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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-06-01 · 10 (1.6.1928) · p. Seite 156

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
10 (1.6.1928)
Article
Schubert-Feier
Date
1928-06-01
Page
Seite 156 (sequence 2)
Language
German
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156 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 10 gesang", dessen Inhalt die Freude Israels über die Rettung vorden Scharen Pharaos schildert nach dem Durchzug durch das Rote Meer. Man sieht also: Grund genug für uns, in der Reihe derjenigen nicht zu fehlen, die in diesem Jahr in der ganzen Welt Schuberts Weisen in besonders feierlicher Weise erklingen lassen. — Als Gesangssolist wird Herr Ernst Mosbacher (Tenor) Schubert-Lieder zum Vortrag bringen. Um jedoch im gegebenen Rahmen einen möglichst umfassenden Ausschnitt aus dem vielseitigen Schaffen Schuberts zu bieten, dürfen auch Jnstrumentalwerke auf dem Programm nicht fehlen. Als Interpretin hierfür wurde Annie Steiger-Betzack, Frankstirt a. M. (Violine), gewonnen. Die sympathische, in der großen Öffentlichkeit hier ja bestens bekannte Künstlerin hat sich in den letzten Jahren durch eine ausgedehnte Konzerttätigkeit im In- und Auslände in die erste Reihe der Geigerinnen gestellt, wovon eine kleine Auswahl aus uns vorliegenden Kritiken Zeugnis oblegen möge. Professor Carl Flesch schreibt: „Ich halte Annie Steiger-Betzack unbedingt für eine der besten deutschen Geigerinnen." München, Münchener Po st: „Eine eminente Geigerin von ganz seltener, primärer Begabung." (Alfred Einstein.) Frankfurter Post: „Paganinis Zauberkünste (v-ckur-Konzert) zeigten die Geigerin im Vollbesitz nie versagender Virtuosität und voluminöser Tonfülle." (Dr. Hans Scholz.) Berlin, Germania: „überstürzend an Temperament, fesselnd durch prächtiges Können und mit voller Bewältigung des Stoffes war ein Russischer Abend, den Annie Steiger-Betzak veranstaltete." Schweizerische M iu sikzeitung: „.... Die Künstlerin überwindet die größten technischen Schwierigkeiten mit virtuoser Leichtigkeit Mainzer Anzeiger: In Annie Steiger-Betzak war eine Geigerin gewonnen, die nicht so leicht ihresgleichen finden dürfte ..." f%ayenfct Günstige Verzinsung von Bareinlagen, auch kleinster Beträge Der II. Teil des Abends soll der Heimatstadt Schuberts gewidmet sein, zugleich der Heimat des Walzers und eines frohen Tanzes überhaupt. Die Tanzpausen werden durchweinen Strauß-Walzer — vom Chor gesungen — und durch Solo-Tanzdarbietungen ausgefüllt. Auf diese Bkise glaubt der Verein der doppelten Ausgabe, die er sich gestellt hat, gerecht zu werden, zunächst seiner Hauptaufgabe, der Pflege der ernsten Musik. Nach der strengen Arbeit jedoch soll eine harmonische Geselligkeit die Mitglieder und die Freunde des Vereins, die er sich durch sein Wirken zu erringen sucht, vereinen. B. Jüdisches Kammerorchester, München. Wir weisen schon heute darauf hin, daß am Montag, dem 25. Juni 1928, pünktlich abends 8.16 Uhr im Lessingsaal, Herzog-Rudolf-Straße 1/0, ein Vortragsabend mit Werken von Schein (1609), Corelli (1700), Schubert, Schumann und Trunk (1925) stattfindet. Leitung: Franz Kleinbauer. — Hauptprobe Sonntag, 24. Juni, 8.16 Uhr abends. Regelmäßiges Erscheinen unserer Mitglieder zu den Proben (jeden Mittwoch 8.16 Uhr abends) ist daher erforderlich. Pulte mitbringen! Außerdem bitten wir die geschätzten anderen Vereine, bei Ansetzung von Veranstaltungen auf unseren Abend Rücksicht zu nehmen. Die Leitung. Intime Hausmusikabende des Jüdischen Kammerorchesters Wenn es das J.K.O. unternimmt, Hausmusikabende zu veranstalten, so leiten es dabei zwei Gesichtspunkte: Der eine, seine Mitglieder im Anschluß an die Orchesterübungen auch zu kammermusikalischem Musizieren zu erziehen; denn nichts ist geeigneter, musikalischen Geschmack und vor allem musikalisches Können zu bilden und zu vertiefen, als die Pflege von Kammermusik, weit mehr, als dies beim Musizieren im Orchester der Fall ist. Denn ist beim Orchesterspiel Unterordnung und vollkommene Hingabe an den Führer oberstes Gebot, so fordert die Kammermusik mehr selbstbewußtes Verantwortungsgefühl und ein selbständiges An- und Ausgleichen der Persönlichkeiten der einzelnen Spieler. Da nun bekanntlich der Trieb nach gesteigerter Leistung vor allem dadurch angeregt wird, daß man Gelegenheit gibt, diese Leistungen einer Zuhörerschaft zur Beurteilung zu unterstellen, so hat sich das J.K.O. entschlossen, seine Kammermusikabende im Rahmen der jüdischen Öffentlichkeit zu veranstalten. Es hat sich dadurch von selbst die Leitung eine weitere Aufgabe gestellt, die weit über den engeren Kreis des Orchesters hinaus zu einer öffentlichen und allgemeinen wird, nämlich das Interesse für gediegene und gute Hausmusik nicht nur bei seinen ausübenden Mitgliedern, sondern auch bei seiner Zuhörerschaft zu wecken und zu vertiefen. Es entsteht so eine eigenartige Wechselwirkung zwischen Ausübenden — wir vermeiden absichtlich das Wort „Künstler", denn es handelt sich hier ja hauptsächlich um Musikliebhaber — und Zuhörerschaft, indem das Publikum erziehend auf die Ausübenden wirkt und umgekehrt jene wiederum auf die Zuhörer. Es mag nicht geleugnet werden, daß durch die öffentlichen Konzerte wie auch durch die Verbesserungen des Grammophons und die Erfindung des Radios ernste Musik in guter Wiedergabe einer breiteren Masse geboten wird und daß auch das Bewußtsein für die Bedeutung des ethischen Einflusses guter Musik sich immer mehr und mehr Bahn bricht. Trotzdem darf man sich nicht verhehlen, daß. diese Art des Musikgenusses eines wesentlichen Faktors entbehrt, indem zwischen Künstler und Publikum im allgemeinen wenig Beziehung besteht. Wir dürfen nicht vergessen, daß die heutige Form unseres Konzertlebens kaum hundert Jahre zurückreicht und sich vordem das Musikleben zumeist in kleineren intimen privaten aristokratischen, aber auch bürgerlichen Kreisen abwickelte. Dieses innigere, tiefere Verhältnis zur Musik gewinnen zu helfen, dazu sollen die intimen Hausmusikabende des J.K.O. neben seinen Orchesterabenden beitragen. Wir wenden uns dabei an alle jüdischen Kreise, vor allem aber an diejenigen, bei denen Keime am besten gedeihen, an unsere Jugend! Möge unser Versuch auf fruchtbaren Boden fallen. ' Franz Kleinbauer.

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