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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-06-15 · 11 (15.6.1928) · p. Seite 185

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
11 (15.6.1928)
Article
Ausstellung Münchener jüdischer Künstler in den Räumen der Gesellschaft "Concordia"
Date
1928-06-15
Page
Seite 185 (sequence 2)
Language
German
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Nr.11 Bayerische Israelitische Vemeindezeitung 185 Reihe von Skulpturen, unter denen ein Frauentorso sowie die Circe und die Tänzerin den meisten Anklang gefunden haben dürften. Seine besondere Stärke liegt aber wohl auf dem Gebiete des Porträts. Hier hat er Plaketten und Büsten ausgestellt, die mit zu dem Schönsten zählen, was in München in den letzten Jahren geschaffen wurde. Klemens Fränkel hat eine Reihe stimmungsvoller Landschaften ausgestellt, die durch ihre Tönung auffallen. Von Siegfried Ziegler sind besonders eine Reihe vorzüglicher Porträts zu nennen, darunter vor allem das überaus lebendige und charaktervolle Bildnis seiner Mutter. Von Stanislaus Bender, sahen wir einige tiefempfundene jüdische Szenen sowie ein entzückendes Kinderporträt. Agathe van Wien zeigte in Kopien von Jansen, Rembrandt u. a. ihr bedeutendes Können in der Wiedergabe alter Meister. Von Hermann Segall, dessen Porträts von Dr. Heinrich Ehrentreu und Albert Landauer s. A. allgemein bekannt geworden sind, ist vor allem das Porträt des Akademieprofessor von Marr und dasjenige des Herrn Krinnes zu nennen. Emil Königsberger war mit einigen sonnigen Landschaften, Frau Maison mit zwei Porträts, Willy Wolfs mit mehreren Landschaften, darunter einer Burg gut vertreten. Daneben sahen wir kunstgewerbliche Arbeiten von Frau Hilde Zadikow und Fräulein Sophie Guggenheim. James Bieberkraut zeigte u. a. feine in dieser Zeitung bereits besprochenen Radierungen. Es ist nicht möglich, in dem Rahmen dieser Besprechung allen ausstellenden Künstlern gerecht zu werden. Ein jeder von ihnen hat durch seine ernsten Arbeiten dazu beigetragen, die Ausstellung zu einer interessanten Schau zu gestalten. Die Gemeinde München ist der Gesellschaft „Concordia" und vor allem ihrem ersten Vorsitzenden zu aufrichtigem Danke verpflichtet, daß sie durch die Ausstellung einen Überblick über das künstlerische Schaffen unserer hiesigen Glaubensgenossen ermöglicht und damit das Interesse für unsere Künstler geweckt hat. Es war eine Tat, für die wir nicht dankbar genug fein können, hat sie uns doch gezeigt, daß unsere Glaubensgenossen auch auf künstlerischem Gebiete Erhebliches leisten. Es war aber auch eine soziale Tat, da durch die Ausstellung eine Reihe von Verkäufen ermöglicht und so der Künstlerschaft in der gegenwärtigen schweren Zeit neue Absatzmöglichkeit geschaffen wurde. Wie wir hören, ist beabsichtigt, die Kunstwerke auch in Nürnberg und der Rheinpfalz zu zeigen. Es wäre wünschenswert und zu hoffen, daß derartige Ausstellungen in regelmäßiger Wiederkehr veranstaltet würden. Wie wir erfahren, feiert der in weiten Kreisen Münchens bekannte Herr Hermann Bin swang er in Firma Meyer & Hirsch den 70. Geburtstag. Wir gratulieren ihm aus diesem Anlaß aufs herzvücberschau Die Iudenbuche Von S. Meisels Annette Freiin von Droste-Hülshoff war Heimatkünstlerin. Die Verwurzelung mit der westfälischen Heimaterde und ihren Menschen sowie das geistige Gebundensein im Konfeffionellen haben die Dichterin in ihrem künstlerischen Schaffen wohl zur tiefsten Verinnerlichung geführt, sie jedoch im Aufstieg zu jener Kunfthöhe behindert, wo der Schaffende seine Schöpfung aus allen Ort- und Zeitgebundenheiten erlöst. Die Droste war in dem Bannkreis der westfälischen Landschaft und des westfälischen Menschen völlig eingeschloffen; darüber hinaus, zur Urnatur und zum Urmenschlichen, vermochte sie sich nicht zu erheben. Nur ein einziges Mal ist der Dichterin der Aufschwung über daö spezifisch Westfälische inö Ewig- und Allmenschliche gelungen, nämlich in der Prosadichtung „Die Iudenbuche". Diese Erzählung, die in den Jahren 1S39 und 1841 entstand, ist überaus die einzige vollendete Prosadichtung der Droste-Hülshoff; alle, ihre anderen Prosawerke sind Fragment und Torso geblieben. Die „Iudenbuche" ist ein Meisterwerk deutscher Novellenkunst, dem man nicht leicht ein zweites an die Seite stellen kann; es ist unstreitig das schönste Buch, das Annette von Droste-Hülshoff als Prosadichterin geschrieben, anscheinend aber auch das männlichste Werk, das je eine Frau geschaffen hat. Die „Iudenbuche" ist eine Prosadichtung von berückender Eigenart und wundervoller Geschlossenheit, eine Kunftschöpfung, die auch im Geschmackswandel der Zeiten unvergänglich bleiben wird. Den Stoff entnahm die Dichterin, woraus der vorzügliche Droste-Kenner Hanns Martin Elfter hinweist, aus alten Kriminalakten, die sie einmal bei einem Besuch in Bökendorf gelesen hatte; der Erzählung liegt demnach eine wahre Begebenheit zugrunde. Annette selbst schiebt im Verlauf der Erzählung gelegentlich die Bemerkung ein: „Dies alles hat sich wirklich zugeiragen; ich kann nichts davon- und dazutun." Die Geschichte ereignete sich irgendwo im Paderborner Lande. Unter einer Buche im Gehölz wird ein Jude ermordet aufgefunden. Dem Mörder gelingt es, sich durch Flucht der Strafe zu entziehen. Nach achtundzwanzig Jahren kehrt der Mörder, an Leib und Seele gebrochen, in die Heimat zurück und erhängt sich an eben derselben Buche, unter der er vor Jahren den Juden ermordet hat. Aus dieser einfachen Geschichte hat Annette von Droste-Hülshoff ein „Sittengemälde aus dem gebirgigen Westfalen" geschaffen, das geradezu als Musterbeispiel dienen kann, wie sich auch im kleinsten die höchste Kunst zu entfalten vermag. Als Mal und Zeuge des Iudenmordes steht die Buche im Vrederholz; sie wird fortan die „Iudenbuche" geheißen. Aber nicht deswegen allein trägt sie diesen Namen; sie ist buchstäblich eine Iudenbuche, eine Buche, die den Juden gehört, die Eigentum der Juden geworden ist, seit die benachbarte Iudengemeinde sie für zweihundert Taler gekauft hat, auf daß sie stehen bleiben soll „im Winter und im Sommer, so lange ein Span daran ist", als Mal und Zeuge des gräßlichen Mordes, der darunter verübt worden war. An der Buche ist außerdem mit dem Beil eine hebräische Inschrift eingehauen, die folgenden Wortlaut hat: Im ta'amod bamakom haseh jiphgaa boch ka'ascher attah offeh li. Diese Inschrift wird im Buche mit hebräischen Schriftzeichen wiedergegeben. Sie ist nicht nur ungrammatisch, sie ist ihrer Fassung nach auch ganz unhebräisch, trotz der hebräischen Worte und Schriftzeichen. Sollte sich irgendwann und irgendwo im paderbornischen Lande eine Buche mit ähnlicher Inschrift befunden haben, so wird die Inschrift allenfalls der Dichterin in einer verstümmelten Form überliefert worden sein. Denn in der vor- Die miiliche Hausfrauen-Wäscherei Heime 58 V. Franz Schrag,Tel.597127 OülUimSWCHE bei billigster Berechnung Einzelbehandlung! Bestes Waschmaterial! Besichtigung des Betriebes gerne gestattet

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