuordnung in Bayern Unter Berücksichtigung der kulturellen Lage der deutschen Judenheit und der ideellen Aufgabe seiner Kulturträger kommen wir für die künftige Neuordnung in Bayern zu folgenden Forderungen: 1. Es ist, wie bisher, auch künftig die jüdische Lehrerbildung im Rahmen der allgemeinen Volksschullehrerbildung zu betreiben. 2. a) Die jüdischen Lehrerbildungsstätten sind nach staatlichem Muster in eine Aufbauschule umzuwandeln; b) die spätere Errichtung einer jüdischen Lehrerakademie ist ins Auge zu fassen. 3. Um das Bedürfnis nach gründlicher religions-wiffenschaftlicher Ausbildung befriedigen zu können, soll versucht werden, bei der bayerischen Unterrichtsverwaltung für die kommende Aufbauschule die Zulassung der hebräischen Sprache als einer Pflichtfremdsprache an Stelle einer anderen Fremdsprache in gleicher Weise zu erreichen, wie die preußische Unterrichtsverwaltung den Ersatz einer modernen Pflichtfremdsprache durch das Hebräische für Oberrealschulen und Aufbauschulen bereits zugelassen hat. 4. Um den sozialen Schichten, welche bisher die jüdischen Lehrerbildungsanstalten bevölkert haben, auch künftig den Zugang zur Lehrerbildung zu erleichtern, ist auch für die neue Anstalt das Schülerheim beizubehalten. Die Gewährung der wirtschaftlichen Vorteile dieses Schülerheims ist aber auf die künftigen Kulturträger des Judentums zu beschränken. Jakob Stoll Antrag zur Mitgliederversammlung Die Bezirkskonferenz München hat folgenden Antrag eingereicht: „Die Mitgliederversammlung stellt an den Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden den Antrag: Der Verband möge den Lehrern die außerhalb Bayerns verbrachten Dienstjahre ganz auf das Besoldungsdienstalter in Anrechnung bringen."

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