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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-06-01 · 10 (1.6.1928) · p. Seite 153

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
10 (1.6.1928)
Article
Gesamtvorstandssitzung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden
Date
1928-06-01
Page
Seite 153 (sequence 2)
Language
German
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M. 10 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 153 &v6m*n modern wie kein anderer AUTOHAUS-AUGSBURG Waetzoldt & Aigner Ausstellung: Maximilianstraße A 35 / Reparaturwerk: Ulmer Straße 34-38 Fernruf 4132 und 4162 ctuttoe* allen überlegen weise (Herrn Adler-Rudel), der Hilfsverein der deutschen Juden (Herrn Dr. Wischnitzer), der Jüdische Frauenbund (Frau Bettina Brenner, Leipzig und Frau Dr. Edith Hirsch), der Reichsausschuß der Jüdischen Jugendverbände (Herrn Dr. Tietz), die Sozialen Ausschüsse des Allgemeinen deutschen Rabbinerverbandes und des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine (Herrn Rabbiner Dr. Emil Levy und Herrn Georg Sawady), der Verein der Leiter und Leiterinnen jüdischer Erziehungsanstalten Deutschlands (Herrn Direktor Dr. Feist) und die Zionistische Vereinigung für Deutschland (die Herren Alfred Berger und Dr. Lubinski). Nach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden wurde vom Geschäftsführer Dr. Ollendorff der Tätigkeitsbericht über die Arbeit der Zentralwohlfahrtsstelle erstattet, der, ebenso wie der vom Schatzmeister, Herrn Otto Eskeles, gegebene Finanzbericht, dem Gesamtvorstande schriftlich vorlag. Dem geschäftsführenden Vorstand wurde Entlastung erteilt. Sodann folgte ein Referat von Herrn Bankdirektor Wilhelm Kleemann, Berlin, über: „Gesichtspunkte, welche für die Errichtung der seit einiger Zeit in Berlin bestehenden jüdischen Kreditgenossenschaft maßgebend gewesen sind." Daran und an die Berichte schloß sich eine eingehende Diskussion unter lebhafter Beteiligung besonders auch der auswärtigen Vertreter. Die Aussprache ergab eine große Reihe von Anregungen für die künftige Ausgestaltung der verschiedenen Arbeitsgebiete, insbesondere des Kreditwesens, der Gesundheitsfürsorge (vor allem der Tuberkulosefürsorge und der Fürsorge für Nerven- und Geisteskranke), sowie der Gefährdetenfürsorge (Frage der Bewahrungsheime). Schließlich wurde eine von Herrn Dr^ Tietz (Reichsausschuß de jüdischen Jugendverbände) vorgelegte Entschließung zur tatkräftigen Förderung der jüdischen Gemeinde- und Jugendheime einstimmig angenommen. ttus dem Verbände Israelitische Waisenanstalt Fürth Dem von dem Direktor der Anstalt, Herrn Dr. Deutsch, an die Aufsichtsstelle erstatteten Erzieher- und Wirtschastsbericht für das Jahr 1927/28 entnehmen wir die folgenden Einzelheiten: „Die israelitische Waisenanstalt, seit deren Begründung 165 Jahre vorübergegangen sind, hat wieder ein Jahr hinter sich. Das wollte früher wenig besagen im Hinblick auf den Umfang und die Größe der Aufgaben, die sie zu erfüllen hat. Jetzt ist dies jedoch anders. Seit dem Weltkriege und den betrüblichen Folgen, den derselbe über Deutschland, seine Anstalten, Wohlfahrtseinrichtungen und Kulturwerke gebracht hat, kommt jeder in positiver Richtung überwundenen Zeitspanne eine ganz andere Bedeutung und Tragweite zu. Und so beschleicht uns denn stets ein Gefühl sieghafter Genugtuung und Freude, so oft wir über den Fortbestand und die erfolgreiche Behauptung, wenn auch nur eines weiteren Jahres, zu berichten in der Lage sind. Denn schwer und mühsam ist der Weg geworden, welchen selbst die für die sichtbarste und notwendigste Wohltätigkeit geschaffenen Anstalten zu gehen haben. Durch die Inflation ihrer Stiftungs¬ und Kapitalsvermögen fast vollständig beraubt, können sie ihre Aufgaben aus Eigenem nicht mehr erfüllen. Sie find wie am Anfang ihrer Gründung wieder ganz in Abhängigkeit von Personen und Verhältnissen geraten, deren Kraft und Stärke gleichfalls abgenommen haben. Nicht als ob das sittliche Empfinden, die edle Gesinnung und die Macht der Liebe nachgelassen hätten, aber die Not der Zeit setzt ihnen Schranken und läßt sie nicht zur vollen Auswirkung gelangen. Die Volksschicht, welche Zuwendungen von größerer materieller Bedeutung zu machen in der Lage ist, wird immer geringer und die Verarmung der auch bisher in beengten Verhältnissen sich befundenen Hilfesuchenden verbietet es, ihnen Kosten und Vergütungen nennenswerter Art aufzuerlegen. So find die Anstalten, insbesondere die der Waisenpflege, gezwungen, bei geschwächter wirtschaftlicher Kraft und mangelnder ausreichender Kapitalsunterlage nach den Grundsätzen einstiger Wohlhabenheit zu arbeiten, und es begreift sich die frohe Genugtuung, wenn dies vertrauendem Mute wieder ein Jahr erfolgreich gelungen ist. Dieses für das Jahr 1927/28 in wirtschaftlicher und erzieherischer Hinsicht von unserem Hause und seinem Ausgabenkreis berichten zu können, erfüllt uns mit wahrhafter Freude, sowohl wegen des Geleisteten und Vollbrachten als auch weil es unsere Hoffnung auf allmählichen Wiederaufbau stärkt und festigt. Es war auch im abgelaufenen Jahre möglich, alle sich Meldenden aufzunehmen und die frei werdenden Plätze zu besetzen. Der Belegungsstand war wieder 39 (25 Knaben und 14 Mädchen). Wenn trotzdem ein Viertel der Plätze unbelegt war, so liegen die Ursachen auf dem Gebiete soziologischer Bevölkerungspolitik, auf welche die Aufmerksamkeit der staatlichen und religiösen Instanzen seit Jahren gerichtet ist und worauf wir im Bericht des vorigen Jahres andeutungsweise hingewiesen haben. Das Problem als solches interessiert unsere Wohlfahrtspflege nur insofern, als in ihm die Mahnung enthalten ist, sich auf das Bestehende zu konzentrieren und Erweiterungen und Neugründungen von Schutzstellen solange abzulehnen, als die bewährten alten noch über freie Plätze verfügen. Ihre Ausbildung genossen die bei uns untergebrachten Kinder in folgender Art: 17 besuchten die israelitische Realschule, 4 die Vorschule derselben, 7 die städtische Volkshauptschule, 1 die städtische Berufsfortbildungsschule, 2 die städtische Frauenarbeitsschule, 2 das städtische Mädchenlyzeum und 3 die städtische Handelsschule. 3 Zöglinge, welche bereits als Kaufmannsangestellte tätig sind und die der Möglichkeit des eigenen Unterhalts noch ermangeln, wurden weiter in der Versorgung der Anstalt belassen. Trotz der im allgemeinen befriedigenden Leistungen der Kinder werden wir mit Beginn des neuen Schuljahres mancherlei Umschulungen vornehmen müssen. Die Erschwerungen in den Prüfungsanforderungen und Aufstiegsmöglichkeiten in den neuen staatlichen Bestimmungen verschärfen auch die Verpflichtung, in Zukunft die erkenntnismäßige Begabung der Kinder für die höheren Lehranstalten noch ernster zu prüfen und in dieser Zuweisung größere Zurückhaltung zu beobachten, worauf ja auch letzten Endes die neue Schulordnung abzielt. Freilich ist es bei fremden Kindern nicht leicht, gleich anfangs zutreffend zu beurteilen, wohin Neigung und Begabung sich wenden und in welcher Ausbildungsart sie zu einem Höchstmaß von Leistungen geführt zu werden vermögen und es werden sich Übergänge niemals vermeiden lassen; sie soviel als möglich auszuschalten und den stufenmäßigen Fortschritt in der einmal erwählten Schulgattung nicht zu unterbrechen, muß jedoch oberstes Ziel sein. Zu den Sorgen um eine die spätere Fortkommensmöglichkeit fördernde geeignete Ausbildung der Kinder tritt für uns auch die um das religiöse, seelische und sittliche Wohl derselben, worin wir von je eine der wichtigsten Erziehungsaufgaben erkannt haben. Wenn schon eine pflegerische Betreuung, um wirksam zu sein, keine mechanische, sondern eine von selbstloser Hingabe getragene zu sein hat, so erst recht diese die Persönlichkeit in ihrem höchsten Empfindungsleben gestaltende geistige, die, um pflichtgemäßes Wollen zu zeitigen, von Überzeugung eingegeben und von nachsichtiger Liebe unterstützt sein muß. Wir freuen uns konstatieren zu können, daß die Gefolgschaft der Kinder hierin nicht im Zwang, sondern im Bewußtsein des Pflichtgemäßen ihren Ursprung hat. Bei Beobachtung der für die körperliche Gesundheit wichtigen Faktoren: der Reinlichkeit, kräftigen Ernährung und ordnungsgemäßen Lebensweise, war auch diese eine normale, von keiner ernsten Störung unterbrochene; Ausspannung und Erholung im Spiele wurden den Kindern reichlich gewährt und darauf Bedacht J. SCHRAMM^^

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