Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 11 (15.6.1928)
- Article
- Sitzung von Vorstand und Gemeindevertretung am 6. Juni 1928
- Date
- 1928-06-15
- Page
- Seite 184 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2727810-2727850-2727861--03374-2733514- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
184 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 11 5lus der Gemeinde München Sitzung von Vorstand und Gemeindevertretung am 6. Juni 1928 Geh. Justizrat Dr. Dispeker eröffnete die Sitzung und erteilte dem Vorsitzenden des Vorstands, Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer das Wort, der in bewegten Worten des plötzlichen Hinscheidens Oberlehrer Dingfelders gedachte, den er in gleicher Weise als Lehrer, Führer seiner Standesgenossen und Mitarbeiter im Rate des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden rühmte. Mit besonderer Dankbarkeit müsse die Gemeinde sich daran erinnern, daß Dingfelder in schwerster Zeit zu ihr zurückgekehrt sei, anstatt sich im Ausland im Kreise seiner Familie einen beschaulichen Lebensabend zu gönnen. Das Andenken des weit über Bayerns Grenzen hochangesehenen Mannes werde dauernd sortleben in der Gemeinde. An Stelle des aus dem Finanzausschuß ausscheidenden Herrn Viktor Löwenstein wurde Bankier Arthur Wechsler in den Finanzausschuß gewählt. Der Vorsitzende sprach Herrn Löwenstein das Bedauern der Versammlung aus, daß er sich zur Niederlegung seines Amtes veranlaßt gesehen habe und dankte ihm für die der Gemeinde bisher geleistete wertvolle Mitarbeit. Bekanntgegeben wurde alsdann der Bericht der Revision über die Prüfung von Gemeinderechnung und Bilanz für das Jahr 1927 bis 1928 und alsdann dem Vorstand einstimmig Entlastung erteilt. Die Entlastung für das Jahr 1926—27, die aus formellen Gründen im Vorjahr unterblieben war, wurde an der Hand des Revisionsberichtes 1927 ebenfalls erteilt. Weiterhin machte der Vorsitzende Mitteilung über eine der Gemeinde zugegangene größere Spende und gab deren Verteilung nach Maßgabe der gemachten Auflagen bekannt. Ein Gesuch des Landheims Wolfratshausen auf Gewährung eines mäßig verzinslichen Darlehens von RM. 20 000.— zur Erweiterung der Gebäulichkeiten, insbesondere zum Zwecke der Errichtung einer ESSEX] SUPER Reisen Sie bequemer! Der Essex Super 8ix ermöglicht Ihnen, wirklich angenehm zu reisen. Er bietet denkbar größten Komfort, ist schnell und liegt wegen seiner Länge auf der Landstraße äußerst ruhig. — Gesamtkonstruktion aus nur erstklassigem Material, geräuschlos arbeitender, elastischer Sechszylindermotor, geschlossene Ganzstablkarosserie,elegante, schnittige Form. 6 Zylinder, 10/45 PS-Limousine Festpreis M 5750 Autorisierte General-Vertretung Volksauto-Vertrieb Schwanthalerstr. 19 (b. Deutschen Theater) Telephon 58453 Liegehalle und eines Speisesaales wurde in der Weise verbeschieden, daß die Gemeinde sich bereit erklärt, RM. 5000.— als Darlehen zu gewähren, ein weiteres Darlehen von RM. 15 000.— beim Verbände Bayerischer Israelitischer Gemeinden zu befürworten und für diesen die selbstschuldnerische Bürgschaft zu übernehmen unter der Bedingung, daß das Darlehen auf dem Anwesen des Landheims hypothekarisch sichergestellt wird, daß der Gemeinde entsprechender Einfluß auf die Geschäftsführung des Landheims eingeräumt wird und daß die Baupläne zur Genehmigung vorgelegt werden. Mit den hiernach zur Verfügung gestellten Mitteln sollen auch alle etwaigen Bedürfnisse der Frauenhaushaltschule Wolfratshausen mitbefriedigt werden. Beschlossen wurde ferner, der Stadtgemeinde München auf dem Anwesen der Gemeinde, Herzog-Max-Strahe 3, die Erlaubnis zur Erweiterung einer elektrischen Unterstation zu geben. Die näheren vertraglichen Abmachungen wurden dem Vorstand überlassen. Ferner wurde einem Beschluß des Vorstands dahingehend zugestimmt, daß ein südlich des neuen israelitischen Friedhofs an der Ungererstrahe gelegenes Grundstück erworben und im Tausch gegen städtische Gelände nördlich des neuen Friedhofs zu dessen Vergrößerung um 4 Tagwerk abgegeben werde. Ein Antrag der Israelitischen Religionsgesellschaft Ohel Jakob auf Gewährung eines Zuschusses für das Jahr 1928 in Höhe von RM. 3500.— sowie eines Darlehens zur Erweiterung der Volksschule im. Betrage von RM. 25 000.— wurde nach längerer Aussprache, in der die grundsätzlichen Einstellungen zur Frage der jüdischen Volksschule sich gegenüberstanden, dahin verbeschieden, daß der Zuschuß an Ohel Jakob in Höhe von RM. 3500.— für das Jahr 1928 für die religiösen Bedürfnisse dieser Gesellschaft einstimmig bewilligt, das Darlehen jedoch mit 11 gegen 7 Stimmen abgelehnt wurde. An der Aussprache beteiligten sich die Herren Justizrat Dr. Feuchtwanger, Justizrat Dr. Adolf Strauß, Rosenthaler, Kommerzienrat Dr. Wassermann, Löwenstein, Justizrat Dr. Fränkel, Justizrat Dr. Elias Straus und Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer. Ein Gesuch der ostjüdischen Vereine um Beihilfe zur Errichtung einer Synagoge mußte zwecks Beschaffung weiterer Unterlagen zurückgestellt werden. Nach Schluß der Tagesordnung teilte Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer mit, daß die Verfassung für einen Reichsverband der deutschen Juden auf der in Köln am 3. Juni stattgehabten Tagung der Landesverbände mit großer Mehrheit angenommen worden sei, so daß man alsbald mit dem Jnslebentreten des Reichsverbandes rechnen könne, sofern die Landesverbände in ihren Kollegien ihre Zustimmung zu dem Entwurf geben. Zum Schluß gab Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer bekannt, daß am 14. Juni ein Vortrag des Magistratsrates Dr. Ollendorf über Gegenwartsfragen jüdischer Wohlfahrtsarbeit im gemeindlichen Sitzungssaal stattfinde, zu dem die Mitglieder der gemeindlichen Kollegien sowie des Wohlfahrtsausschusses und ferner die Vorsitzenden der Wohlfahrtsvereine eingeladen seien. In nichtöffentlicher Sitzung wurden einige sich aus der Umgruppierung der Beamtengehälter nach den Sätzen des Bayerischen Besollmngsgesetzes vom 20. April 1928 ergebende Abweichungen beraten und beschlossen. Schluß der Sitzung 11.15 Uhr. Ausstellung Münchener jüdischer Künstler in den Räumen der Gesellschaft „Concordia" Die Gesellschaft „Concordia von 1838" hat in der Zeit vom 15. bis 31. Mai in ihren Räumen eine Ausstellung jüdischer in München lebender Künstler veranstaltet, die in ihrer Reichhaltigkeit und durch das Niveau der gezeigten Kunstwerke die jüdische Öffentlichkeit in München mit Recht überrascht hat. Die Ausstellung, die auf die Initiative des ersten Vorstandes der Gesellschaft, Herrn Sigmund Weil, zurückzuführen ist und von diesem mit bemerkenswerter Tatkraft innerhalb kurzer Zeit zusammengestellt wurde, zeigte Gemälde, Graphik, Skulpturen und kunstgewerbliche Arbeiten, die sich in den schönen Räumen der Gesellschaft auf das vorteilhafteste repräsentierten. Unter den ausgestellten Arbeiten fielen vor allem die zarten, ungemein stimmungsvollen Landschaften Prof. Benno Beckers die lichterfüllten, lebendigen Großstadtbilder Josef Schüleins und die packenden Frauen- und Kinderporträts der Frau Schülein-Carvallo auf. Arnold Zadikow überraschte alle diejenigen, die ihn lediglich aus seinen monumentalen Tafeln kannten, durch eine