Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 11 (15.6.1928)
- Article
- Hauptversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1928-06-15
- Page
- Seite 180 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2727810-2727850-2727861--03362-2733510- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
180 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 11 Hauptversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums Die Gesellschaft hiell anläßlich der im Rahmen der „Pressa" veranstalteten jüdischen Kulturwoche ihre diesjährige Hauptversammlung im Kongreßsaal des Ausstellungsgebäudes in Köln-Deutz ab. Eine überaus starke Zuhörerschaft war der Einladung der Gesellschaft gefolgt, insbesondere erschienen auch zahlreiche Mitglieder aus dem Industriegebiet und vom Niederrhein. Die 1902 gegründete Gesellschaft hat sich zur Ausgabe gestellt, die wissenschaftliche Erforschung des Judentums nach der historischen und systematischen Seite zu pflegen und ihre Mitglieder mit dem Stand der Forschung in Verbindung zu halten. Die Gesellschaft gibt die „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", die einzige jüdischwissenschaftliche Zeitschrift in deutscher Sprache, heraus und stellt sie allen Mitgliäern unentgeltlich zu. Sie veröffentlicht ferner neben zahlreichen Einzelschristen, unter denen das Prachtwerk von Dr. C. Tassilo Hoffmann: „Jacob Abraham und Abraham Abramson, 55 Iichre Berliner Medaillenkunst, 1755—1810" hervorgehoben sei, großzügige Publikationen, unter chnen großangelegte Werke wie die „Germania Judaica" und der „Grundriß für die Gesamtwissenschaft des Judentums". Der gegenwärtige Mitgliederbestand beträgt etwa 1600 und verteilt sich über alle 5 Erdteile sowie über alle Konfessionen. Die sehr angeregt verlaufene Versammlung begann mit einer geschäftlichen Sitzung, in der der Vorsitzende, Legationsrat Prof. Dr. M. Sobernheim (Berlin), den Bericht über die Tätigkeit des verflossenen Jahres erstattete. In der Festsitzung richtete zunächst der Präsident des Deutschen Rabbinerverbandes, Dr. Baeck (Berlin), einige Worte der Begrüßung an die Anwesenden und hob die Bedeutung der Kultur für das innere Leben des Menschen und der besonderen Aufgaben der Gesellschaft als Kulturträgerin hervor. Nach einer Begrüßung der Versammlung durch die Vertreter der Stcü»t Köln und der Universitäten Köln und Bonn, gab der Schriftführer der Gesellschaft, Prof. Dr. I. Elbogen (Berlin), eine Übersicht über die Aufgaben und Leistungen der Gesellschaft. Den Festoortrag hielt Herr Dr. Fritz Bamberger (Berlin),. über das Thema: „Die geistige Gestalt Moses Mendelssohns". Der Redner bemühte sich zu zeigen, daß das durch die populäre Tradition verbreitete Bild von Mendelssohns Richtung und Anschauung nicht ganz der Wahrheit entsprächen. Daß Mendelssohn durchaus nicht jener einseitige Aufklärer war, für den sein Zeitgenosse Hamann ihn bekämpfte und die Nachwelt verehrte, sondern daß auch in Mendelssohn wie in jedem echten Menschen sich Widersprüche zeigen, daß er namentlich in seinen Schriften zur Ästthetik Aass - Schneiderei - Äadisches Beiwerk: durchaus die Bedeutung des Irrationalen anerkannte, daß er zwar in seinen allgemeinen Anschauungen über Religion sich aus dem Boden des Rationalismus hielt, aber sobald er auf Judentum zu sprechen kam, doch wieder jener Glauben an das Jenseitige und Geheimnisvolle durchbricht, der die Stärke aller echten Religion ausmacht. — Reicher Beifall lohnte die gedankenreichen und gehaltvollen Ausführungen des Redners. Jüdischer Arbeitsnachweis. Gestützt auf unsere langjährige Erfahrung erklären wir, daß den Interessen der Arbeitnehmer, die aus die Heilighaltung des Schabbos und der jüdischen Feiertage Wert legen, nur dadurch gedient wird, daß solchen Arbeitssuchenden eine besonders bevorzugte Behandlung, wie das in jedem gut geleiteten allgemeinen jüdischen Arbeitsnachweis geschieht, gewährleistet wird. Nur in einem allgemeinen jüdischen Arbeitsnachweis kann Vorsorge getroffen werden, daß entsprechende Vakanzen dem am Schabbos nicht arbeitenden Juden Vorbehalten bleiben und nicht durch Bewerber besetzt werden, die auch am Schabbos arbeiten würden. Die erstrebte Dezentralisation erschwert gerade in weitem Maße die Möglichkeit, die wenigen vorhandenen schabbosfreien Stellen den in Frage Kommenden vorzubehalten. Wir richten einen dringenden Appell an die jüdischen Arbeitgeber, aus die religiösen Ansprüche der Arbeitnehmer Rücksicht zu nehmen. Unentgeltlicher Arbeitsnachweis der weiblichen Fürsorge für israelitische Frauen und Mädchen Frankfurt a. M., Langestraße 30/11 Bertha Rosenblatt, Vorsitzende. Berufsberatung und Arbeitsnachweis für Juden e. V. Frankfurt a. M., Langestraße 30/11 Fritz Epstein, Architekt V.D.A., 1. Vorsitzender. Nus dem Verbände Rabbiner Dr. Freudenthal sechzig Jahre Am 12. Juni 1928 vollendete Herr Rabbiner Dr. Freudenthal in Nürnberg sein sechzigstes Lebensjahr. Von allen Gauen der bayerischen Heimat und des deuffchen Vaterlandes wurde dem Gefeierten der Ausdruck der Liebe und Verehrung entgegengebracht. In besonderem Maße aber sind wir bayerischen Juden chm zu herzlichen Dank verpflichtet. Als einer der führenden Männer unserer religiösen Gemeinschaft hat er durch seine kraftvolle überragende Persönlichkeit, seine wissenschaftliche Bedeutung, seine vornehme Lebensauffassung und seine eiserne Pflichterfüllung bestimmend auf die Angelegenheiten des bayerischen und deutschen Judentums eingewirkt und dem jüdischen Namen Ehre verliehen. Als Mitglied des Präsidiums des Landesverbandes und Vorsitzender der bayerischen Rabbinerkonferenz hat er in vorderster Linie zu dem Aufbau und Gedeihen der bayerischen Judenheit und dem friedlichen Zusammenwirken aller religiösen Richtungen im Lande beigetragen. Möge der hochverehrte Mann viele Jcchre in guter Gesundheit und ungebrochener Geisteskraft die Geschicke unserer religiösen Gemeinschaft leiten! Ministerpräsident Dr. Held Herr Ministerpräsident Dr. Held hat am 6. Juni 1928 sein 60. Lebensjahr vollendet. Der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden hat aus diesem Anlaß dem Herrn Ministerpräsidenten seine herzlichen und verehrungsoollen Glückwünsche zum Ausdruck gebracht. Venningen (Pfalz). Goldene Hochzeit. Am 8. Mai (Lag b'aumer) feierte das Ehepaar Jakob und Johanna Deutsch im Kreise seiner sechs Kinder und neunzehn Enkelkinder das Fest der goldenen Hochzeit in geistiger und körperlicher Rüstigkeit. Die Jubilare erfreuen sich allenthalben der größten Beliebtheit. Herr Deutsch, der jahrelang Vorstand der Gemeinde war, ist heute noch die Seele der Gemeinde. Möge dem Jubelpaare noch ein langer und gesunder Lebensabend beschieden sein! Lchweinfurt. Äm 15. Juni (28. Siwan) Sabbath Schelach Lecho, feiert der in weiten Kreisen wohlbekannte und allseits verehrte Sofer, Herr Jsak Kurzmann, seinen 80. Geburtstag in vollster körperlicher und geistiger Frische.