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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-06-01 · 10 (1.6.1928) · p. Seite 151

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
10 (1.6.1928)
Article
Die jüdische Sonderschau der Pressa Köln 1928
Date
1928-06-01
Page
Seite 151 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 10 Bayerisch» Israelitische Gemein dezeitung 151 vie jüdische Sonderschau der pressa Köln 1928 Auf der Kölner Internationalen Presse-Ausstellung befindet sich auch ein jüdischer Pavillon, in dem versucht wird, die Bedeutung der Publizistik für Judentum und Juden, wenigstens von den bemerkenswertesten Seiten beleuchtet, darzustellen. Zunächst wird eine gedrängte Schau der Schriftmittel und ihrer Entwicklung zu sehen sein, einerseits die hebräische Schrift, anderseits die Werkzeuge des Druckes von den ersten hebräischen Satztypen angefangen bis zur modernen hebräischen Schreibmaschine; zugleich Produkte dieser Technik, wie die ersten Wiegendrucke (Inkunabeln), jüdische Flugblätter aus vergangenen Jahrhunderten und die ersten jüdischen Zeitungen. Die Ausstellung selbst enthält ihrem geistigen Aufbau nach zwei Abteilungen: 1. die jüdische Publizistik und 2. bedeutsame nichtjüdische Publizistik über Judentum und Juden. Im Mittelpunkt der ersten Abteilung steht das Buch der Bücher: d i e B i b e l, die durch Jahrtausende für das Leben eines jeden Juden bestimmend war und seinen Einfluß, wie kein anderes Schriftwerk, über die ganze Welt verbreitete. So beginnt die Publizistik der Juden mit der Verkündigung der reinen Gotteslehre, der Menschenliebe und des wöchentlichen Ruhetages. Weiterhin zeigt sie der Religion gewidmete Publizistik, die Auswirkung der Bibel in ihren Übersetzungen, die allen Menschen ihre Kenntnis vermittelten. Wir sehen aber auch die Produkte jahrtausendelangen unermüdlichen Forschens über das schriftlich und mündlich gegebene Gesetz der Juden, über eine gewaltige Buchliteratur hinmünden in Zeitschriften, die bis zum heutigen Tage teils der wiffenschaftlichen Erforschung der Gesetze und ihres Schrifttums dienen, teils weiten Schichten dauernd religiöse Belehrung und Erbauung bringen. Wiewohl Denken und Forschen der Juden in früheren Jahrhunderten in erster Linie der Religion galt, so hat es doch nie an Bestrebungen gefehlt, auch profanes Wissen zu erlangen und unter den Glaubensgenossen zu verbreiten. Dies zu zeigen, dazu dient die Abteilung über „die Publizistik im Dienste der Verbreitung profanen Wissens unter den Juden". Es erschließt sich dem Betrachter das Streben der Juden, nach dem Abflauen des unmenschlichen Druckes im achtzehnten Jahrhundert und während der „Aufklärungszeit" den Anschluß an die geistige Arbeit der Umwelt zu finden. Eine große Anzahl hochbegabter, ideal gesinnter Juden schufen Zeitschriften, Kalender und Aufrufe zur Belehrung der Brüder. Ins modernste Leben und seine geistigen Strömungen führt uns weiter jener Teil der Ausstellung, der die Publizistik im Dienste der Soziologie aufzeigt. Hier erschließt sich uns der Einfluß, den die Presse auf die Entwicklung und Verbreitung moderner sozialer Ideen unter den Juden hatte; hier sehen wir Zeitschriften, die sich belehrend und werbend von den verschiedensten politischen Richtungen aus an jüdische Leser aller Gesellschaftskreise wenden. Hier finden wir auch das Zeitschriftenwesen, das inr Dienste karitativer und humanitärer Ziele steht. Nicht ohne Ergriffenheit wird ein denkender Mensch die letzte Gruppe in dieser Abteilung besuchen können, die „die Publikation im Dienste des Kampfes der Juden um ihre Menschen- und Bürgerrechte" darstellt. Das Licht, das sich an der Bibel der Juden zur Leuchte für die Welt entzündet hatte, war auch die Fackel geworden, die unzählige Scheiterhaufen entzündete, auf denen die Juden als ergebene Märtyrer ihres Glaubens zu Tode gequält wurden. Ihr Leben war ewig bedroht; Freiheit und Rechte waren in der Hand übelwollender Gewalthaber, die die Juden — mit dem Bilde eines bekannten Historikers ausgedrückt — behandelten, wie der Imker sein Bienenvolk duldet und ausräuchert, je nachdem es ihm Nutzen bringt. Einen unendlich weiten Weg mußte die seelische Entwicklung ihrer Umwelt zum Idealen gehen, bevor auch den Juden das Recht,-Menschen zu sein, zugestanden wurde. Hier sehen wir, welche Rolle in diesem Kampf um ihr Recht die Presse gespielt hat. Ein zweiter Teil der Ausstellung zeigt uns Juden und Iudentirm als Objekt nicht jüdischer Publizistik. Wir sehen eine Auswahl bedeutsamer Erlasse, die die Rechtsstellung der Juden im Staate regeln. Ferner wird der Einfluß der Publizistik auf das Verhältnis von Juden und Nichtjuden im Staate deutlich, wenn uns die Presse im Kampfe gegen die Juden von ältester Zeit bis auf unsere Tage vor Augen geführt wird. Die Mittel, aus unsachlichen Motiven den Haß gegen das Judentum und seine Bekenner zu schüren, sind sich in den Jahrhunderten der Weltgeschichte ziemlich gleich geblieben. Der gefährliche Einfluß, den die Presse hier nehmen kann, wird an einigen Beispielen deutlich gezeigt. Demgegenüber sehen wir schließlich auch die wertvolle Arbeit, die auch die nichtjüdische Presse, vor allem zur Emanzipationszeit, bei der Erkämpfung der Menschenrechte der Juden geleistet hat. Diesem kulturhistorisch-systematisch aufgebauten Mittelpunkt der jüdischen Presseschau schließen sich besondere Abteilungen an, in denen Entwicklung, moderne Ausbreitung und Bedeutung des judaiftischen, hebraiftischen und jiddischen Pressewesens vor Augen geführt wird. Da die Ausstellung ein Spiegelbild des gesamten jüdischen Lebens sein soll, wird sie gewissenhaft vermeiden, einer einseitigen Parteirichtung zu dienen, und Juden und Nichtjuden ein interessantes Bild der in der Fachpresse und dem Zeitschriftenwesen zusammengefaßten jüdischen Publizistik und ihres Zusammenhanges mit der Vergangenheit und Gegenwart geben. Diese Sonderschau wird in ihrer Beziehung zum Leben auch in zahlreichen Bildern dargeftellt und durch alte und moderne Kupferstiche, Radierungen und sonstige Graphik deutlich gemacht und erläutert. ANTIQUITÄTEN alte jüdische rituelle Gegenstände, insbesondere in Silber, auch Bronze und Zinn, wie Kiddisch-Becher, Esrik- Schalen, Chanuka-Leuchter, Seder-Platten, Thoragehänge, Sabbat-Leuchter, Menore usw: Alte Stickereien und Ringe, möglichst mit jüdischer Aufschrift, zu kaufen 'gesucht. Angebote an Th. Einstein & Co., München Maximilianstraße 7 / Telephon Nr. 20575

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