Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 10 (1.6.1928)
- Article
- Israelitische Waisenanstalt Fürth
- Date
- 1928-06-01
- Page
- Seite 154 (sequence 2)
- Language
- German
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154 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 10 genommen, daß der heute im Übermaß gepflegte Sport ihren Sinn nicht allzusehr gefangen nehme und aus Kosten des sittlichen Ernstes und der geistigen Obliegenheiten sich ausmirke. In den sozial-philantropischen Bestrebungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden wird naturgemäß dem Gebiete der Anstaltsaufgaben ein weitgehendes Interesse zugewandt. Es wird allenchalben die Pflicht anerkannt, daß der Verband an der hier für das ganze Land geübten Wohlfahrtssache nicht teilnahmslos Vorbeigehen könne, sondern ihr unter allen Umständen eine möglichst weitgehende Berücksichtigung zuerkennen müsse. Das ist auch seit dem Bestehen des Verbandes in immer steigendem Maße geschehen. Bildet auch die Waisenpflege nur einen Ausschnitt aus seinem umfassenden religiös-sozialen Programm, so doch immerhin einen überaus wichtigen, dem an Größe und Bedeutung nichts anderes gleichkommt. Als eine Schätzung und Würdigung unserer Wirksamkeit betrachten wir es, wenn der Verband nicht nur materiell, sondern auch organisatorisch unsere Bemühungen durch weise Ratschläge zu unterstützen sucht. Denn je mehr derselbe gewillt ist, berechtigten und erfüllbaren Wünschen der bestehenden Wohlfahrtseinrichtungen entgegenzukommen, um so mehr darf er seinerseits Verständigung und Einvernahme über wohlgemeinte Anweisungen erwarten. Das moralische Gewicht jeder Vereinigung liegt in der Bekundung und Anerkennung des Führergedankens. Hieraus die Konsequenzen zu ziehen und über den Bereich des Formalen hinaus die gegenseitigen Beziehungen zu festigen und pflichtgemäß den Geist gemeinsamer Arbeit zu pflegen, wird unser ernstes Bestreben sein." Bamberg. Das Ehepaar Neumann Frank im Bamberg feiert am 31. Mai das Fest der diamantenen Hochzeit (60jähriges Ehejubiläum). Herr Frank steht im 87. Lebensjahr und nimmt an allen geistigen Dingen den regsten Anteil. Als vielbelesener und hochgebildeter Mann steht er in unserer Gemeinde in hohem Ansehen; lange Jahre war er Mitglied der Verwaltung unserer Kultusgemeinde. Auch seine Gattin, die kürzlich ihren 80. Geburtstag feierte, erfreut sich vollkommener Rüstigkeit. Rabb. Dr. Rüls. Ansbach. Am Lag baomer konnten die Privatierseheleute Isidor Asch und Babette das seltene Fest der goldenen Hochzeit feiern. Die ganze Gemeinde nahm regen Anteil an dieser seltenen Feier und wurden dem Jubelpaar von nah und fern viele Ehrungen zuteil. SSßüfl 'JlümcLm, (perusastmsse J\oss-Schneiderei. - Aodisches Beiwerk!hiii:S: Möge es den Gefeierten vergönnt sein, in Ansbach, wohin sie vor einem Jahre gezogen sind, in geistiger und körperlicher Frische einen recht heiteren Lebensabend zu verbringen. nn^jn hnd np Fürth. Aus Anlaß der am 28. Mai erfolgten Grundsteinlegung zu einem neuen Krankenhause der Stadt Fürth veröffentlichten die Tagesblätter größere Artikel mit hierauf bezüglichen Darstellungen und geschichtlichen Rückerinnerungen. Unter anderem wird auch der Text der Urkunde mitgeteilt, die in den Grundstein des vor hundert Jahren erbauten städtischen Krankenhauses niedergelegt worden ist. Nach einem üblichen Rückblick auf die leitenden Personen, Verhältnisse und Ereignisse jener Zeit heißt es dann in derselben wörtlich: „Der Fruchtbarkeit Segen beglücket unsere Flur, Sittlichkeit und Recht walten freundlich unter 13 878 betriebsamen Menschen, die durch Fabrikgeschäste und Handel aller Art ihr redliches Auskommen suchen. Kein Unterschied der Religion scheidet die Bande der Eintracht, festgeschlungen durch der Reichsverfassung gediegene Grundlagen, und 10 959 evangelische und 465 katholische Verehrer des Christentums wetteifern mit 2554 Israeliten in der Erfüllung ihrer bürgerlichen Pflichten." Solche Bekenntnisse von vor hundert Jahren — die Urkunde nennt sie „treue Schilderung der Gegenwart" — in einem offiziellen Dokument im Zusammenhalt mit den wüsten Beschimpfungen, denen die Judenheit erst kürzlich anläßlich der Wahl zu den Vertretungskörperschaften des Landes ausgesetzt waren, zeigen mehr als alles andere den kulturellen und ethischen Niedergang unserer Zeit, die es nur selten zu einer solch gerechten Würdigung der sozialen und menschlichen Tätigkeit der Israeliten kommen läßt. Hoffentlich tritt auch hierin bald wieder ein Wandel zum Besseren ein. — Dr. D. Landesverband jüdischer Alehgermeisier Bayerns Der Landesverband jüdischer Metzgermeister in Bayern, der vor Jahresfrist in Würzburg gegründet wurde, hat am Sonntag im Hotel „Deutscher Hof" in Nürnberg seine erste Generalversammlung abgehalten. Der ziemlich gut besuchten Tagung wohnten als Gäste auch Gewerberat Feierabend und Kollege Ballbach als Vertreter des Bezirksoereins Bayern im Deutschen Fleischer-Verbände und Stadtrat und 1. Obermeister Ackermann und 2. Obermeister Schweiger als die Vertreter der Zwangsinnung für das Metzgergewerbe in Nürnberg bei und wurden von dem 1. Vorsitzenden des Landesverbandes, Kollegen Levi (München), auf das herzlichste begrüßt. Die Vertreter der beiden genannten Organisationen erwiderten ihrerseits diesen Willkommgruß und wünschten dem Landesverband zu seiner ersten Jahreshauptversammlung den besten Verlauf. Das sodann von dem Schriftführer, Kollegen Lindauer (München), verlesene Protokoll der Gründungsversammlung fand die einmütige Zustimmung und wurde genehmigt. Aus diesem Protokoll geht hervor, daß bereits im Jahre 1923 Kollege Friedmann (Nürnberg) die erste Anregung zum engeren Zusammenschluß der jüdischen Metzgermeister gegeben und daß er seitdem immer und immer wieder auf die Notwendigkeit und die Vorteile eines solchen Verbandes hingewiesen hat, weiter aber auch, daß der größte Teil der jüdischen Metzger Bayerns dem Landesverband bereits beigetreten ist. Der Kassenbericht brachte ein gutes Ergebnis, nur wurde im Anschluß daran eine längere Debatte über die Beiträge geführt, als deren Ergebnis beschlossen wurde, künftig für die Mitglieder vom Lande 3 RM. Aufnahmegebühr und 3 RM. Jahresbeitrag, dagegen für die Mitglieder aus den Städten 5 RM. Aufnahmegebühr und 8 RM. Jahresbeitrag zu erheben, wobei es der Vorstandschaft noch überlassen bleibt, unter Umständen in besonderen Fällen eigene Nachsicht zu üben. Verschiedene Statutenänderungen, angeregt vom Registeramt, fanden ihre Genehmigung. Beschlossen wurde weiter, den nächsten Verbandstag in München abzuhalten und zum diesjährigen Bezirkstag des Bezirksvereins Bayern am 6. und 7. Mai den 1. Vorsitzenden als Vertreter des Landesverbandes jüdischer Metzgermeister in Bayern nach Schweinfurt abzuordnen. In diesem Zusammenhänge wurde auch der Wunsch ausgesprochen, es möchten recht viele jüdische Kollegen an dieser Bezirkstagung teilnehmen und auch sonst Sorge tragen, daß bei Abordnungen und Delegationen auch stets ein jüdischer Kollege vertreten ist. Nach dreistündigen, sehr gründlichen Verhandlungen konnte der 1. Vorsitzende, Kollege Levi, den ersten Verbandstag unter Dankerstattung an alle Erschienenen schließen.