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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-06-15 · 11 (15.6.1928) · p. Seite 179

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
11 (15.6.1928)
Article
Rheinlandtagung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens
Date
1928-06-15
Page
Seite 179 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 11 Bayenscye Israelitische Gemeindezeitung 179 wunderer zusichern, daß der Rückschaffung ihrer Leichen in die alte Heimat von seiten ihrer neuen Herren keinerlei Schwierigkeiten bereitet werden sollten. Justizrat Brodmtz schloß mit dem Wunsche, daß diese Kundgebung alle Seelen von neuem mit dem Willen zum Dienst am Vaterlande erfüllen und als Bekenntnis zu allen deutschen Volksgenossen hinausdringen möge. Die Festrede, „Der deutsche Jude auf deutscher Erde", hielt Dr. Bruno Weil. Er führte aus, daß die Behandlung des Themas zur Voraussetzung habe, zunächst die Stellung des Deutschen aus deutscher Erde ganz allgemein zu untersuchen. Dr. Weil schilderte in einer Form, die das Werden und Vergehen von Nationen, Grenzen, Kulturen plastisch hervortreten ließ, die Entwicklung des deutschen Volkes und des deutschen Landes in ihrer heutigen Gestalt. Während aller Perioden deutscher Geschichte sei die Anwesenheit der Juden in Deutschland nachweisbar. Das Konstantinische Edikt aus dem Jahre 321 erwähne bereits die Anwesenheit von Juden in Köln in einer Form, die eine schon langwährende Anwesenheit von Juden in der Stadt voraussetzt. Ähnlich sei es bei Aachen, Mainz, Metz und Speyer der Fall. Das erste Jahrtausend deutscher Geschichte scheine durchaus friedliches Zusammenleben zwischen Juden und Christen gebracht zu haben. Von 1200 ab etwa folgte ein halbes Jahrtausend von Not und Verfolgung der Juden, die erst in den beiden letzten Jahrhunderten langsam nachließen, um theoretisch 1869 ihren Abschluß zu finden. Wenn der Mensch in seinen geistigen Elementen aus Religion, Sprache, Kultur und Abstammung sich zusammensetze, so liege in keinem dieser Merkmale etwas beschlossen, das die Juden in der vollen Erfüllung ihrer nationalen Pflichten hindern könne. Entscheidend sei darüber hinaus das subjektive Merkmal des Willens, und dieser zeige die unlösliche und innige Verbundenheit der Juden mit Deutschland, das seit zwei Jahrtausenden ihr Vaterland ist. Nationales Bewußtsein im heutigen Sinne sei Produkt junger Entwicklung. Seit dem Dreißigjährigen Krieg gab es preußisches und sächsisches, badisches und hessisches, aber kein deutsches Nationalgefühl. Erst nach den. napoleonischen Kriegen begann das Volk von deutschem Land zu sprechen, begann die Hochspannung des deutschen Nationalgefühls, an dem die deutschen Juden ihren reichlichen Anteil haben. Das Tor, das den deutschen Juden durch den Zugang zu allen deutschen Dingen aufgetan wurde, könne nicht mehr geschlossen werden. Der Weg gehe für Juden und Christen nach der gleichen Richtung: Aufbau des Vaterlandes, Gemeinschaft aller Gutgesinnten, Beseitigung aller unnötigen Auseinandersetzungen, Verringerung der Debatten über die sogenannte Judenfrage, aus denen einzelne politische Parteien ihr ganzes Programm bilden möchten. Dr. Weil schloß seine mit hinreißendem Schwung vorgetragenen Ausführungen unter dem immer wieder erneuerten Beifall der Zuhörer mit den Versen aus den Meistersingern: Wacht auf, es nahet gen den Tag und leitete so zu der vom Kölner städtischen Orchester machtvoll vorgetragenen Ouvertüre aus den Meisterfingern über. Rechtsanwalt Dr. Heinrich Frank, der Vorsitzende der Ortsgruppe Köln des Central-Vereins, hielt die Schlutzanfprache. Aus dieser Feier und Kundgebung anläßlich des Kulturwerkes der „Pressa" in Köln klingt und soll klingen das Hohelied unerschütterlicher Heimats- und Kulturzugehörigkeit des deutschen und rheinischen Juden, der, in deutsche Kultur hineingeboren, unbeschadet seiner Treue zu väterlichem Glauben und Abstammung, Höchstes und Letztes für fein Vaterland einzusetzen gewillt ist. Was hier heute zur Rede steht, ist nicht das juristische Bürgerrecht, sondern der Anspruch auf das kulturelle Beheimatetsein des deutschen Juden innerhalb der deutschen Nation. Dr. Frank wies auf die Bedeutung kultureller Zusammenarbeit für das nationale Bewußtsein hin und hob die aus der abendländischen Kulturentwicklung gar nicht hinwegzudenkende Bedeutung der Bibel hervor, in der die großen Menschheitsforderungen der Gegenwart bereits ihren klassischen Ausdruck gefunden hätten. Durch bedrückende Vorgänge der Gegenwart sollten wir uns in dem durch drei Jahrtausende bewährten jüdischen Optimismus nicht beirren lassen. Alles das, was uns als deutsche Juden heute bewegt, faßte Frank in das folgende, mit begeisterter Zustimmung ausgenommene Schlußgelöbnis zusammen: „Im heiligen Dienst am deutschen Volke und deutscher Kultur werden wir anläßlich der „Pressa" versammelten deutschen und rheinischen Juden auch in alle Zukunft, in Willens-, Schicksals¬ und Kulturgemeinschaft, in sittlicher, kultureller und geistiger Förderung heimatlich deutscher und rheinischer Erde unser Letztes und Höchstes hergeben, weil Herz und Gefühl es uns fo gebieten." Das Orchester stimmte das Deutschlandlied an, dessen dritte Strophe von der Festoersammlung stehend gesungen wurde. An dem für alle Anwesenden unvergeßlichen Eindruck der Kundgebung ist neben dem schon genannten Kölner Orchester, das als Einleitung die Ouvertüre zu „Oberon" gespielt hatte, noch Fräulein Hansi Book von der städtischen Oper zu Köln beteiligt, die eine Arie aus Mozarts „II re pa8wre" vollendet zu Gehör brachte. Aufruf! Die bulgarischen Juden sind durch das Erdbeben vom 14. und 18. April schwer heimgesucht worden. In Philippopel, Tschirpan, Vazardjik, im ganzen Marizagebiet, hausen die Opfer der Katastrophe im Freien. Ein Drittel der jüdischen Bevölkerung Bulgariens ist obdachlos und erwerbslos geworden. Die Regierung und die jüdischen Gemeinden Bulgariens bieten alles auf, um dem furchtbaren Elend abzuhelfen. Die hereingebrochene Not übersteigt aber die Kraft des Landes. Neben der unmittelbaren Notstandsaktion für die obdachlosen Familien, die Hungernden und Frierenden, die Tausende herumirrender Kinder, die in Baracken zusammengepferchten Verwundeten und die an epidemisch ausgebrochenem Scharlach und Typhus Darniederliegsnden besteht eine nicht weniger dringende Aufgabe, die vernichteten Existenzen wieder aufzurichten. Es tut not, die Wohnstätten, die Krankenhäuser, die Schulen und die Synagogen wieder aufzubauen, und vor allem Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen. Die bulgarischen Juden haben sich in ihrer großen Sorge an den Hilssverein der Deutschen Juden gewandt. Sie haben die Hilfe ausländischer jüdischer Gemeinschaften bisher nie beansprucht. In ihrer Notlage glauben sie jetzt die Sympathien und die Hilfsbereitschaft der deutschen Juden anrufen zu dürfen. Wie groß auch die Not unter uns deutschen Juden ist — wir müssen uns in diesem Augenblick angesichts des elementaren Naturereignisses, das die bulgarischen Juden so schwer betroffen hat, unserer Pflicht gegen sie bewußt sein. Wir dürfen uns ihrem Ruf nicht verschließen. Wir wenden uns an die deutsche Judenheit mit der Bitte, die Rettungsaktion für die bulgarischen Juden nach Kräften zu stützen. Wir fordern hierdurch auf zu spenden. Helfet rasch! Die Not ist dringend! Hilfsverein der Deutschen Inden Vorsitzender: Dr. James Simon Stellvertredende Vorsitzende: Eugen Landau Max M. Marburg Willy Dreyfus Gütige Spenden bitten wir mit der Bezeichnung „Für das Bulgarienhilfswerk des Hilfsvereins der Deutschen Juden" an die Deutsche Bank, Dep.-Kasse C, Berlin W 9, Potsdamer Straße 127/128, oder an das Postscheckamt Berlin, Konto Nr. 331 26, zu überweisen. Geschäftsstelle des Hilfsvereins der Deutschen Juden: Berlin W 35, Steglitzer Straße 12, Telephon: Lützow 62 36. Kraftfahrzeuge, Blutenburgstraße 91 Telephon 63457 JuLSthr^iner ujisssks OPEL / STUDEBAKER Vertretung / SpeziahReparaturwerkstätte / Günstige Ratenzahlungen

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